Wo sich Bochum und das Revier in der Literatur finden lassen

13 Studierende der vergleichenden Literaturwissenschaften der Ruhr-Uni haben die „Literaturkarte Ruhr“ erstellt.
13 Studierende der vergleichenden Literaturwissenschaften der Ruhr-Uni haben die „Literaturkarte Ruhr“ erstellt.
Foto: "ingenbleek Photograph"
Studierende der Ruhr-Uni haben eine besondere Karte erstellt. Eine interaktive Übersichtskarte mit Verweisen auf Autoren und literarische Schauplätze.

Bochum.. Münster fährt ganz gut mit seiner Tatort-Tour. Dabei kann man sich Orte in der Stadt und der Umgebung, an denen Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan-Josef Liefers) und Kriminalhauptkommissar Frank Thiel (Axel Prahl) ihre Spuren hinterlassen, ansehen.

In Bochum gibt es so etwas nicht. Noch nicht. Okay, einen Tatort, der dauerhaft in Bochum spielt, gibt es ja auch nicht. Aber es gibt jede Menge Bücher, beispielsweise die von Frank Goosen, in denen Bochumer Orte vorkommen und natürlich gibt es auch viele andere Orte im Ruhrgebiet, die in vielen anderen Büchern vorkommen. Nur eine Führung an diese Orte, buchbar beim Stadtmarketing, gibt es bislang nicht. Nun aber inzwischen zumindest eine Karte, eine Literaturkarte.

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Grundlagen gelegt

Auf der sind viele, aber längst noch nicht alle Ruhrgebietsorte zu finden, die in den verschiedensten Büchern auftauchen. Dr. Stephanie Heimgartner fände es eine großartige Idee, „wenn sich Bo-Marketing zu der Idee versteigen würde, regelmäßig Führungen zu den Literaturorten anzubieten“. Sie hat zusammen mit 13 Studierenden der vergleichenden Literaturwissenschaften (Komparatistik) der Ruhr-Uni die Grundlagen dafür gelegt.

Sie haben damit die Idee umgesetzt, die Heimgartners Kollegin Simone Sauer-Kretschmer hatte, aber dann nicht selber verwirklichen konnte. Sie haben die Literaturszene im Ruhrgebiet untersucht und eine Übersichtskarte mit Verweisen auf Autoren, literarische Schauplätze und Institutionen erstellt. Interaktiv soll sie auch irgendwann sein und dadurch natürlich „von anderen Menschen“ erweiterbar. „Mehr als 200 Einträge sind jetzt in der Liste“, sagt Heimgartner. „Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Je dichter sie irgendwann ist, desto besser.“ Schließlich gebe es deutlich mehr Ruhrgebiets-Literatur als die Bücher von Frank Goosen oder Helge Schneider. „Zum Beispiel war auch Kurt Held, der Autor des Buches Die rote Zora und ihre Bande, hier. Und was es an Texten und Büchern von Migranten gibt, ist noch gar nicht entdeckt.“

Die Studierenden haben eine Datenbank mit 1000 Werken erarbeitet und diese gesichtet. Daraus sind 225 Verweise entstanden, die aktuell in der Karte zu finden sind. Sie umfasst das Ruhrgebiet mit den Grenzen des Regionalverbands Ruhr. Dazu gehören die Städte und Kreise: Bochum, Bottrop, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Hagen, Hamm, Herne, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen, der Ennepe-Ruhr-Kreis, die Kreise Recklinghausen, Unna und Wesel. Zu finden sind Hinweise auf Autoren, Institutionen und Schauplätze, aufgeteilt auf die Jahre vor 1867, 1867 - 1920, 1920 - 1958, 1958 - 2010 und nach 2010. So lässt sich mit jedem Klick tiefer in die Literatur des Ruhrgebiets eindringen, tauchen schließlich entsprechende Textpassagen aus Romanen oder konkrete Ortsangaben von Institutionen auf.

Ziel ist es, sich mit anderen Kulturinstitutionen im Ruhrgebiet zu vernetzen. Zudem hoffen sie auf Input von Interessierten und Sponsoren. Wie kann die Karte inhaltlich weiter ausgebaut werden? Wie lässt sich das Projekt in Zukunft finanziell und logistisch stemmen?

Bei der Gestaltung und Programmierung der Karte und der dazugehörigen Webseite stand den Studierenden Kathrin Braungardt von der Stabsstelle E-Learning zur Seite.

 
 

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