Welcome, Mr. President

Jürgen Stahl
Der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter zu Gast in der Bochumer Jahrhunderthalle.
Der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter zu Gast in der Bochumer Jahrhunderthalle.
Foto: WAZ FotoPool
In der Jahrhunderthalle wurde am Freitag der Kongress „Herausforderung Zukunft“ fortgesetzt. Im Blickpunkt: der Besuch von Jimmy Carter – und der aktuelle Stadtwerke-Steinbrück-Zwist.

Bochum. Über „Ethische Ansprüche an die Politik“ spricht der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Wolfgang Huber, in seinem klugen Eröffnungsvortrag. „Wie passend“, tuschelt einer der Zuschauer in der Jahrhunderthalle. Der Kongress „Herausforderung Zukunft“ wurde am Freitag von sehr gegenwärtigen politischen Turbulenzen begleitet.

Für Sascha Hellen hätte es nicht schlechter laufen können. Just in der Woche, in der er Prominenz aus aller Welt zur Fortsetzung seiner 2007 begründeten Dialogreihe nach Bochum holt, berichten die Medien bundesweit über den Spenden-Zwist zwischen Peer Steinbrück und den Stadtwerken – in der der 35-jährige eine nicht unbedeutende Rolle spielt (Seite 5).

Hoher Besuch in Massen

Hinter den Kulissen war der Honorarstreit Thema Nummer 1. Auf und neben der Bühne ließ sich Hellen nichts anmerken. Gewohnt souverän koordinierte er den Kongress. Der war hochkarätig besetzt und führte erstmals einen US-Präsidenten nach Bochum. Jimmy Carter, von 1977 bis 1981 der 39. Präsident der Vereinigten Staaten, machte nach einer zweiwöchigen Nahostreise einen zweitägigen Abstecher nach Deutschland. Mit Jehan Sadat, Witwe des 1981 ermordeten ägyptischen Staatspräsidenten Anwar al Sadat, diskutierte der noch immer hellwache 88-Jährige über „Chancen auf Frieden im Nahen Osten“. Die Sicherheitsvorkehrungen waren immens. 32 Personen umfasste sein Tross: darunter zahlreiche Agenten des Secret Service. Im Beisein von OB Ottilie Scholz trug sich Carter, der in einem Dortmunder Hotel logierte, ins Goldene Buch der Stadt ein.

Carter ist Träger des Friedensnobelpreises – ebenso wie der Solidarnosc-Gründer und frühere polnische Staatspräsident Lech Walesa und die iranische Menschenrechtsaktivist Shirin Ebadi, die Hellen gleichfalls gewinnen konnte. Zu den weiteren Gästen zählten die stellvertretende Vorsitzende des Jüdischen Weltverbandes, Charlotte Knobloch (sie feierte im Rahmen des Kongresses ihren 80. Geburtstag), US-Botschafter Philip D. Murphy, die frühere Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer, Christian Wulff, Ex-Ministerpräsident Rüttgers, die Journalisten Franz Alt und Maria von Welser, die Musikerin Jule Neigel und die US-Menschenrechtlerin Bianca Jagger.

Kriege, Religionen, Globalisierung, Europa, US-Wahl, Ethos: Es waren nicht nur die großen Namen, sondern auch die großen Themen und Herausforderungen, die den Zukunftskongress prägten. Die Jahrhunderthalle war dennoch nur spärlich besetzt. Zahlreich erschienen waren allein die Medienvertreter. Wegen Carter & Walesa. Aber kurzfristig auch wegen Steinbrück & Stadtwerke.

Die Stadtwerke Bochum sind neben einem Dortmunder Hotel und einem Autohaus Hauptsponsor von Sascha Hellens „Herausforderung Zukunft“. OB Ottilie Scholz ist Schirmherrin.

Hellen versteht die Dialogreihe als „nichtkommerzielles Projekt“. Politik, Kirche, Kunst, Wirtschaft und Medien will er in einen internationalen Dialog bringen.

An der ersten Konferenz 2007 im Ruhr-Congress nahmen u.a. Erzbischof Desmond Tutu, Michail Gorbatschow sowie Carlos Santana und Cat Stevens teil.