Zahl der Flüchtlinge in Bochum ist deutlich gesunken

Andreas Rorowski
Aufgestellt sind die Container an der Rathenaustraße. Vorerst werden sie allerdings nicht als Flüchtlingseinrichtung benötigt. Möglich ist nun eine andere Verwendung.
Aufgestellt sind die Container an der Rathenaustraße. Vorerst werden sie allerdings nicht als Flüchtlingseinrichtung benötigt. Möglich ist nun eine andere Verwendung.
Foto: Gero Helm
  • Noch bis März kamen jede Woche 150 neue Flüchtlinge nach Bochum, dann stoppte der Zuzug
  • Mittlerweile geht die Zahl deutlich zurück: von fast 5000 auf nunmehr weniger als 4000 Menschen
  • Die Stadt konsolidiert nun ihre Strukturen, verbessert die Bedingungen und spart auch noch Geld

Bochum.  Deutlich zurückgegangen ist die Zahl der in Bochum lebenden Flüchtlinge. Seit Ende März, dem vorläufigen Höchststand, als 4934 Personen in Einrichtungen der Stadt – davon 2600 in Wohnungen – untergebracht waren, ist sie bis Ende Oktober um 863 (-17,5 Prozent) auf 4080, mittlerweile sogar auf unter 4000 gesunken. Das hat Auswirkungen auf Unterbringungssituation und Kosten. Sozialdezernentin Britta Anger hat bereits für den Haushalt 2017 die kalkulierten Kosten der Unterkunft nach unten korrigiert, wie sie gegenüber der WAZ erklärte.

Bis auf 120 Personen an der Alten Wittener Straße sind die drei Unterkunftsstandorte für Leichtbauhallen (Alte Wittener Str., Auf dem Esch, Kollegstraße) bereits freigezogen, Ende 2016 wird eine Unterbringungsreserve von gut 1100 Plätzen bestehen. Hinzu kommen weitere 120 Plätze in der erst gar nicht bezogenen Einrichtung an der Herzogstraße.

Hallen für vier Jahre gemietet

Zwar wird die Stadt den Vier-Jahresvertrag für die Leichtbauhallen voraussichtlich erfüllen und die Mietkosten tragen müssen. Allerdings entfallen die für diese Anlagen hohen Catering- und zum Teil auch die Sicherheitskosten. Im Frühjahr, so die Sozialdezernentin gestern im Sozialausschuss, werde geprüft, ob es alternative Verwendungsmöglichkeiten gebe oder die Hallen abgebaut und eingelagert werden. Keinesfalls aber, so erklärte sie gegenüber der WAZ, möchte sie nun vorhandene Überkapazitäten drastisch abbauen, damit Bochum für den Fall vorbereitet bleibe, dass die Flüchtlingszahlen wieder ansteigen.

Derweil nutzt die Sozialverwaltung die sich entspannende Unterbringungssituation zur Konsolidierung ihrer Bestände. Nachdem sämtliche Turnhallen bereits freigezogenen sind, werden nun die alten Unterkünfte an der Kracht- und an der Emil-
straße abgerissen. Auch sämtliche Unterkünfte in Schulen werden bald aufgegeben sein.

Container sollen anders genutzt werden 

Während mehrere Flüchtlingseinrichtungen zumindest vorerst freigezogen sind – auch die Mietverträge der vergleichsweise teuren Ferienwohnungen sollen gekündigt werden – prüft die Sozialverwaltung, ob die an der Rathenaustraße bereits stehenden Container für 500 Personen anders genutzt werden können. Das ginge etwa als Ersatz für alte Container an der Wohlfahrtstraße oder aber als Klassenräume an Schulen.

Im Stand-by-Modus bleibt vorerst die Bochumer Erstaufnahmeeinrichtung (BEA) am Harpener Feld, so der Koordinator für alle Flüchtlingsangelegenheiten, Staddirektor Michael Townsend. Die im Sommer eingerichtete, aber noch komplett erstellte Registrierungsstelle war zwischenzeitlich genutzt worden, um die Vermittlung für in Bochum lebende Flüchtlinge zur Außenstelle des Bundesamtes für Migration (Bamf) zu erledigen. Derzeit ist sie ungenutzt. Sollte Bochum wieder Flüchtlinge in größerer Zahl zugewiesen bekommen, würden sie dort zunächst registriert und einige Tage untergebracht werden, ehe sie dann einen Platz in einer Leichtbauhalle, einem Modulbau oder einer anderen Einrichtung zugewiesen bekommen.

Stadt mietet 373 Wohnungen an

Während die Zahl der in Sammelunterkünften untergebrachten Menschen stetig sinkt, beziehen immer mehr Flüchtlinge Wohnungen. Allein 1425 Menschen sind in 373 von der Stadt angemieteten Wohnungen – die meisten gehören der VBW – untergebracht, weitere fast 1200 leben in selbst gemieteten Wohnungen. Vor allem geringere Kosten, unter anderem weil Catering und Sicherheitsdienst entfallen, und bessere Chancen auf eine gelungene Integration sind die Vorteile der individuellen Unterbringung. Sozialamtsleiterin Ute Bogucki kündigte an, es würden noch weitere Wohnungen gesucht.

Neben der Standort-Konsolidierung arbeitet die Sozialverwaltung auch an besseren Strukturen zur Integration. Mitarbeiter der Wohlfahrtverbände, die extra für nun geschlossene Flüchtlingseinrichtungen angestellt worden waren, könnten nach Vorstellungen der Verwaltung zur Betreuung eingesetzt werden. Vorbereitet werden außerdem Anlaufstellen in den Bezirken, die unter anderem als Ansprechpartner für die ehrenamtlichen Kräften fungieren sollen.

„Unsägliche Situation“

Für Unmut sorgt derweil der Umgang mit der Wohnsitzauflage, eine Mitarbeiterin des Ausländerbüros nannte die Situation„unsäglich, anders kann ich es nicht sagen“. Ausländerbehörde und Jobcenter müssten ausbaden, so Sozialdezernentin Anger, dass NRW in dieser Frage anders verfahre als alle anderen Bundesländer. Nächste Woche sollen die Vertreter der kommunalen Ausländerbehörden im NRW-Innenministerium dazu weitere Informationen über die Umsetzung der Wohnsitzauflage erhalten.