Welt-Aids-Tag: Bochumer Experten raten zum HIV-Test

Arne Kayser, Henriette Roos, Janet Wach und Prof. Norbert Brockmeyer informierten zum Welt-Aids-Tag in Bochum am Zentrum für sexuelle Gesundheit und Medizin (WIR),
Arne Kayser, Henriette Roos, Janet Wach und Prof. Norbert Brockmeyer informierten zum Welt-Aids-Tag in Bochum am Zentrum für sexuelle Gesundheit und Medizin (WIR),
Foto: Ingo Otto
Jährlich stecken sich 15 bis 20 Menschen in Bochum neu mit HIV an. Frühzeitiger Test erhöht Chance auf normale Lebenserwartung. Zentrum für sexuelle Gesundheitund Medizin berät im Netzwerk.

Im neu gegründeten „Zentrum für sexuelle Gesundheit und Medizin“ (WIR – Walk in Ruhr) wird am Donnerstag, dem 1. Dezember, das erste Mal gemeinsam der Welt-Aids-Tag begangen.

Das „WIR“ gilt bundesweit als vorbildhaftes Projekt und verbindet die Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Ruhr-Universität Bochum mit wichtigen Beratungseinrichtungen: Aidshilfe, Gesundheitsamt, pro familia, Madonna und Rosa Strippe.

Der Standort direkt an der Propsteikirche pflegt zudem guten Kontakt mit der katholischen Gemeinde vor Ort. Propst Michael Ludwig scheut es in keiner Weise vor dem Randthema HIV: „Wir holen das Thema in die Mitte der Gesellschaft“, sagte er im Pressegespräch.

Aids-Pandemie bis 2030 beenden

Arne Kayser, Geschäftsführer der Aidshilfe Bochum und Janet Wach, Aids-Koordinatorin der Stadt, berichteten, dass gerade der rechtzeitige Test auf HIV eine enorme Rolle bei der Behandlung des Virus spielten. „Je früher jemand um seine Infektion weiß und therapiert wird, desto wahrscheinlicher wird es, dass er ein Alter erreicht, wie jeder andere Mensch auch“, so Kayser. Das Gesundheitsamt der Stadt führt den Aids-Test anonym und kostenlos durch, im Jahr etwa 2500 mal, wovon etwa 1 % positiv ausfalle. Insgesamt infizierten sich in Bochum allerdings jährlich zwischen 15 und 20 Menschen neu mit HIV, so Janet Wach. In ganz NRW verzeichnete das Robert-Koch-Institut 650 Neuinfektionen in 2015. Kayser schätzt die Gesamtzahl der HIV-infizierten Menschen aktuell in Bochum auf 600 Personen.

Diese Zahlen belegen einmal mehr, dass das Thema HIV noch lange nicht vom Tisch ist. Henriette Roos von der Aktion Canchanabury, die sich in Afrika um Aids-Waisen kümmert, informierte über das Ziel der Vereinten Nationen, Aids bis 2030 auszurotten. Das bedeute, den HIV kontrollierbar zu machen, sodass die Folgen des Virus wie spezielle Infektionen und Tumorerkrankungen mit Therapien zu verhindern sein sollen, erläuterte der Leiter des Zentrums für sexuelle Gesundheit Prof. Norbert Brockmeyer. Im Gegensatz zu Afrika sinke in Deutschland die Neuinfektionsrate mit HIV seit einigen Jahren nicht, so Roos. Neue Chancen sehen die Experten aktuell in der so genannten „Präexpositionsprophylaxe“, in der bestimmte Risikogruppen per Medikament gegen die Ansteckung geschützt werden können.

„Wir müssen die Leute, dazu bringen, über ihre Probleme zu sprechen. Umso weiter sie an den Rand gedrängt werden, desto mehr steigt ihre Risikobereitschaft“, sagte Brockmeyer.

EURE FAVORITEN