Abwassermanager halten alles im Fluss

Michael Friese
Michael Hüllen ist Leiter der Nachrichtentechnik bei Emschergenossenschaft und Lippeverband. Er kennt das Metier seit Jahrzehnten.
Michael Hüllen ist Leiter der Nachrichtentechnik bei Emschergenossenschaft und Lippeverband. Er kennt das Metier seit Jahrzehnten.
Foto: Jannis Reichard
Damit Störungen rechtzeitig erkannt und behoben werden, laufen aus rund 700 Anlagen die Fädenin der Bottroper Überwachungszentrale zusammen. 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr.

Bottrop.  Vor und während der Feiertage dreht sie vieles um die Versorgung in den Haushalten. Doch auch die Entsorgung will geregelt sein - und zwar 24 Stunden am Tag. Dass es hier zu keinen Störungen kommt, darüber wacht eine Schaltzentrale von Emschergenossenschaft und Lippeverband. Sie hat ihren Sitz in Bottrop und ist rund um die Uhr besetzt. 365 Tagen im Jahr.

Stillstand unerwünscht

Erst im Frühjahr 2015 ist die „Betriebsüberwachungszentrale“ BÜZ in ihre neuen Räume auf der Kläranlage Bottrop gezogen. „Die bisherigen Räumlichkeiten am Pumpwerk Bottrop-Boye entsprachen einfach nicht mehr den aktuellen Anforderungen. Deshalb wurde ein Konzept für eine neue, moderne Überwachung erstellt“, sagt Michael Hüllen. Der 48-Jährige ist Leiter der Nachrichtentechnik bei Emschergenossenschaft und Lippeverband. Er kennt das Metier seit Jahrzehnten. Vor 20 Jahren verantwortete er zum Beispiel den Bau der Warte des Klärwerks Emschermündung in Dinslaken.

Alles wird zum Jahresende hin etwas ruhiger – auch bei den Flussmanagern. Von Stillstand kann aber keine Rede sein, und das darf es auch nicht – denn an Emscher und Lippe muss alles „im Fluss“ bleiben. Die BÜZ nimmt ein über 4000 Quadratkilometer großes Gebiet unter ihre Regie: die Emscherregion von Holzwickede bis Duisburg und Dinslaken, das Lippegebiet von Hamm bis Wesel und von Dülmen bis Marl. Es gilt, ein elektronisches wie menschliches Auge auf 58 Kläranlagen, 229 Regenwasserbehandlungsanlagen und 304 Pumpwerke zu haben. Umso mehr, als ein Großteil der Anlagen mittlerweile ohne Mitarbeiter auskommt. Dutzende von Monitoren zeigen tausende von Daten an. Auf den Bildschirmen verfolgen die Flussmanager auch das Wetterradar und die Meldungen des Deutschen Wetterdienstes. „Wir müssen uns frühzeitig auf Hochwasser und Starkregenereignisse vorbereiten. Das optimiert unsere Arbeit ganz erheblich“, sagt Hüllen.

Bürgertelefon

Neben der Betriebsüberwachung werden in der BÜZ übrigens auch das Bürgertelefon der Verbände betreut, Koordinierungsaufgaben bei Hochwasser- bzw. Starkregenereignissen und weitere übergeordnete, zentrale Aufgaben für das gesamte Emscher- und Lippegebiet erledigt. Apropos Bürgertelefon: Hier nehmen Mitarbeiter auch außerhalb der regulären Dienstzeiten der Verbände Anrufe entgegen. Häufig geht es dabei um Meldungen aus der Bevölkerung über hohe Wasserstände oder Verstopfungen.

Es gab auch schon Skurriles: Eine junge Anruferin erzählte, ihre Zahnspange sei aus Versehen im Klo gelandet – und fragte, ob sie sie im Klärwerk abholen könne. Die BÜZ hat seinerzeit davon abgeraten . . .