Zwei Aufführungen zum Triennale-Auftakt in Bochum

Jürgen Boebers-Süßmann
Szene aus dem Tanzstück „Verklärte Nacht“.
Szene aus dem Tanzstück „Verklärte Nacht“.
Foto: Anne Van Aerschot

Bochum. Der offizielle Startschuss fällt am heutigen Freitagabend mit Louis Andriessens Musiktheaterarbeit „De Materie“ in der Kraftzentrale im Duisburger Landschaftspark; der Samstag beginnt um 12 Uhr mit zwei Eröffnungen im Essener Museum Folkwang: die Ausstellung „Eine Einstellung zur Arbeit“ des jüngst verstorbenen Bochumer Peter-Weiss-Preisträgers Harun Farocki und Antje Ehmann sowie der Film „Levée“ des Choreographen Boris Charmatz, der im September auch in Bochum inszenieren wird.

Spätromantische Komposition

In der Jahrhunderthalle zeigt am Samstagabend die Choreographin Anne Teresa De Keersmaeker ihre Einrichtung „Verklärte Nacht“ mit der berühmten Musik von Arnold Schönberg (21 Uhr). Das Stück war 1995 Teil eines Schönberg-Abends für die Brüsseler Oper La Monnaie. In De Keersmaekers Neubearbeitung der spätromantischen Komposition als Pas de deux treten der erzählerische wie auch der musikalische Aspekt in den Vordergrund: Ein Paar geht im Mondlicht durch die Nacht. Die liebende Frau trägt ein ungeborenes Kind von einem anderen Mann, der Liebhaber aber verzeiht.

Emotionales Wechselbad

Das Zwielicht und das emotionale Wechselbad der Protagonisten klingen im Schwanken von Schönbergs Musik zwischen Intimität und opernhafter Gestik nach. So entwickelt sich eine romantische Lovestory im fahlen Licht einer verklärten Nacht. Wie in ihren Produktionen „En Atendant, Cesena“ und „Vortex Temporum“, die zuletzt in Bochum bei der Triennale zu sehen waren, konzentriert sich die weltweit gefeierte belgische Choreographin in „Verklärte Nacht“ auf sensible Übergangszustände zwischen Hell und Dunkel, zwischen Bewegung und Musik.

Musik braucht große Räume

Nach dieser Vorstellung beginnt um 23 Uhr in der Jahrhunderthalle das Nachtkonzert mit dem Ensemble Modern – ein singuläres Konzerterlebnis. Drei Musiker des Ensemble Modern spielen Morton Feldmans viereinhalbstündiges Werk „For Philip Guston“ (1984). Feldmans Musik braucht große Räume wie die Jahrhunderthalle, sie ist oft für Museen mit halliger Akustik geschrieben, in denen die Werke seiner Freunde Jackson Pollock oder Mark Rothko ausgestellt wurden. „For Philip Guston“ ist eine Hommage an den 1980 verstorbenen Maler-Freund, eine Musik der Abwesenheit und Stille.