Wenn die Baustelle zur Kunst wird

Baubeginn für die Kunst-Baustelle Our CenturY im Rahmen der Ruhrtriennale an der Jahrhunderthalle . Foto Thomas Schild / WAZ FotoPool
Baubeginn für die Kunst-Baustelle Our CenturY im Rahmen der Ruhrtriennale an der Jahrhunderthalle . Foto Thomas Schild / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Bochum. An der Jahrhunderthalle hat der Bau von „Our CenturY“ begonnen. Zur Triennale verwandelt sich der Westpark in ein Autobahnkreuz aus Holz. 5000 Euro-Paletten will das Künstlerduo Köbberling/Kaltwasser verbauen.

Der Platz vor der Jahrhunderthalle ist seit gestern eine Baustelle: Holzpaletten, Baucontainer, Werkzeug wohin man blickt. Erwachsene und Kinder wuseln herum, hämmern, zimmern, sägen, nageln. Ein Gabelstapler poltert vorbei. Es sieht richtig nach Arbeit aus. Das alte Zirkuszelt links neben der Halle wurde demontiert, eine frisch gebaute Brücke/Überführung stakst auf stählernen Beinen vom Parkplatz her auf die alte Industriehalle zu. Drei Wochen wird das kreative Treiben an diesem historischen Bochumer Ort der Arbeit so weitergehen. Dann sollte das Kreativprojekt „Unser Jahrhundert“ - „Our CenturY“ - fertig sein. Und die Welt staunen machen.

Die Nachbarschaft hilft mit

Der Triennale-Chef schaute persönlich vorbei, als es gestern mit der Einrichtung der Kunst-Baustelle an prominenter Stelle im Westpark los ging: Intendant Heiner Goebbels (59) machte allerdings nicht viel Aufhebens, sondern überließ das Feld der großen Worte den beiden Künstlern Folke Köbberling (43) und Martin Kaltwasser (47), die bis zum Triennale-Start am 17. August ein anziehende, temporäres „Eingangsportal“ erstellen werden – mit tatkräftiger Unterstützung (nicht nur) aus der Stahlhauser Nachbarschaft.

Verrückt genug klingt es, was die Berliner Architekten/Künstler da vorhaben: das weitläufige Areal rund um die Jahrhunderthalle wird sich in den nächsten drei Woche in einen Stadtraum aus Stegen, Tribünen, Treppen und Brücken verwandeln, anders ausgedrückt: in eine riesenhafte Holzautobahn mit Brücken, Überführungen, Böschungen und Abbiegespuren. „Das wird eine urbane Landschaft, die von den Triennale-Besuchern, aber auch von allen Bürgern vor allem als Ort zum Verweilen genutzt werden soll“, erläutert Kaltwasser. Köbberling und er haben sich zu ihrem Vorhaben durch die dichte Autobahnlandschaft des Ruhrgebiets inspirieren lassen. „Wir nehmen dieses städtebauliche Thema auf, ironisieren es aber auch und hinterfragen die Idee der Automobilität“, so Köbberling.

Bis zum 15. August wird nun ab 9 Uhr täglich gebaut, gesägt und geschraubt. Wichtig: das Vorhaben versteht sich keinesfalls als abgehobene Kunst, sondern als Projekt zum Mitmachen: „Alle Interessierten können helfen, die Holzskulptur zu bauen und auszugestalten, ob allein oder in der Gruppe, mit Freunden, im Rahmen eines Betriebsausflugs oder mit dem Sportverein - ganz egal“, sagt Kaltwasser.

„Our CenturY“ – das große Y bezieht sich auf die Form der horizontalen Großskulptur - braucht viele Hände: Ruhris aus jeder Stadt und jeden Alters können einen Teil des Bauprojekts aus Paletten, Brettern und Sperrholz mit gestalten. Am Eröffnungswochenende der Ruhrtriennale wird „Our CenturY“, das auch den hinteren Bereich der Halle mit den Wasserwelten einbezieht, feierlich eröffnet.

Während der Triennale-Festspielzeit vom 17. August bis 30. September können dann alle Westparkbesucher, die Zuschauer der Ruhrtriennale und die Bevölkerung dieses neue Eingangsportal zur Jahrhunderthalle begehen, mit dem Rad oder dem Skateboard befahren und sogar besetzen - gern auch mit dem Liegestuhl.

 
 

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