Zwischen Jet-Set und Jugendherberge

Jürgen Stahl
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Im März 2012 verleiht Sascha Hellen wieder seinen „Steiger Award“ in der Jahrhunderthalle. Im WAZ-Interview gewährt der Medienberater Einblicke in seine Arbeit.

Bochum. Mit Königin Silvia von Schweden will er im März 2012 sein Meisterstück ablegen: Sascha Hellen (34) holt als Organisator des „Steiger Award“ und der „Herausforderung Zukunft“ internationale Stars, Polit-Größen und gekrönte Häupter nach Bochum. Im Interview mit WAZ-Leserbeirat Uwe Siebler gewährte der Medienberater Einblicke in seinen Arbeitsalltag zwischen Jet-Set und Jugendherberge. Redakteur Jürgen Stahl zeichnete das Gespräch auf.

Herr Hellen, wie wird man Medienberater und Veranstalter hochkarätiger Preisverleihungen und Diskussionsforen?

Sascha Hellen: Um es mit Picasso zu sagen: „Ich suche nicht, ich finde.“ Ich habe noch nie eine Bewerbung geschrieben, es hat sich immer alles ergeben. Da hatte ich bisher immer großes Glück. Dafür bin ich dankbar. Als Schüler, mit 14, habe ich für ein Anzeigenblatt gearbeitet. Als der Dalai Lama nach Essen kam, habe ich versucht, einen Termin zu bekommen. „Seine Heiligkeit dankt, steht für Interviews aber nicht zur Verfügung“, hieß es. Ich bin trotzdem hingefahren. Und was passierte? Der Dalai Lama nahm meine Hand und gab mir ein Interview. Das Foto hängt noch heute an meiner Wand. Seine Heiligkeit hält eine Teetasse hoch. Darauf steht: „Made in China“.

War das der Anfang Ihrer Karriere?

Hellen: Es folgten viele weitere Interviews, von Schmidt bis Schautzer. Nach der Schule habe ich bei der Kundenzeitschrift der Deutschen Bahn gearbeitet. Bei „Beckmann“ in Hamburg machte ich ein Praktikum, war für die ARD als freier Mitarbeiter tätig und half Ute Ohoven bei der Organisation ihrer jährlichen Unesco-Benefiz-Gala.

[kein Linktext vorhanden]Wie kam es zum „Steiger“?

Hellen: Die Zusammenarbeit mit Frau Ohoven führte mich quer durchs Land – aber nie ins Ruhrgebiet. Ich dachte: Das kann doch nicht sein, dass sich alles rund ums Revier abspielt. 2005 und 2006 veranstaltete ich den Steiger Award im Casino Hohensyburg. Zu den Preisträgern zählten Tokio Hotel. Die Medienpräsenz war entsprechend groß. Seit 2007 wird der Preis in der Jahrhunderthalle verliehen.

Wird der Steiger in Bochum bleiben?

Hellen: Die Preisverleihungen 2012 und 2013 sind gesichert. Mein Wunsch ist es, in der Jahrhunderthalle zu bleiben. Sie bietet eine großartige Kulisse, die ideal zum Steiger und dessen Tugenden passt, die mit dem Preis gewürdigt werden.

Wie finanzieren Sie das Großaufgebot an Stars?

Hellen: Durch Sponsoren (u.a. die Sparkasse und Stadtwerke, die Red.) und den Verkauf von 200 Eintrittskarten (Preis inkl. Dinner: 175 Euro, die Red.). Bei aller Prominenz der Preisträger und Gäste: Wir fahren finanziell auf Schmalspur. Bisher hat es immer funktioniert.

Wie kommen Sie an die vielen großen Persönlichkeiten?

Hellen: Nach acht Jahren ist es nicht mehr so schwierig, die Leute zu überzeugen, nach Bochum zu kommen. Die Liste der Preisträger spricht inzwischen für sich. Bei manchen Gästen braucht es allerdings länger. Bei Königin Silvia hat’s zweieinhalb Jahre bis zur Zusage gedauert. Die Regenbogenpresse ist schon jetzt elektrisiert. Ich wurde allen Ernstes gefragt, welches Kleid Ihre Majestät am 17. März tragen wird...

Wovon lebt Sascha Hellen? Profitieren Sie mit Ihrer Firma vom Steiger Award?

Hellen: Mit meiner Medienagentur arbeiten wir für Stiftungen, beraten Unternehmen, vermitteln Referenten und organisieren Veranstaltungen, etwa den „Atrium-Talk“ der Stadtwerke. Das ist das Kerngeschäft. Bei den Referenten nutze ich mein internationales Netzwerk. Am Ende des Tages habe ich für die Agentur bisher aber kaum einen Kunden über den Steiger-Award generiert. Im Gegenteil: Die Öffentlichkeit ist nicht immer von Vorteil. Man bekommt oft auch eins auf die Mütze. Siehe Ackermann. Damit muss man leben.

Nach Protesten u.a. aus dem Umfeld des Schauspielhauses sagte Deutsche-Bank-Chef Ackermann seine Rede im Rahmen Ihrer Reihe „Herausforderung Zukunft“ ab. Mit bleibenden Schäden?

Hellen: „Herausforderung Zukunft“ ist eine Diskussionsplattform für die Themen Politik, Kultur und Menschenrechte. Das eine – gerne auch kontroverse – Diskussion mit Herrn Ackermann nicht zustande kam, finde ich bedauerlich. Ich erhielt Zuschriften von Bochumern, die es schade finden, dass sich die Stadt Bochum nicht intensiver für einen Besuch von Herrn Ackermann eingesetzt hat. Einen nachhaltigen Schaden für die Reihe oder meine Person sehe ich aber nicht.

Ich arbeite als Heilpraktiker und habe einen Verlag. Wie könnten Sie mir helfen?

Hellen: Ich könnte Sie bei Ihrer Medienarbeit beraten oder Referenten vermitteln, wenn Sie die Öffentlichkeit suchen oder ein Produkt mit medialem Erfolg vorstellen wollen. Wie wär’s mit Bill Clinton? Der ist für 400.000 Dollar zu haben. Reisekosten nicht inklusive.

Welche Motivation leitet Sie bei Ihrer Arbeit? Suchen Sie den Glanz und Glamour?

Hellen: Wir reden über drei öffentliche Abende im Jahr: zweimal Herausforderung Zukunft, einmal Steiger. Wer mich kennt, weiß: Ich bewege mich meist hinter den Kulissen. Das ist mir lieber. Die Arbeit in meinem Büro in Gerthe ist wenig aufregend. Bei meinen Besuchen für die Peter-Maffay-Stiftung in Israel schlafe ich in Jugendherbergen. Glamour? Lass die Leute reden...

Haben Sie Freunde im Showgeschäft gefunden?

Hellen: Die meisten meiner Freunde haben mit Show oder Politik nichts am Hut. Es gibt Ausnahmen: Zu Peter Maffay habe ich eine ebenso enge Beziehung wie zum ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert und seiner Frau Aliza. Auch zu Wolfgang Niedecken gibt es seit vielen Jahren freundschaftliche Kontakte. Um so glücklicher bin ich, dass es ihm gesundheitlich wieder besser geht. Er ist ein toller Künstler, ein Querdenker, den ich sehr schätze.