Zwei Bochumer wegen Terror-Plänen zu Haftstrafen verurteilt

Bernd Kiesewetter
Der Angeklagte Amid C. aus Bochum kurz vor dem Urteil im Gerichtssaal in Düsseldorf hinter einer Schutzscheibe. Die Richter verurteilten ihn zu fünfeinhalb Jahren Haft.
Der Angeklagte Amid C. aus Bochum kurz vor dem Urteil im Gerichtssaal in Düsseldorf hinter einer Schutzscheibe. Die Richter verurteilten ihn zu fünfeinhalb Jahren Haft.
Foto: dpa
Nach mehr als zweijähriger Hauptverhandlung hat das Düsseldorfer Oberlandesgericht vier Männer wegen Terror-Plänen verurteilt, darunter sind zwei junge Bochumer. Sie wohnten im Stadtteil Querenburg. Einer bekam fünfeinhalb, der andere viereinhalb Jahre Haft.

Bochum. Beweise für eine Beteiligung seines Bochumer Mandanten Halil S. (30) an einer Terrorgruppe seien "nicht klar erbracht", sagte Verteidiger Wolfgang Weckmüller vor dem Urteil. Und Verteidiger Lutz Eisel erklärte über seinen Mandanten, den Bochumer Amid C. (23), dass „überhaupt keine Anhaltspunkte für eine Schuld“ vorlägen. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht sah das am Donnerstag aber völlig anders. Nach 163 Prozesstagen waren die Richter überzeugt, dass Amid C. zu einer Terror-Zelle von Al Kaida gehörte, der „Düsseldorfer Zelle“. Der 23-Jährige bekam fünfeinhalb Jahre Haft. Halil S. hatte dem Urteil zufolge die Terroristen unterstützt; er wurde zu viereinhalb Jahren verurteilt. Zwei weitere Angeklagte (33, 34) erhielten Haftstrafen von neun beziehungsweise sieben Jahren.

„Der Senat ist zu der Überzeugung gelangt, dass die Angeklagten im Auftrag der Al-Kaida-Führung Terroranschläge in Deutschland verüben sollten und wollten“, sagte ein Sprecher des Gerichts.

In Wattenscheid im Box-Verein

Amid C. und Halil S. kamen 2011 in U-Haft. Sie waren damals von Spezialkräften der Polizei in ihren Wohnungen in Querenburg unter hohen Sicherheitsvorkehrungen festgenommen wurden. Amid C. wurde von schwarz maskierten und schwer bewaffneten SEK-Leuten in seiner elterlichen Wohnung in einem Hochhaus der Hustadt geholt. „Das sind sehr freundliche und hilfsbereite Leute“, sagte damals ein Zeuge über die Familie. Offenbar ahnte niemand in ihrem Umfeld, was damals in Amid C. vorging und in welche Machenschaften er damals verstrickt war. Auch in einem Wattenscheider Box-Verein, in dem er als Teenie aktiv gewesen war, konnte man die Vorwürfe nicht fassen.

Als das SEK damals im April - wenige Tage, bevor Osama Bin Laden von US-Soldaten erschossen wurde - die Wohnungstür auframmte, stand Amid C. mitten in den Abi-Vorbereitungen an einer Bochumer Schule. Das Abi legte er kurz darauf in der JVA Wuppertal ab; die Prüfunterlagen wurden ihm in den Knast gebracht - am selben Tag, an dem auch seine Mitschüler die Klausuren schrieben.

Angeklagte schwiegen zu den Terror-Vorwürfen

Amid C.’s Mutter hatte fast den ganzen Prozess verfolgt, oft als einzige Zuschauerin. Dort sah sie auch Halil S., der erst im Dezember 2011 in einem Studentenwohnheim am Uni-Center festgenommen worden war - von der GSG 9. Der junge Muslim studierte damals an der Ruhr-Uni einen Ingenieurs-Studiengang. Laut Urteil war auch er an den Terror-Planungen beteiligt war. Außerdem soll er eine Vielzahl von Betrügereien im Internet begangen haben. Die gab er zu, zu den Terror-Vorwürfen schwieg er aber - wie auch Amid C. )