Wissenschaftler zeichnen Opel-Perspektive

Klaus Buske

„Wenn der Industriestandort eine Zukunft haben soll, müsste die ‚Bochum Perspektive 2022’ bald zustande kommen“, sorgt sich Dr. Manfred Wannöffel. Der Wissenschaftler der Ruhr-Universität und Geschäftsführer der gemeinsamen Arbeitsstelle RUB/IGM, hat mit Kollegen umfangreich recherchiert und untersucht, um Zukunfsszenarien für Bochum zu skizzieren. Das Ergebnis liegt jetzt auf gut 100 Seiten vor (siehe Info).

Das Arbeitspapier der RUB-Sozialwissenschaftler ist in einer intensiven Zusammenarbeit mit Bochumer Opel-Betriebsräten sowie des lokalen Managements, der NRW-Landesregierung, der kommunalen Wirtschaftsförderung, der IG Metall und Experten der Bochumer Hochschule zustande gekommen. Bereits seit den 1970er-Jahren arbeitet die Arbeitstelle der RUB/IGM mit der Ruhr-Uni und Opel-Betriebsräten zusammen. Seit 2004 wird versucht, Alternativkonzepte für die Zukunft des Opel-Standorts Bochum zu entwickeln.

Sechs Schließungsdrohungen

Wannöffel und seine Kollegen erinnern an die Sanierungshistorie, die von der Opel-Muttergesellschaft General Motors (GM) geschrieben wurde. Seit 2004 haben die Bochumer Opelaner bereits sechs Schließungsdrohungen erhalten, nachdem sie im Herbst 2004 in einen siebentägigen Streik gegangen waren.

Die Aussichten für die rund 3400 Opelaner in Bochum sind derzeit wenig erbaulich. Die Konzernspitze bleibt bei der harten Linie: Die Mitarbeiter haben Nein zum Tarifvertrag gesagt, nun soll Bochum schon 2014, schneller als in dem Tarifvertrag versprochen wurde, abgewickelt werden.

„Oft wurden Vereinbarungen nicht eingehalten, waren das Papier nicht wert, auf dem sie festgeschrieben wurden,“ erinnern die Autoren des Arbeitspapiers daran, dass das Misstrauen auch der Bochumer Opelaner von der GM-Spitze intensiv gefördert wurde.

Neue Netzwerke

„Es wird den einen großen Wurf nicht geben“, sagt Wannöffel zur Aussicht, Ersatzarbeitsplätze anzusiedeln: „Es können jedoch neue Netzwerke der Produktionswirtschaft entstehen.“ Konkrete Pläne gebe es für zwei Initiativen: „In einem Cluster der Produktionswirtschaft könnten Facharbeiter in den Ausgliederungen der Bochumer Hochschulen neue Anstellungen finden. Außerdem könnte die bewährte Berufsausbildung von Opel Bochum in einer Lernfabrik zukünftig mit akademischen Ingenieursausbildungen an den Hochschulen verknüpft werden.“

Wannöffel und Kollegen weisen auch darauf hin, dass „Standort-
egoismen die Arbeitspolitik im europäischen GM-Verbund tangieren, trotz aller dokumentierten grenzüberschreitenden Solidarität“ der Arbeitnehmervertretungen. Die Bochum Opelaner hatten im Verbund der deutschen Werke immer auf die Karte Solidarität gesetzt. Nun fühlen sich viele insbesondere durch die angekündigte Verlagerung der Zafira-Produktion 2014 nach Rüsselsheim sehr ernüchtert.