Wenige Protestler bei Stuttgart 21-Demos in Bochum

Pro Stuttgart 21: CDU-Ratsmitglied Dirk Schmidt (mit Megafon) hatte zur Kundgebung vor dem Bahnhof aufgerufen. Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool
Pro Stuttgart 21: CDU-Ratsmitglied Dirk Schmidt (mit Megafon) hatte zur Kundgebung vor dem Bahnhof aufgerufen. Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool
Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool

Bochum. Mit seinem Aufruf zu einer Kundgebung pro Stuttgart 21 wollte der Bochumer CDU-Ratsherr Dirk Schmidt polarisieren. Auch wenn nur 20 Menschen ihn unterstützten, ist er zufrieden. Mindestens doppelt so viele Protestler kamen hingegen zur Gegen-Demo.

Stuttgart-21-Demos in Bochum
MPG

„Stuttgart ist weit weg“, begann Dirk Schmidt seine Megafon-Rede vor dem Hauptbahnhof. Das Bochumer CDU-Ratsmitglied hatte zur Kundgebung für das Bahnhofs-Neubauprojekt Stuttgart 21 aufgerufen. Weil er aber nicht mit der Bahn, sondern mit dem Auto kam, mussten seine Mitstreiter ausharren, denn Schmidt steckte im Stau. „Ich habe 50 Leute angemeldet und auf 20 Teilnehmer gehofft; das ist geschafft“, meinte er.

Dass er mit seinem Aufruf zur Demonstration polarisiert hat, freue ihn, wie er der Redaktion im Gespräch erklärte, „ich bin kampagnenerprobt.“ Sein Anliegen war es, deutlich zu machen, dass Großprojekte, zumal mit langer planerischer Vorlaufphase wie bei Stuttgart 21, weiterhin in Deutschland möglich sein müssen; Zeit für Einsprüche habe es genug gegeben. „Die Besetzung von Baustellen ist demokratisch nicht rechtens, das ist keine akzeptable Form der Meinungsäußerung.“

Parallel hatten die Bochumer Linken zur Gegendemonstration aufgerufen. Nur ein paar hundert Meter entfernt, auf dem Husemannplatz, versammelten sich um Initiatorin Sevim Dagdelen mindestens doppelt so viele Demonstranten wie am Bahnhof. „Es stimmt, ohne Dirk Schmidt hätte es unsere Kundgebung nie gegeben. Aber für diese kurze Zeit – ich hatte die Demo erst am Montag angemeldet – ist die Teilnahme doch beachtlich.“

Die Linke hatte zum Schwabenstreich aufgerufen

Es gebe in Bochum mehr Potenzial gegen das Milliardenprojekt Stuttgart 21 als dafür. „Es wird zur Kenntnis genommen.“ Und um den Protest akustisch zu untermauern, hatte die Bundestagsabgeordnete der Linksfraktion einen Schwabenstreich initiiert. Seit den Protesten gegen das Bahnprojekt sind Schwabenstreiche in Stuttgart Teil der Demonstrationen, Ziel: infernalisch laut zu sein.

Die Gegendemonstranten, in deren Reihen sich die Soziale Liste, die Bürgerinitiative gegen die DüBoDo und die Piratenpartei einfügten, hatten sich mit Trillerpfeifen, Kindertrommeln und Hupen gerüstet, einer hatte noch von der Fußball-WM eine Vuvuzela übrig. Eine Minute lang machten alle höllisch Krach. Dagdelen: „Ich bin mir sicher, das war nicht der letzte Schwabenstreich in Bochum. Es wird hier ein soziales ökologisches Bündnis geben. Alle Ratsfraktionen und -gruppen haben Stellung bezogen, nur die SPD eiert herum.“

Und während die Kundgebung auf dem Husemannplatz mit Lärm beendet wurde – noch einmal kamen Pfeifen und Trommeln zum Einsatz – ging es bei den Befürwortern von Stuttgart 21 melodischer zu. Nach seiner und der Rede von Christoph Konrad war Dirk Schmidt der Stoff ausgegangen. Und so intonierte er mit seiner Gruppe das Lied „Auf der schwäbischen Eisenbahn“.

 
 

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