12 Grad plus: Zittern beim Sommertheater

Die Rocky Horror Show auf der Halde: Bei Frank’n’Furter (Leon van Leeuwenberg, r.) und Rocky (Stefan Reil) wird es dem Publikum auch bei 12 Grad  warm ums Herz.
Die Rocky Horror Show auf der Halde: Bei Frank’n’Furter (Leon van Leeuwenberg, r.) und Rocky (Stefan Reil) wird es dem Publikum auch bei 12 Grad warm ums Herz.
Foto: WAZ Fotopool

Bottrop..  Der Berg ruft, die Bottroper kommen, kurz: die Halde ist Kult. Ausverkauft ist sie sowieso seit Monaten. Denn die „Rocky Horror Show“ hat unter den eingefleischten Fans ebenso Kultstatus, wie der fast surreal anmutende Spielort hoch über dem Revier.

Wer die zweite der fünf Aufführungen besucht, hat Glück. Es bleibt trocken und nach der Pause lugt sogar ein wenig Abendsonne über den schwarzen Rand der Halde. 12 Grad (plus)? Geschenkt. Jedenfalls für die Zuschauer, die teilweise als Riff-Raff oder Margenta kostümiert und mit allen nötigen Utensilien ausgestattet in den weißen Bussen nach ober rattern. Die Show, die das Westfälische Landestheater Castrop (WLT) unter windig-widrigen Umständen abzieht, hat es in sich.

Die Auffahrt ist schon ein Abenteuer

Auch die Fahrt gestaltet sich zum Abenteuer. Ein Bus verirrte sich auf dem weitläufigen Gelände der Zeche und musste dann kleinlaut, etwas gedrängt von einem entgegenkommenden Riesenbagger, im Schritttempo denn Rückweg antreten. Was soll’s: Die Stimmung ist auch unten gut, erste Frikadellen finden schon dort ihre Abnehmer.

Oben auf dem Berg ist schon mal Einstimmen angesagt. Die Brüggemeiers vom Figurentheater Sonstwo haben die benötigten Utensilien im Bauchladen. Reis, Wasserpistolen, Klopapier aber auch künstliche (Weingummi)-Augen - flüssig gefüllt, aber leider alkoholfrei - und Wunderkerzen. Die harten Rocky-Fans brauchen das nicht. Sie kommen mit Stil und Ausrüstung. Meine Nachbarin erinnert sich noch an eine Rocky-Aufführung in der alten Schauburg. „Da konnten wir so richtig rumsauen, denn die wurde kurz darauf abgerissen.“

Als Erzähler Guido Turk beginnt, wird es stiller. Zunächst verwirrt das Tageslicht in dieser langen „Sommer“-Nächte. doch spätestens beim Reisgewitter während der Hochzeitsszene und dann beim „Time Warp“ stört nichts mehr. Die Choreografie sitzt. Chis Murray als Riff Raff hat das Schauerschloss, dessen Bewohner und unfreiwilligen Gäste im Griff. Michèle Fichtner und Daniel Printz (der später auch mit saftigem Bariton überzeugt) als Janet und Brad sind eine Besetzung nach Typ. Und wer als Sänger-Schauspieler einen Frank’n’Furter, die Paraderolle als Obertucke, nicht hinbekommt, hätte ohnehin seinen Beruf verfehlt. Aber da ist das WLT mit Gast Leon van Leeuwenberg auch auf der sicheren Seite.

Spätestens nach der Pause sind nicht nur der schöne Rocky (Stefan Reil) sondern auch die meisten Protagonisten fast nackt. Als Profis lassen sich die Kälte nicht anmerken. Auch das ist eine stramme Leistung. Am Ende tanzen sie sogar mit dem Publikum im Rund der Bergarena. Sommertheater kann so schön sein.

 
 

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