Zurück auf Anfang

Foto: WAZ
„Ich will Eure Hände sehen!“ Sänger Mike Bauhaus schwitzt, Mutti schmachtet, Papa schmatzt. Schlager und Würstchen am Kemnader See: Das geht immer.

Bochum.. Schlager? Würstchen? Kemnade? War da nicht mal was? „Eigentlich“, grübelt Wilfried Perner, „hatten wir andere Ziele.“ Aber: Das Volk hat entschieden. Das Volk will und bekommt Schlager, Würstchen, Volksfest, Feuerwerk. So wie früher. Zurück auf Anfang. Pötter sprechen von „der einzigen Kirmes, die in Bochum funktioniert“: „Kemnade in Flammen“, dem Seefest in Oveney, eilt ein Ruf zwischen Rummelplatz und Ballermann voraus. Das gefällt nicht jedem. „Mickie Krause mit seinen ,10 nackten Friseusen’ war der Tiefpunkt“, brach Wilfried Perner, Geschäftsführer der Freizeitzentrum Kemnade GmbH, vor einem Jahr zu neuen Ufern auf: weg vom Jahrmarktcharakter, hin zu „Feier-Tagen mit Niveau“ mit internationalen Gaumenfreuden, Champagnerbar, Techno, Jazz, House-Musik.

Die Resonanz 2011 war, nun ja, verhalten. Ein kapitaler Schlag ins Wasser war das „Feuerwerk“. Für eine Kunstinstallation hatte die Agentur „4Works“ eigens eine Ponton-Bühne im See verankert. Während der Musikdarbietungen fiel der Strom aus. Die Flammen- und Funkensprüher waren wenig effektvoll. Das Feuerwerk setzte erst zum Schluss ein – und währte zum Erstaunen und zur Enttäuschung der Besucher nur Sekunden.

Ein bisschen wie Kirmes

„Wir wollten der Veranstaltung ein neues Gesicht geben. Doch die Leute wollen es nicht“, bringt es Perner auf den Punkt. Mit der Agentur „Cooltour“ (Bochum Total, EM-Fankurve) wurde ein neuer, erfahrener Partner ins Boot geholt. Motto: Zurück in die Zukunft! Das Rezept geht auf, denn Bewährtes kehrte zurück: die Flohmarkthändler, über die mancher die Nase rümpft, deren Nippes-Stände aber dicht umlagert sind; das Riesenrad und die Kinderkarussells; die Coverbands, die das Beste aus vier Jahrzehnten Pop und Rock präsentieren; Gute-Laune-Garanten wir Hartmann oder Ohio Express („Yummy, Yummy, Yummy“); und auch die verpönten Schlagersänger aus der Die-Hände-jetzt-aber-alle-mal-nach-oben-Fraktion. Ein bisschen wie Kirmes. Und das muss nicht schlecht sein.

Die Abstimmung mit Füßen war eindeutig. Über 30.000 Besucher, so die Schätzung der Veranstalter, strömten am langen, herrlich warmen Pfingstwochenende auf die Wiesen am Bootshaus Gibraltar. Tausende säumten das Seeufer, als am späten Samstag- und Sonntagabend das Höhenfeuerwerk gezündet wurde: farbenfroh, zwölf Minuten lang, ganz so, wie es die „Flammen“-Freunde in den vergangenen Jahrzehnten erfreut hatte. Kemnade, wie es lacht und kracht.

Wie beliebt das Seefest ist, zeigte sich bereits in Heveney. Autofahrer aus der gesamten Region steuerten die Parkplätze rund um den Hafen und das Freizeitbad an – in der Erwartung, mit der Bimmelbahn weiter nach Oveney zu fahren. Doch es hat sich ausgebimmelt: Nachdem betrunkene Jugendliche die Bahn 2011 gestürmt und fast umgekippt hatten (wir berichteten), verzichteten die Veranstalter diesmal aus Sicherheitsgründen auf den Pendelverkehr. Die allermeisten Besucher nahmen’s gelassen und legten den 30-Minuten-Weg nach Oveney zu Fuß zurück.

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