Wie ein Franke Riemke sieht

Zuerst zögert Manfred Arnold. Doch nur kurz. Das Dilemma für den 55-Jährigen: Der Mann kennt Riemke zwar wie seine Westentasche, doch der Franke aus der Gegend von Schweinfurt möchte als Zugereister nicht zu viel über Riemke erzählen. Was er dann jedoch natürlich trotzdem tut. „Ja freilich.“

Manfred Arnold zog 1984 nach Bochum, des Berufs wegen. Als Außendienstmitarbeiter eines großen Kugellagerherstellers hatte er im Ruhrgebiet reichlich zu tun bei der Großindustrie und natürlich den Bergwerken. Bis heute ist er unterwegs, was seinem lebhaften Naturell entgegen kommt.

Noch viele Gastwirte im Stadtteil

Heute ist er Vorsitzender des Kleingartenvereins Riemke, Mitglied beim Allgemeinen Bürgerschützenverein Hofstede-Riemke und bei Teutonia Riemke, ja, da gehört er auch dazu. Beim kurzen Gang durch den Stadtteil, die Tippelsberger Straße hinunter bis zur Herner Straße, erzählt er. Für Riemke ist der Mann ein Segen. Sogar der Werbering empfiehlt ihn weiter. „Der kann mit jedem gut“, heißt es von dort.

Es sprudelt nur so aus ihm heraus. Dass es nach der Erneuerung der Herner Straße besser für den Riemker Handel geworden ist, dass viele Radfahrer trotzdem auf dem Gehweg fahren und, dass er stolz sei, darüber, dass es noch so viele Gastwirte gebe im Stadtteil. Sein wichtigstes Anliegen aber ist der Zusammenhalt im Stadtteil.

Mostpresse herbeigeschafft

Von seinem Kleingartenverein weiß er, wie der Hase läuft. „Jeder sitzt nur noch in seinem Garten und das Gemeinschaftliche kommt immer mehr zu kurz“, sagt er. Zwei Projekte schweben ihm vor. Auf dem riesigen Areal der Kleingartenanlage im Schatten des Tippelsbergs gibt es ein Gemeinschaftsgrundstück, das er neu gestalten möchte. Im nächsten Jahr schon soll dort ein Weihnachtsmarkt eröffnet werden. Beleuchtete Weihnachtsbäume sollen aufgebaut werden, für die Kinder soll eine Bimmelbahn fahren.

Aus seiner fränkischen Heimat herangeschafft hat er eine alte Most -(Saft)-Presse. Ein Großteil des Obstes in den Gärten werde gar nicht mehr verwertet, sondern verfaule an den Bäumen oder lande auf dem Kompost. Die Presse muss noch eingerichtet werden – ein Anfang ist gemacht. Vielleicht ist es sein Sinn für bayerische Gemütlichkeit, für das Gesellige, der den umtriebigen Manfred Arnold beschäftigt. „Ich hab’ mich schnell hier eingelebt. Mir gefällt der offene Menschenschlag“, sagt er. Auf der Holzbank in seinem Garten sitzt er, der Labrador Chiko wuselt zu seinen Füßen herum und die rot-weiß-karierte Decke auf dem rustikalen Tisch macht das Idyll komplett. Doch dem Mann geht es nicht um sein Privatvergnügen. „Ich fühl mich hier heimisch und hab’ in den letzten bald 30 Jahren mitbekommen, wie sich der Stadtteil verändert hat.“

Doch die Schläge habe Riemke verkraftet, selbst die Tiefschläge. Als Nokia ging, waren ganz unmittelbar auch viele Menschen in Riemke betroffen. Der Arbeitsplatz – fußläufig zu erreichen – war durchaus beliebt.

Gemeinschaft leben

Jetzt gelte es, wieder Gemeinschaft zu leben. „Der einzelne Verein hier, der kann kaum noch etwas Großes auf die Beine stellen“, weiß Arnold aus eigener Erfahrung. Gemeinsam haben er und die anderen Kleingärtner zusammen gehalten, als durch den Druck der Deponie, die zum Naherholungsgebiet Tippelsberg wurde, das Grundwasser in den Gärten hochgedrückt wurde. Da musste die Stadt ordentlich in die Tasche greifen. Drainagerohre und Kanäle wurden verlegt, um das Grundwasser abzuleiten. Jetzt sei alles in bester Ordnung.

 
 

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