Bochum

„Wenn man Sch**** in buntes Papier wickelt, werden keine Bonbons draus“ - Stahlkocher fühlen sich von Thyssen betrogen

Tausende Stahlarbeiter demonstrieren gegen geplante Fusion

Die Fusionspläne von Thyssenkrupp treiben tausende Mitarbeiter des Traditionskonzerns in Bochum auf die Straße.

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  • Die IG Metall rief zum Streik gegen die Fusionspläne von Thyssenkrupp in Bochum auf
  • Etwa 7.000 Stahlarbeiter gingen auf die Straße
  • Viele von ihnen richteten drastische Worte an ihren Arbeitgeber

Bochum. Wut, Enttäuschung und Angst. Diese Emotionen trieben am Freitagmorgen etwa 7.000 Stahlarbeiter auf die Straße. Sie haben Angst um die eigene Existenz, um den Arbeitsplatz, um die Zukunft ihrer Familien.

Sie sind wütend auf Thyssenkrupp und enttäuscht von der Art, wie die Fusionspläne mit dem indischen Konkurrenten Tata Steel kommuniziert worden sind. Allein beim Konzern mit Sitz in Essen sollen 2.000 Stellen gestrichen werden. (Hier erfährst du alle Fakten zum geplanten Fusionsdeal).

Bergbau, Nokia, Opel und jetzt Thyssenkrupp?

Für Freitag hat die IG Metall zum Warnstreik in Bochum aufgerufen. Die Stahlarbeiter folgten zu Tausenden. Allein 75 Reisebusse aus Duisburg sowie Delegationen aus ganz NRW, Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz reisten nach Bochum.

Die Angst um den Arbeitsplatz, die Kämpfe auf der Straße - das kennt man im Pott: Neben zahlreichen Vertretern aus der Politik beteiligten sich auch ehemalige Opelaner, Bergarbeiter und Nokia-Beschäftigte am Protest.

Der Standort Bochum war also bewusst ausgewählt worden. Die Opelaner gaben den 7.000 Streikenden auf der Strecke vom Bochumer Werk in der Essener Straße bis zur Großkundgebung an der Jahrhunderthalle ihre Streik-Erfahrungen mit auf den Weg.

Die Botschaft: „Gebt nicht auf! Organisiert euren Streik selbst! Der Betriebsrat darf das aus rechtlichen Gründen nicht.“

Auf der späteren Kundgebung wählten Redner und Zuhörer teils drastische Worte. Allen voran Thyssenkrupp-Stahlbetriebsratschef Günter Back.

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Tausende Stahlarbeiter demonstrieren gegen geplante Fusion
Tausende Stahlarbeiter demonstrieren gegen geplante Fusion

Back fühlt sich von der Konzernspitze um den Vorstandsvorsitzenden Heinrich Hiesinger betrogen: „Ich fühle mich sogar beschissen“, sagt er auf der Bühne. Kern seines Vorwurfs: Der Vorstand habe den Betriebsrat erst hingehalten und die Mitarbeiter dann vor vollendete Tatsachen gestellt.

Das Vorgehen der Konzernspitze machte auch Thomas Rösler wütend: „Eine Fremdfirma verteilt hier plötzlich morgens einen Infozettel über die fertigen Fusionspläne vom Vorstand“, berichtet der Stahlarbeiter, der schon seit 30 Jahren für Thyssenkrupp arbeitet.

Rösler ergänzt: „Dann versuchen sie mit bunten Imagefilmchen die ganze Sache schön zu schreiben. Ich sage immer: Wenn man Scheiße in buntes Papier wickelt, werden keine Bonbons draus.“

„Kein Dieb-Stahl!“ und „Kein ThyTata“

Der Plan, den neuen Firmensitz in die Niederlande zu verlegen, bringt Rösler zusätzlich auf die Palme: „Das würde zu einer Auflösung der Montan-Mitbestimmung führen“, warnt er. Die Stahlarbeiter fürchten also nicht nur um ihre Jobs. Sondern auch um ihr Mitspracherecht im Aufsichtsrat.

Ihre hart erkämpften Rechte möchten die Arbeitnehmer durch den Standortwechsel ins Ausland nicht verlieren. „Kein Dieb-Stahl“ prangt deshalb auf einigen Transparenten. Von dem Deal mit Tata hält hier niemand was. Davon zeugen Transparente mit der Aufschrift: „Kein ThyTata“ und „Stop Stahl-Exit“.

„Stahl ist Zukunft“

Die IG Metall war zufrieden mit der Kundgebung in Bochum. Knut Giesler hatte lediglich mit 5.000 Teilnehmern gerechnet. Am Ende waren es 2.000 mehr. Der Bezirksleiter der Gewerkschaft forderte in den kommenden Monaten eine „uneingeschränkte Transparenz des Vorstands.“

Die IG Metall setze sich für jeden einzelnen Job und alle Standorte in NRW und darüber hinaus ein: „Außerdem kämpfen wir für den Erhalt der Mitbestimmung auf allen Ebenen“, so Giesler. Zum Abschluss wählt er die Worte, die das Motto der Veranstaltung bilden: „Stahl ist Zukunft!“

 
 

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