„Wir werden unsere Ziele erreichen“

Andreas Rorowski
Bernd Wilmert (61) steht seit 1992 als kaufmännischer Geschäftsführer an der Spitze der Stadtwerke Bochum.
Bernd Wilmert (61) steht seit 1992 als kaufmännischer Geschäftsführer an der Spitze der Stadtwerke Bochum.
Foto: Ingo Otto
Vom gutem Kerngeschäft spricht Bernd Wilmert, Geschäftsführer der Stadtwerke Bochum. Trotz einiger Schwierigkeiten bei verlustreichen „Außengeschäften" würden die Verpflichtungen gegenüber der Stadt erfüllt. Die Kritik mangelnder Transparenz weist er zurück, zu Abwertungen werde es nicht kommen.

Bochum. Seit 1992 ist Bernd Wilmert Geschäftsführer der Stadtwerke Bochum. Nach der Honoraraffäre bläst ihm nun reichlich Wind wegen des Steag-Kaufs, möglichen Wertberichtigungen von städtischen Gesellschaften und angeblicher mangelnder Transparenz entgegen. WAZ-Redakteur Andreas Rorowski hat den 61-jährigen gebürtigen Hertener mit diesen Vorwürfen konfrontiert.

Wie geht es den Stadtwerken?

Bernd Wilmert: „Den Stadtwerken geht es unabhängig davon, dass uns die Energiewende Sorgen macht, im Kerngeschäft gut. Wir werden die Ziele, die wir in unserem Wirtschaftsplan festgelegt haben, nicht nur erreichen. Wir haben den Ehrgeiz, sie zu übertreffen.“

Was heißt das in Zahlen?

Wilmert: „Wir haben das Ziel, in diesem und in den nächsten Jahren jeweils 40 Millionen Euro an die Stadt als Gewinn abzuführen. Und ich kann jetzt schon sagen, dass wir das in den nächsten Jahren auch erreichen werden.“

Das Kerngeschäft läuft gut. Wie sehr belasten sie Unternehmungen wie der Windpark Borkum? Da sieht es nicht so rosig aus.

Wilmert: „Sie belasten uns in der Tat. Aber wir haben Vorsorge getroffen. Die Stadt wird außerdem zweimal eine Einlage in die EWMR (Anm. d. R.: Stadtwerke Bochum, Herne, Witten) tätigen. Wir haben den Ehrgeiz, der Stadt dieses Geld auf mittlere Sicht wieder zurückzuzahlen (Anm. d. Red., Bochum wird die EWMR mit zwei Mal 9 Millionen Euro unterstützen).“

Sie sprechen von Vorsorge. Was bedeutet das?

Wilmert: „Das heißt in der Bilanz werden Rückstellungen gebildet. Wir haben in der EWMR bisher gemeinsam mit Herne und Witten 40 Millionen Euro Drohverlustrückstellungen gebildet und werden für das nächste Jahr weitere 15 Millionen bilden. Wir kriegen das hin, ohne dass die Ziele, die wir uns gesetzt haben, gefährdet sind.“

Aber es würden höhere Gewinne fließen, wenn sie diese Rückstellungen nicht bilden müssten?

Wilmert: „Wir haben die 40 Millionen Euro Gewinnabführung im Vorfeld in Abstimmung mit der Stadt als Ziel gebildet. Wir werden darüber hinausgehende Mittel in eine Kapitalrücklage einbringen. Diese Rücklage benötigen wir, um Kredite zurückzuzahlen. Wir haben durch Kostensenkungen, durch Neukundengeschäft und gutes Einkaufen unsere Situation so verbessern können, dass wir in der Lage sind, sowohl diese Drohverlustrückstellungen zu bilden als auch Rücklagen zu bedienen.“

Mit dem Beitrag von 40 Millionen Euro an den städtischen Haushalt gibt es eine Abhängigkeit der Stadt von den Stadtwerken.

Wilmert: „Wir tun darüber hinaus ja noch ein bisschen mehr, wir zahlen noch 23 Millionen Euro Konzessionsabgabe und wir führen darüber hinaus die Dividende von RWE ab.“

CDU-Ratsherr Klaus Franz hat in der jüngsten Ratssitzung beklagt, die öffentlichen Vertreter in Aufsichtsgremien städtischer Gesellschaften werden an der Nase herum geführt. Hat er Recht?

Wilmert: „Das Ausmaß an Information und Transparenz im Aufsichtsrat der Stadtwerke ist groß. Jedes Aufsichtsratsmitglied ist über die Vorlagen, die es schriftlich erhält, und über die Informationen in den Sitzungen umfassend über Lage, Aussichten, Probleme des Unternehmens informiert. Wir sind sehr transparent. Ich kann nichts dazu sagen, ob die Ratsmitglieder auf diese Aufsichtsratssitzungen durch die Beteiligungsverwaltung entsprechend vorbereitet werden.“

CDU-Ratsherr Lothar Gräfingholt sieht das anders. Er hat die Stadt – und dabei eigentlich die Stadtwerke – auf mehr Transparenz in Sachen Steag-Verträge verklagt. Warum durfte er nur eine Stunde lang einen Blick auf den Vertrag werfen?

Wilmert: „Die Ratsmitglieder wurden in Abstimmung mit der Stadt jederzeit und umfassend über Einzelheiten des Kaufvertrages informiert. Das gilt für die Beratungen in den Gremien, beispielsweise haben wir im Aufsichtsrat Terminals aufgestellt, auf denen die Mitglieder die gesamten Verträge sehen konnten. Das gilt im Übrigen auch im Vorfeld von Ratssitzungen. Wir müssen abwägen zwischen den berechtigten Interessen des Rates und den Bedürfnissen von Evonik. Es ist nicht so, dass wir geblockt haben. Diejenigen, die den Vertrag einsehen wollten, konnten das tun.“

Länger als eine Stunde?

Wilmert: „Länger als eine Stunde. Ich gehe davon aus, dass es die Stadt ähnlich organisiert hat.“

Sie haben die Vergabe von Spenden- und Sponsorgelder neu aufgestellt mit dem Ziel größtmöglicher Transparenz. Auch das wird zum Teil kritisiert. Werden Sie darauf reagieren und nachjustieren?

Wilmert: „Es gibt eine Tendenz. Wir werden an den Kriterien noch einmal arbeiten und versuchen, sie noch transparenter und differenzierter zu gestalten. Außerdem sehen wir, dass es Härtefälle gibt. Darauf werden wir reagieren.“

Der Steag-Kauf durch ein Stadtwerke-Konsortium wird intensiv diskutiert; auch der richtige Zeitpunkt für die zweite Tranche.

Wilmert: „Ich glaube, dass es Sinn macht, mit der Finanzierung so zeitig wie möglich zu beginnen. Jetzt wo der Markt gut ist, wo die Zinsen niedrig sind und die Liquidität groß. Der Kauf wird von Jahr zu Jahr teurer.“

Zum Kerngeschäft: Viele Kunden beziehen Strom über den Basistarif, angeblich ist der Tarif Rewirpowerflex günstiger. Stimmt das?

Wilmert: „Die Entscheidung für einen Tarif hängt von mehreren Faktoren ab, zum Beispiel vom Verbrauch oder von der Laufzeit. Der Rewirpowerflex-Tarif kann monatlich angepasst werden. Den Basis-Tarif nutzen 120.000 Kunden, Rewirpowerflex 13.500. Unsere Kundendienstberater können bei Angabe von Eckdaten wie Verbrauch oder Laufzeit genau sagen, welcher Tarif der beste ist. Die Kunden sollten davon Gebrauch machen und sich bei uns informieren.“