Wie man aus Schlagbäumen Kunst kreiert

Foto: WAZ FotoPool

Bochum. Am Freitag bekommt Bochum ein neues Kunstwerk im öffentlichen Raum. Dirk Schlichting zeigt dann pfiffige Installation am alten Bahnwärterhäuschen im Westpark.

Manche Künstler legen Wert darauf, dass ihre Werke von weit her sichtbar sind, sich unabweislich in das Blickfeld des Betrachters drängen. Andere Kunstwerke sind erst beim genaueren Hinschauen zu erkennen und zu identifizieren. Dazu gehört das Kunstwerk „schrankenlos“ von Dirk Schlichting. Am Freitag, 28. Mai, 21 Uhr, wird das Kunstwerk der Öffentlichkeit präsentiert. Doch auch jetzt schon können Spaziergänger das Entstehen der „Intervention“ von Schlichting beobachten. Sie müssen dafür an die Nordost-Ecke des Westparks gehen (oberhalb der Jahrhunderthalle am Radweg Erzbahntrasse).

Schlichtings „Eingriff“ gehört zu den Projekten des „Gahlenschen Kohlenweges“, die die Galerie Januar mit über einem Dutzend weiterer Kunstvereine des Reviers verwirklicht. Beabsichtigt ist, markante Orte dieses historischen Weges „mit zeitgenössischer Kunst zu aktualisieren“, so heißt es aus der „Galerie Januar“.

50 rot-weiße Schlagbäume

Als Objekt seines künstlerischen Eingriffs hat sich Dirk Schlichting das ausrangierte Bahnwärterhäuschen 3 am Rand des Westparks ausgesucht, um es „mit einer skulpturalen Ergänzung zu versehen“. Das blockhafte Gebäude wird durch einen ehedem rundum verglasten Aussichtsraum gekrönt. Die Fensterscheiben sind allerdings alle zerbrochen.

In diese umlaufenden glaslosen Fensteröffnungen, die den Bahnwärtern früher möglichst freie Sicht auf ihren Stellbereich ermöglichen sollten, hat Dirk Schlichting nicht weniger als 50 rot-weiße Schlagbäume gelegt. Sie scheinen darin (ähnlich wie die Stangen bei einem Mikadospiel) wahllos angeordnet zu sein. Dem ist natürlich nicht so: Der Künstler hat schon dafür gesorgt, dass dieses Stangenlabyrinth von außen den gewünschten Eindruck hinterlässt: ein Bild zwischen Irritation und Harmonie.

Dirk Schlichtings Schlagbäume, die, oben im Gebäude installiert, ihre Schrankenfunktion gänzlich eingebüßt haben, sprechen eine unverkennbar gegenwärtige künstlerische Sprache; sie sind in das Vorgefundene integriert, diesem jedoch nicht anverwandelt. „Sie bleiben merkwürdige Störungen im Aussichtsraum des Stellwerks, das sie nahezu raumsprengend füllen“, meint dazu Ulrich Fernkorn von der „Galerie Januar“. Als hätte eine Riese alles zusammen geräumt: Nachdem das Stellwerk nicht mehr benötigt worden ist, hat er folgerichtig die entsprechenden Schlagbäume im nunmehr leeren Gebäude gelagert - wenn auch gut sichtbar.

Die Rohre leuchten in der Dunkelheit von innen heraus

Bei den Schlagbäumen handelt es sich übrigens nicht um rot-weiß gestrichene Rundhölzer, wie sie in der Praxis benutzt werden - meist in ländlicher Umgebung. Schlichtings Schlagbäume sind lichtdurchlässige, mit roter und weißer Folie beklebte Kunststoffrohre. Diese Rohre leuchten in der Dunkelheit von innen heraus. Darum auch die späte Stunde der Vernissage am Freitag.

Was also schon bei Tag mit seinen Signalfarben in die Umgebung hinein strahlt, sieben Meter über dem Hochplateau des Parkgeländes, erscheint nachts als farbig schwebende Lichtkrone des Gebäudes. So wie Schlichting mit Alt und Neu spielt, verweist er auf das Gesamtkonzept des Westparks. Das Gelände mit der Jahrhunderthalle in der Mitte erhält seinen Reiz durch ein kontrastreiches Wechselspiel zwischen Industriebrache und Parklandschaft. Fundamente, Rampen, Mauerreste und aufgeständerte Rohrleitungen machen bei allem Wandel auf die Geschichte des Westparks aufmerksam. Schlichting fügt dem mit „schrankenlos“ einen weiteren Aspekt hinzu.

 
 

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