400 Gäste besuchen die offenen Kirchen

Die Lichtvesper war einer der Programmpunkte der Altkatholischen Kirche in der Kreuzkampkapelle.
Die Lichtvesper war einer der Programmpunkte der Altkatholischen Kirche in der Kreuzkampkapelle.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
  • In sieben Kirchen und zwei Moscheen veranstalteten die Gläubigen unterschiedliche Programme
  • In allen neun Gemeinden stand das friedliche Miteinander im Mittelpunkt
  • Als ein15-jähriger Koranschüler zum Gebet ruft, dürfen alle bleiben

Bottrop..  Propst Paul Neumann beendet die Begrüßung zur Nacht der offenen Gotteshäuser: „Wer Frieden findet mit sich selbst, mit den Mitmenschen und mit Gott, der findet das Leben.“ Es ist Freitagabend, 18.20 Uhr. Die Besucher in der Propstei-Kirche Sankt Cyriakus stimmen nach dem Empfang mit Propst Paul Neumann und Oberbürgermeister Bernd Tischler den dreistimmigen Kanon „Herr, gib uns Deinen Frieden“ an. Damit ist die Nacht der offenen Gotteshäuser eingeläutet. Zum dritten Mal.

Unter dem Leitspruch „Orte des Friedens“ öffneten am Freitag neun Gemeinden ihre Türen. Bei Darbietungen wie Gesang, Gebet, einer Fotoausstellung nebst Lagerfeuer und gemeinsamen Essen in den einzelnen Gotteshäusern erhielten die Gäste Gelegenheit, sich dem Thema Frieden zu nähern.

„Das Thema brennt uns unter den Nägeln“, sagt Neumann. „In den Nachrichten wird von Terror und von Krieg berichtet. In den Gotteshäusern kann Frieden erfahren werden.“ Oberbürgermeister Bernd Tischler pflichtet bei: „Der Frieden in einer Stadt ist ein hohes Gut. Sich einzubringen, mitzumachen - diese Form des Zusammenlebens wollen wir erhalten und weiter pflegen.“ Dabei finden sich in allen drei abrahamistischen Religionen, also dem Judentum, Christentum und dem Islam, Visionen eines umfassenden Friedens, erläutert der Propst.

Um die großen Religionen in Bottrop zusammenzubringen, bilden an diesem Abend neben sieben christlichen Kirchen auch zwei Moscheen einen Ort des Friedens.

Interkulturell

Muslimin Sati Kayabasi lebt dieses Zusammensein. Die zweifache Mutter trägt ein perlmuttfarbendes Kopftuch, ihre Kinder lesen zuhause im Koran und in der Bibel. Ihre Eltern stammen aus der Türkei, sie arbeitet interkulturell mit christlichen Frauen zusammen. Die Welheimerin sagt schlicht: „Ich bin hier als Bottroper Bürgerin unterwegs.“

Um 19 Uhr steht die 45-Jährige vor der evangelischen Martinskirche und hört dem Posaunenchor zu. Ihre Überzeugung: „Wenn man auf andere Menschen zugeht und diese kennenlernt, dann kann man Vorurteile abbauen. So haben mich meine Eltern großgezogen, das gebe ich ebenso an meine beiden Mädchen weiter.“ Auch, wenn diese bei den warmen Temperaturen daheim lieber eine Wasserschlacht veranstalten, als hier dabeizusein.

Denn warm, das ist es auch in der Ditib-Moschee an der Prosperstraße. Gegen 20.30 Uhr betritt Helmut Hadamczik den Innenraum. Nicht, ohne sich vorher am Eingang die Schuhe ausgezogen zu haben. Als Katholik besucht der 76-Jährige regelmäßig Gotteshäuser unterschiedlicher Konfessionen, befasst sich mit dem Thema Religion und ihrer Komplexität. Der pensionierte Lehrer sucht den Dialog mit den Menschen, die ihrer Heimat immer noch verbunden sind. Vom Innern der Moschee ist er angetan: „Alles hier macht einen schönen Eindruck - sowohl die Art, wie der Innenraum gestaltet ist, als auch die Atmosphäre und die Menschen.“ Als gegen 20.45 Uhr bei 35 Grad Außentemperatur der 15-Jährige Koranschüler Sefa Terzici zum Gebet ruft, dürfen Hadamczik und alle Anwesenden, auch Frauen, bleiben. In Hocharabisch verkündet der Imam die Botschaft, dass alle Menschen friedlich miteinader umgehen mögen und ruft zu Frieden, Toleranz und Barmherzigkeit auf. Dem Gebet von gut zehn Minuten Länge folgt eine Führung durch die Gemeinde mit anschließendem Tee und Gebäck. Propst Neumann ist ebenfalls vor Ort und möchte damit zeigen, dass ihm die Muslime wichtig sind.

 
 

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