Alte Glocke läutet wieder in St. Nikolaus in Polen

Die alte Kirchenglocke aus der geschlossenen Kirche St. Barbara ist am Dienstag , 15.11.2011 in der Cyriakuskirche ausgestellt.Sie soll in diesen Tagen nach Polen gebracht werden .Dort soll sie einen Platz in einer katholischen Gemeinde finden. Foto: Birgit Schweizer / WAZ FotoPool
Die alte Kirchenglocke aus der geschlossenen Kirche St. Barbara ist am Dienstag , 15.11.2011 in der Cyriakuskirche ausgestellt.Sie soll in diesen Tagen nach Polen gebracht werden .Dort soll sie einen Platz in einer katholischen Gemeinde finden. Foto: Birgit Schweizer / WAZ FotoPool
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Bottrop.. Die Kirchenglocke stammt aus dem Jahr 1525. Bald wird sie 500 Jahre alt sein. Wenige Jahrzehnte rief sie im Turm der Barbarakirche die katholischen Christen in Lehmkuhle zur Messe. Jetzt erklingt die alte Glocke wieder in der Kirche St. Nikolaus in dem kleinen Dorf Polanka Wielka im Süden Polens.

„Sie ist jetzt da, wohin sie gehört“, sagte Klaus Dobrindt, der Verwaltungsleiter der Kirchengemeinde St. Cyriakus.

Ende November hatte die Cyriakusgemeinde, zu der die leer stehende Barbarakirche seit einiger Zeit gehört, die Glocke offiziell den polnischen Christen übergeben. Sie gehört moralisch ja auch ihnen. Pfarrer Tadeusz Porzycki nahm sie nach einem Gottesdienst in St. Cyriakus entgegen. „Die Übergabe der Glocke ist ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung unserer Völker“, sagte Paul Neumann, Propst an St. Cyriakus, jetzt bei einem Besuch der Bottroper Gemeindevertreter im Süden Polens, wo die Christen aus Polen und Deutschland die Heimkehr der alten Glocke in einem zweisprachigen Gottesdienst feierten.

Im Krieg geraubt

Im Zweiten Weltkrieg hatten die Nationalsozialisten auch in Polanka Wielka im besetzten Polen Kirchenglocken geraubt. Sie wollten Bronze haben, um im Krieg Waffen und Munition herstellen zu können. Auch in Deutschland waren dafür zigtausende Kirchenglocken aus Bronze eingeschmolzen worden. Die Glocke aus Polanka Wielka aber lagerte nach dem Krieg noch zwischen tausenden anderen auf dem Glockenfriedhof in Hamburg. Sie gehörte zu den Hunderten von Glocken, die die britische Militärregierung Anfang der Fünfziger Jahre beschlagnahmte und dann als so genannte Patenglocken an Gemeinden in Westdeutschland auslieh. So gelangte die uralte Kirchenglocke aus dem kleinen polnischen Dorf wohl in den Turm von St. Barbara, und dort blieb sie bis zur Schließung der Kirche.

Der frühere St. Cyriakus-Verwaltungsleiter Gerhard Reinhold setzte sich sehr dafür ein, dass die Glocke aus St. Barbara jetzt wieder in ihre Heimat zurückkommt. Vor gut drei Jahren hatte die polnische Gemeinde die Pfarrei St. Cyriakus angeschrieben, und sie gebeten, die Glocke doch zurückzugeben. „Der Empfang in Polanka Wielka war unvorstellbar freundlich, gerade auch weil die Menschen dort unsere Geste sehr zu schätzen wissen“, betonte sein Nachfolger Klaus Dobrindt.

Zwar waren an der auf Wunsch der Polen auch vertraglich geregelten Rückgabe ihrer alten Kirchenglocke auch das Bundesinnenministerium, das Finanz- und das Außenministerium beteiligt, auf staatlicher Ebene sei dies generell jedoch noch nicht geregelt.

 
 

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