Wolfgang Welt schreibt über Pop und Heimat

Schriftsteller Wolfgang Welt vor seinem Geburtshaus auf der Hauptstrasse 51.
Schriftsteller Wolfgang Welt vor seinem Geburtshaus auf der Hauptstrasse 51.
Foto: WAZ FotoPool
Der Schriftsteller und Schauspielhaus-Nachtpförtner Wolfgang Welt hat den Kurzroman „Fischsuppe“ vorgelegt. Die Präsentation im „Theater unten“ war gut besucht und gut gemacht. Es gab für ihn sogar einen Pop-Song als Hommage.

Bochum.. Wolfgang Welt hat einen neuen Roman geschrieben. „Fischsuppe“ heißt er und ist schmal. Die 82 Seiten sind diesmal im Engstler Verlag erschienen. Präsentiert wurde er kürzlich im „Theater unten“ des Schauspielhauses, dort also, wo Welt immer noch als Nachtpförtner arbeitet. Das ist neu im Leben des 61-jährigen Langendreerers, nicht neu dagegen ist, dass er auch 2014 bei der Vergabe des Literaturpreises Ruhr übergangen worden ist.

„30 für Wolfgang“ - vergeblich

Im Sommer noch hatten 30 prominente Intellektuelle, darunter Peter Handke, Friedrich Küppersbusch, Willi Winkler und Dietmar Dath, den Preis für Welt gefordert. Das Fanal blieb indes unerhört, die Jury beschied anders, der viel gerühmte, jedoch ach so polarisierende Autor Wolfgang Welt bleibt weiterhin literaturpreisfrei.

„Fischsuppe“ ist wieder ein „echter“ Welt, lakonisch, lässig geschrieben; der Sound ist weiterhin jener, der dafür sorgte, dass viele in ihm einen Vorreiter der so genannten Pop-Literatur sehen. Seine Stimme in diesem unübersehbaren, unscharf abgezirkelten Universum ist aber eine solitäre. Welt ist ein Pop-Heimatdichter. Er erzählt von Popmusik jeglicher Provenienz, vom Theater, von Literaturlektüren und der Lokalkultur, - im gleichen monoton-sortierenden Tonfall wie von Familie, Fußballverein und Gastronomie.

Zwischen Irre-Sein und Begehrlichkeiten

Diese Welten spiegeln sich in der Erzählerfigur, sehr identisch mit dem Autor Welt, mit all seinem Irre-Sein, seinen erotischen Begehrlichkeiten und seinem Humor. Das Büchlein berichtet aber auch erstmals über den Tod des Vaters, über die Krankheit der Mutter und über einen kurzen psychotischen Rückfall Welts; daneben auch über das Bochumer Stadttheater unter dem späten Steckel, über Leander Haußmann („Dem Lachen auf Dr. Canaris Gesicht entnahm ich, dass Haußmann den Job hatte“), über Tana Schanzara und weitere Akteure.

Überhaupt tritt alles auf, was im Bochumer Kulturleben des 90-er und Nuller-Jahre so unterwegs war. Das Namedropping als Nummernrevue. Ein schnell konsumierbarer Kurzroman also, der jedoch diesmal nicht die Gnade Peter Handkes fand, dem einige deftige Sex-Szenen nicht gefielen.

Nötige Dosis an Lakonie und Melancholie

Zur Buchpräsentation im Theater unten kamen gut 100 Besucher, denen die Textauswahl von den Schauspielern Henrik Schubert und Günter Alt mit der nötigen Portion Lakonie und Melancholie vorgetragen wurden. Ebenfalls zu Gast: Phillip Goodhand-Tait, der englische Singer/Songwriter, ein alter Freund des Bochumers. Er hatte nicht weniger als einen Pop-Song als Geschenk dabei, für „Wulfgäng“ aus „Boukum“. Berührend und verdient und ein Trost ob der Abwesenheit anderer Würdigungen.

 
 

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