Bochum

Wird jetzt alles anders in NRW? Bochumer Forscher erklärt die Folgen der Landtagswahl

Armin Laschet ist der glückliche Wahlsieger.
Armin Laschet ist der glückliche Wahlsieger.
Foto: dpa
  • Armin Laschet und die NRW-CDU haben die NRW-Wahl gewonnen
  • Der Bochumer Forscher Stefan Goch glaubt aber nicht an große Veränderungen
  • Den Grund für das SPD-Debakel sieht er auch im schwachen Wahlkampf der Partei

Bochum. Das Ergebnis der NRW-Wahl ist ein echter Hammer. Auf den letzten Metern hat die CDU die SPD triumphal überholt. Es könnte sogar für Schwarz-Gelb reichen.

NRW als Herzkammer der Sozialdemokratie? Jetzt herrscht nur noch Kammerflimmern. Hannelore Kraft hat bereits Konsequenzen gezogen und die Wahlschlappe auf sich genommen.

Doch was bedeutet das Wahlergebnis konkret? Stefan Goch, Sozialwissenschaftler an der Ruhr-Uni Bochum, erklärt uns die Folgen der Wahl.

Warum hat die SPD die Wahl verloren?

Stefan Goch sagt: „Weil sie zu schwach war. Die SPD war in NRW immer eine Kümmerer-Partei. Aber die Nähe zu den Menschen ist weniger geworden. Viele haben sich gefragt: Wo ist denn bitte der Wahlkampf?“

Hannelore Kraft inszenierte sich im Wahlkampf zwar als gütige Landesmutti - beim Wähler verfing das aber nicht. In modernen Gesellschaften brauche es keine Landesmutter, so Goch. „Die SPD war auch ein Stück weit selbstgefällig. Die Menschen merken, was nicht funktioniert.“

Warum war die CDU so erfolgreich?

Im Vergleich zur #nrwir-Kampagne der SPD führte Laschets CDU den klügeren Wahlkampf. „Die CDU hat die richtigen Themen gesetzt. Gerade Menschen aus der Mittelschicht erleben jeden Tag, was an den Schulen falsch läuft. Die Inklusion verstehen viele als Sparpolitik. Auch das Thema Stau nervt jeden.“

Und warum war die AfD im Ruhrgebiet überdurchschnittlich stark?

Ob Duisburg-Marxloh oder Essen-Katernberg: In den Problemvierteln im Ruhrgebiet war die rechtspopulistische AfD besonders stark.

Goch sagt: „30 Jahre Neoliberalismus gehen nicht spurlos an uns vorbei. In diesen Stadtteilen herrscht ein Sockel von Arbeitslosigkeit, das Zusammenleben ist schwer. Viele dieser Menschen wollen die etablierten Parteien nicht wählen, sie fühlen sich von ihnen allein gelassen. Auch daher kommen die AfD-Stimmen.“

Laschet gilt nun als der nächste NRW-Ministerpräsident. Wird jetzt alles anders?

Stefan Goch macht wenig Hoffnung: „Es wird sich vermutlich nicht viel ändern. Ich sehe keine konkreten Programmpunkte bei der CDU.“

CDU und FDP machten insbesondere das Thema innere Sicherheit zum Wahlkampfthema. Wird sich dort etwas ändern? Eher nicht: „NRW war immer ein Land für liberale Polizei- und Rechtspolitik. Laschet und Lindner sind eher liberale Politiker und werden vor ähnlichen Problemen wie die abgewählte Regierung stehen.“

Klingt nicht gut.

Mehr Themen zur NRW-Wahl:

Kommentar: Liebe nächste Landesregierung, hier im Pott wartet die schwerste Aufgabe

SPD-Herzkammer: AfD schneidet ausgerechnet im Revier überdurchschnittlich gut ab

NRW-Wahl – Martin Schulz ratlos: „Bin auch kein Zauberer“

 

EURE FAVORITEN