Weitere Kritik an Ackermann-Auftritt im Schauspielhaus Bochum

Extravorstellung für die Bochumer GLS Bank: Szene aus dem „Cyrano de Bergerac“ mit Armin Rohde (rechts) in der Titelrolle. Foto: Arno Declair
Extravorstellung für die Bochumer GLS Bank: Szene aus dem „Cyrano de Bergerac“ mit Armin Rohde (rechts) in der Titelrolle. Foto: Arno Declair

Bochum. Dass Josef Ackermann und Edmund Stoiber bei einer Veranstaltung im Bochumer Schauspielhaus auftreten, schlägte weitere Wellen. Ralf Feldmann, Richter und Ratsmitglied der Linkspartei, beklagte sich in einem offenen Brief an die Oberbürgermeisterin.

Zu den Bochumern, die sich darüber aufregen, dass Josef Ackermann und Edmund Stoiber gemeinsam im Schauspielhaus zum Thema „Zukunft der globalen Finanzmärkte“auftreten werden, gehört auch Ralf Feldmann. Der Mann ist Richter am Amtsgericht Bochum, außerdem Ratsmitglied der Linkspartei. Er schrieb jetzt einen Offenen Brief an Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz (SPD), worin er sein Unverständnis darüber äußert, dass sie als Schirmherrin der Veranstaltung, in der es „über unsere Zukunft in Bochum“ gehe, einen „Granden des Großkapitals“ willkommen heißt, dem „Rendite alles, das Schicksal der Menschen wenig gilt“. Und: „Sind Sie Herrin oder machen Sie nur einen tiefen Knicks vor der Macht?“

Ackermann, legt der streitbare Richter noch einen drauf, sei als „verdorbener“ Mensch gänzlich ungeeignet, „gültiges oder Ermutigendes für eine lebenswerte Zukunft zu sagen, noch dazu in unserem Schauspielhaus“. Als Alternative für Ackermanns Auftritt fällt dem Richter ein ganz anderer Ort ein - ausgerechnet der Knast: Der Innenhof der Krümmede sei der einzige Ort, wo dies anginge , aber nur - „im Monolog beim Einzelhofgang“, spottet Feldmann.

Online-Umfrage: 75 Prozent geben Steckel Recht

Grundsätzlich, stellte der linke Richter fest, sei es für viele „in der Tat eine Herausforderung, eine Provokation, wenn der führende Exponent des deutschen und europäischen Finanzkapitals Gelegenheit erhält, in unserem geliebten und über die Grenzen unserer Stadt - noch - geachteten Schauspielhaus, einer herausragenden Stätte für Kunst und Kultur, die verderbliche Unkultur des entfesselten neoliberalen Kapitalismus als Hoffnung für die Zukunft zu verkaufen.“

Andere scheinen seine Kritik zu teilen: In unserer Online-Umfrage votierten 75 Prozent von 682 Stimmen (Zwischenergebnis von Donnerstag, 17 Uhr), dass Ex-Intendant Frank-Patrick Steckel Recht hat in seiner Ansicht, einem Mann wie Ackermann dürfe man keine Bühne im Schauspielhaus geben.

Steckel wetterte auch gegen Lammert

Wer darf eigentlich sonst auf die Bühne des Schauspielhauses? - Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) offenbar auch nicht, wenn es nach Ex-Intendant Steckel ginge, der schon 2007 per Offenen Brief dagegen wetterte, dass Lammert, den er als Waffenlobbyist einschätzte, dort Worte zum Thema Frieden sagen sollte. Die Veranstaltung fand trotzdem statt. Der damalige Intendant Elmar Goerden hielt große Stücke auf Lammert, gehörte auch dessen Unterstützerkreis für die letzte Bundestagswahl an.

Mit Banken hat auch der derzeitige Intendant Anselm Weber keine Probleme. Zumindest nicht mit der Bochumer GLS Bank, die vor einigen Wochen für ihre Hauptversammlung das große Haus des Schauspielhauses mietete, samt einer Vorstellung des „Cyrano de Bergerac“, wo Armin Rohde in der Hauptrolle die Klinge sprechen lässt.

 
 

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