Alban Pengili spielt vertrackte 24 Capricci von Paganini

Seit Jahrzehnten waren diese Capricci in Bottrop nicht zu hören. Allenfalls in kleinen Auszügen als Zugaben. Alban Pengili traute sie sich zu und demonstierte auf höchstem Niveau die Geige als Abenteuerland.

Bottrop.  „Welch ein Mann, welch eine Violine, welch ein Künstler, welch ein Leiden, welch ein Elend!“ Das soll Franz Liszt, der große Virtuose des 19. Jahrhunderts nach einem Konzert mit Niccolo Paganini (1782 – 1840) ausgerufen haben. Und in dieser Wertung stecken nahezu alle Widersprüche in der Biographie und im Künstlertum des Italieners. Ein Magier, ein Dämon, ein Genie, ein immer kranker Mensch, ein stets tragisch umflorter Geiger – all das war „das Wunder Paganini“. Im Kammermusiksaal spielte Alban Pengili, ein aus Albanien stammender, seit rund 20 Jahren in Deutschland lebender Violinist, die vertrackten 24 Capricci von Paganini – ein Ereignis.

Wer wagt sich denn überhaupt an diese fast 200 Jahre alte „Bibel des Geigenspiels“? Wenige. Weil diese technisch anspruchvollsten Stücke, mit denen Paganini einst eine Geigenschule auflegen wollte, von den Stars eher gemieden werden. Pengili dagegen interpretiert diesen Parforceritt auf vier Saiten, als würde er die akrobatischen Hürden geradezu leichthin und elegant genießen. Er reiht sich so ein in die Serie großer Aufnahmen – von Salvatore Accordo über Shlomo Mintz bis Itzhak Perlman.

Arpeggio, (Doppel-)Triller, Flageolett, Springbogen, Pizzicato, gebrochene Akkorde, Doppelgriffe, atemberaubendes Tempo bei Presto-Läufen, aber eben auch kultivierter, „schöner“ und edler Ton in tiefen wie hohen Lagen – Pengili, übrigens auch Dozent an der Städtischen Musikschule, besteht diese „Meisterprüfung“ mit dem besten Zeugnis. Schwächen? Nein, die kann man wirklich bei ihm an diesem grandiosen Abend, der mehr Publikum verdient hätte, nicht ausmachen.

Seit Jahrzehnten waren diese Capricci, etüdenartige Kompositionen voller Reize und Spannungen, nicht in Bottrop zu hören. Allenfalls als Zugaben-„Zuckerl“ erlebt man aus diesen Miniaturen mal ein Beispiel. Aber alle 24 (nebst Variationen) auf einen Streich? Das ist eine absolute Rarität. Man schaut bei dieser Präsentation ins faszinierende Labor der Violinentechnik: Was ist alles möglich in diesem besonderen Instrumental-Kosmos?

Pengilis Kunst in höchster Konzentration – ein kostbares Abenteuer. Für ihn, für das Auditorium. Dieses Konzert (einschließlich einer Paganini-Zugabe) bleibt für alle, die dabei waren, unvergesslich. Ein ganz großes (Vor-)Weihnachtsgeschenk.

 
 

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