Wegen hoher PCB-Werte fordern Bochumer Lehrer Pavillons

Neues Gymnasium in Bochum. Das Gebäude ist mit PCB belastet. Foto: Monika Kirsch / WAZ FotoPool
Neues Gymnasium in Bochum. Das Gebäude ist mit PCB belastet. Foto: Monika Kirsch / WAZ FotoPool
Das Neue Gymnasium Bochum (NGB) kommt nicht zur Ruhe. Eine Woche vor dem verspäteten Schulstart (12.) machen die Lehrer mobil; die aktiven an der Schule und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Bochum.. Die Lehrerkonferenz fordert seit Montag die Aufstellung von drei Pavillons mit insgesamt 18 Klassenzimmern, in denen spätestens nach den Herbstferien unterrichtet werden soll. Die Container sollen spätestens dann alle Räume ersetzen, die nach den jüngsten Messungen der Stadt PCB-Werte mit mehr als 600 Nanogramm pro Kubikmeter Atemluft aufweisen. 53 Lehrer stimmten für diesen Plan, 14 waren dagegen und 31 (!) enthielten sich.

Noch im September soll nach dem Wunsch der Lehrerkonferenz (8 Gegenstimmen, 12 Enthaltungen) in öffentlicher Veranstaltung mit Gutachtern, Vertretern des Schulträgers, der Schulaufsicht, Eltern, Schülern und Kritikern die Schadstoffbelastung an der Erich-Kästner-Schule (EKS) erneut diskutiert werden.

Wie berichtet, sind dort 1450 Schüler und 120 Lehrer des NGB zu Hause. Das neue Gebäude, das die Fusion zwischen Albert-Einstein-Schule (AES) und Gymnasium am Ostring (GAO) endgültig besiegeln soll, wird vermutlich im Sommer 2012 fertig sein.

Erneute Untersuchung gefordert

Die Lehrerkonferenz hatte die Stadt zum Ende des vergangenen Schuljahrs (18. Juli) aufgefordert, die EKS erneut auf Schadstoffe zu untersuchen. Anlass waren Beschwerden von Schülern und Lehrern über Kopfschmerzen, Atemnot und Haarausfall. Zwei Gutachter, Stadt und Schulaufsicht sprachen sich nach Vorliegen der Ergebnisse Ende August für den Verbleib der NGB-Schulgemeinde am Standort EKS aus. Gesundheitliche Risiken seien ausgeschlossen, hieß es.

NGB-Lehrer Eckhard Stratmann-Mertens indes kritisiert die Gutachter, das Messverfahren und wertet die zugrunde gelegte PCB-Richtlinie des Landes anders als die Verantwortlichen. PCB-Werte oberhalb von 300 ng/cbm bedeuteten „eine schleichende Gesundheitsgefahr“, daher bestehe mittelfristig Handlungsbedarf. Gutachter Prof. Ewers empfehle einen „Zeitraum von bis zu drei Jahren“. Laut Stratmann-Mertens geht es in der Debatte gar nicht um das zusätzliche Jahr an der EKS. Viele Lehrer und Schüler der alten AES seien seit Bekanntwerden der PCB-Belastung im Jahr 2002 der Gefahr ausgesetzt. „Dies kann nicht hingenommen werden“, schrieb er in einer Stellungnahme zur Lehrerkonferenz.

"Grenzwerte umstritten"

Schützenhilfe bekommen die protestierenden Lehrer von der GEW. „Die Orientierung an Grenzwerten stellt nur eine ‘Krücke’ dar. Sie sind in der Fachwelt umstritten. Einig ist man sich nur darin, dass PCB und Pilze hochgefährlich sind. Die Wirkung auf die Organismen verschiedener Individuen ist unterschiedlich“, heißt es in einer Pressemitteilung. Die GEW fordert die Stadt auf, die Sorgen der Betroffenen ernst zu nehmen. „Eine höhere, den Belastungen angemessene Reinigungsfrequenz durch regelmäßige Entstaubung (PCB) und Reinigung (Sporen) müssen städtischerweise getroffen und dokumentiert werden.“

Genau das sei längst beschlossen, entgegnet Michael Townsend – und verweist auf seinen Brief an Eltern und Schüler vom 29. August. „Wir sind als Schulträger unserer Verantwortung gerecht geworden und gehen davon aus, allen unseren Fürsorgepflichten entsprochen zu haben,“ sagt der Schuldezernent. Gesundheitliche Risiken gebe es nicht. Daher sei auch sonnenklar: „Wir werden keine Pavillons aufstellen.“

 
 

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