Zahl der Drogentoten in Bochum gestiegen

Krisenhilfe registrierte zehn Opfer ihrer Sucht. Vermehrt befinden sich junge Russen unter den Klienten der Drogenberatungsstelle.

Bochum. Im vergangenen Jahr starben in Bochum mehr Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums als im Jahr zuvor. Nach Zahlen der Beratungsstelle Krisenhilfe waren es 2015 zehn Personen, im Vorjahr waren es sieben. Auch die Statistik der Polizei, die jedoch aufgrund einer anderen Zählweise abweicht, vermeldet einen Anstieg, von drei auf fünf Opfer.

Friedhelm Lemm ist Geschäftsführer der Drogenberatungsstelle. Aus den aktuellen Zahlen lasse sich kein Trend ablesen, da die Zahl von rund 1000 Männern und Frauen, die Kontakt zur Krisenhilfe haben, seit Jahren relativ konstant sei. Insgesamt wird von bis zu 2500 Personen ausgegangen, die in Bochum von harten Drogen abhängig seien.

Auch Flüchtlinge unter den Drogenabhängigen

Dr. Heinrich Elsner, Arzt bei der Krisenhilfe, der dort für die Substitution (Verabreichen von Ersatzstoffen) an Abhängige zuständig ist, hat jedoch eine mögliche Erklärung für den Anstieg der Zahl der Drogentoten. Seit einigen Jahren sei zu beobachten, dass das Durchschnittsalter der Drogenkonsumenten ansteige. Lag der Schnitt vor Jahren noch bei 32,5 Jahren, sind heute die Drogenkonsumenten im Durchschnitt 43 Jahre alt. Die im vergangenen Jahr verstorbenen Abhängigen waren im Alter zwischen 36 und 52 Jahren.

Der seit dem Jahr 2002 angebotene Drogenkonsumraum, in dem Abhängige unter medizinischer Aufsicht Drogen einnehmen, werde weiterhin nachgefragt. Im Schnitt nutzten zwischen 200 und 250 Personen dieses Angebot regelmäßig. Der überwiegende Teil der Klienten spritzt sich dort das Rauschgift.

Die Krisenhilfe beobachtet seit einiger Zeit einen steigenden Anteil an Migranten. Hierbei bilde die Gruppen von russischen Männern den größten Anteil. „Diese Abhängigen sind deutlich jünger als der Durchschnitt“, so Lemm. Auch seien bereits einige Flüchtlinge unter den Drogenabhängigen in Bochum festgestellt worden. Insgesamt liege der Anteil von Menschen mit nicht-deutschem Hintergrund bei etwa 40 Prozent der Klienten.

 
 

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