Wenn das Stromnetz Stress hat

Innenaufnahme des Stadtwerke-Heizkraftwerkes in Bochum-Hiltrop.
Innenaufnahme des Stadtwerke-Heizkraftwerkes in Bochum-Hiltrop.
Foto: waz

Bochum. Der Brief der Bundesnetzagenturlandete vor einigen Wochen auch im Posteingang der Stadtwerke Bochum. Natürlich rein vorsorglich erstellt die Behörde derzeit ein Verzeichnis aller Anlagen zur Erzeugung von Energie bis zu Kleinanlagen von einer Leistung ab 20 Megawatt. Dies hatte die Financial Times Deutschland herausbekommen und damit für zum Teil hektische Betriebsamkeit bei den Stromversorgern gesorgt.

Hintergrund des Rundbriefes der Bonner Behörde: Nach dem Abschalten von acht deutschen Kernkraftwerken fürchten Experten vor allem in den Wintermonaten eine steigende Black-Out-Gefahr. Das Stromnetz könnte so schnell unter Stress geraten.

Obwohl die Stadtwerke Bochum den Großteil ihres Stromes auf der internationalen Strombörse kaufen und an ihre Kunden weiterleiten gibt es eigene Anlagen: Als stärkste gilt das Heizkraftwerk in Hiltrop. Mit einer Leistung von bis zu 32 Megawatt erzeugt die Gasturbine Wärme für das Fernwärmenetz. Es wird auch Strom erzeugt. Im Normalbetrieb arbeitet die Anlage „Wärme geführt“. Das bedeutet nichts anderes, als dass sie in der kalten Jahreszeit zum Einsatz kommt. „Wenn uns die Netzagentur allerdings auffordert, könnte die Anlage natürlich jederzeit ans Netz gehen,“ so Heike Paplewski von den Stadtwerken.

"Nicht unser eigenes Notstromaggregat"

Sie produziere dann Strom, was allerdings im Sommer nicht erfolge, da es günstiger sei, den Strom einzukaufen. Ganz ähnlich funktioniert das wesentlich kleinere Heizkraftwerk unmittelbar hinter dem Kortumpark, das knapp 5 Megawatt leisten könne. Doch Paplewski stellt zudem ganz klar: „Wir sind allerdings nicht unser eigenes Notstromaggregat.“ Kein Wunder, denn Jahr für Jahr liefert der Versorger rund 1.400 Millionen Kilowattstunden Strom an seine Kunden.

Doch die kommunalen Versorger wollen ihre Position stärken, sich ein wenig von den Stromriesen abnabeln: Doch bis große Projekte wie das Kohlekraftwerk in Lünen oder der Off-Shore-Windpark vor Borkum, wo die Stadtwerke als Partner mitmischen, betriebsbereit sind, laufen viele kleine Anlagen.

Die Stadtwerke betreiben ein Wasserkraftwerk (177.509 kWh), Deponie/Klärgas-Anlagen ( 111.475 kWh), weitere Anlagen (15.715.733 kWh), private und geschäftliche Solaranlagen (5.071.472 kWh) oder Stadtwerke Solar- Anlagen (27.529 kWh). Erst vor wenigen Wochen kamen 309 neue Solarmodule auf den Dächern von Mietshäusern der VBW in Altenbochum hinzu. sie können je nach Sonneneinstrahlung mehr al 60.000 kWh Strom im Jahr erzeugen. Finanziert wurde dies über den in diesem Jahr gemeinsam mit der Sparkasse erstmals aufgelegten Klima-Brief.

Trotz dieser Anstrengungen erzeugen die Stadtwerke in ihren eigenen Anlagen derzeit nur gut einen Prozent der verkauften Stroms selbst.

 
 

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