Wissenschaft wird beim Science Slam aus den Laboren geholt

Stephanie Heske
Moderator Sebastian Bartoschek (Mitte) führte durch den Science Slam.
Moderator Sebastian Bartoschek (Mitte) führte durch den Science Slam.
Foto: WAZ FotoPool / Olaf Ziegler
Im Bahnhof Langendreer brachten am Montagabend fünf Nachwuchswissenschaftler ihre Forschungsergebnisse amüsant aufbereitet auf die Bühne. Je zehn Minuten hatten sie Zeit, um die Zuschauer für sich zu gewinnen. Nächstes Jahr kommt sogar die Deutsche Meisterschaft nach Bochum.

Bochum. Raus aus den Laboren und Bibliotheken und rauf auf die Bühne, das ist das Motto beim Science Slam. Wie das aussehen kann, zeigten am Montagabend fünf (Nachwuchs-)Wissenschaftler im Bahnhof Langendreer.

Zehn Minuten Zeit haben die Teilnehmer beim Science Slam, um ein meist hochkomplexes wissenschaftliches Thema vorzustellen - und das auf möglichst anschauliche und vor allem unterhaltsame Art und Weise.

Analogien aus dem Leben

Um den rund 120 Zuschauern etwa das Prinzip chemischer Bindungen näher zu bringen, zieht Matthias Stahnke, mit über 70 Auftritten einer der erfahrensten Slammer Deutschlands, einen Vergleich mit Karneval. Um Bindungen aufzulösen, muss Energie von außen zugeführt werden. Diese Energie ist beim Karneval der Alkohol, er löst alte Bindungen auf und neue entstehen. „Sie war eigentlich mit ihren Mädels hier, er hat Frau und Kinder zuhause gelassen“, kommentiert Stahnke das Bild eines küssenden Karnevalspaares, das Publikum lacht.

Auch die anderen Slammer Claudia Graneis (Pharmazie), Vanessa Scherbaum (Medizin), Dr. Jörg Koßmann (Chemie) und Dr. Cornelius Courts (Forensik) haben das Publikum schnell auf ihrer Seite, das am Ende per Applaus den Bochumer Jörg Koßmann zum Gewinner kürt.

„Wir wollen, dass die Leute einfach ein positives Gefühl für Wissenschaft mitnehmen“, erläutert Moderator Sebastian Bartoschek die Idee hinter den Science Slams. Wissenschaft aus ihrer Ecke holen, Forschungsergebnisse einem breiteren Publikum zugängig machen, darum geht es. „Denn Wissenschaft kann auch toll und sexy sein“, findet Bartoschek. „Und wir erreichen immer neue Leute“, freut sich der 35-Jährige. „Meist ein Drittel des Publikums ist zum ersten Mal dabei.“

Dritte Veranstaltung in drei Monaten

Science Slams haben Hochkonjunktur. Die Veranstaltung im Bahnhof Langendreer, organisiert in Zusammenarbeit mit Boskop, dem Akafö-Kulturbüro, und der Initiative Religionsfrei im Revier, war bereits der dritte Slam in Bochum in drei Monaten. Zuletzt kämpften im Oktober im Schauspielhaus Forscher um ein Ticket zur Deutschen Meisterschaft in Berlin. „Als ich selbst noch geslammt habe, war es ein sehr kleiner Kreis von Leuten“, erzählt Bartoschek. Das war 2011.

Seit dem hat die Zahl der Wissenschaftler, die sich ins Rampenlicht wagen, stetig zugenommen. „Es gibt immer mehr Veranstaltungen, aber die Hallen sind immer noch voll“, freut sich Bartoschek. Ein ganz besonderes Ereignis erwartet Bochum dann im kommenden Jahr: die Stadt wurde zum Austragungsort für die nächsten Deutschen Meisterschaften auserkoren.