Wattenscheider Feuerwerksimporteur Keller meldet Insolvenz an

Geböllert wird künftig ohne Wattenscheider Kelller-Feuerwerk. Das Traditionsunternehmen hat Insolvenz angemeldet.
Geböllert wird künftig ohne Wattenscheider Kelller-Feuerwerk. Das Traditionsunternehmen hat Insolvenz angemeldet.
Foto: Thomas Schild / WAZ FotoPool
Am Ende kam der große Knall: Der Wattenscheider Feuerwerks-Anbieter Keller geht in die Insolvenz. Das Traditionsunternehmen, das seit 1960 für bunte Glitzerfontänen am Silvesterhimmel sorgte, ist zahlungsunfähig. Nun stehen die Firmensparten zum Verkauf. Unterdessen rumort es in der Belegschaft.

Wattenscheid.. Sie zählte über Jahrzehnte zu den größten Feuerwerk-Anbietern in Deutschland: die FKW Keller GmbH mit Verwaltungssitz an der Hansastraße in Wattenscheid. Doch für das Traditions-Unternehmen und seine Mitarbeiter sind schwere Zeiten angebrochen; die Firma meldete jetzt Insolvenz an. Alle Beschäftigten haben bereits im Juli die Kündigung erhalten – das betrifft sowohl den Standort in Wattenscheid (rund 60 Mitarbeiter) als auch das Lager in Olfen (rund 25 Mitarbeiter).

Die Feuerwerksparte als Kerngeschäft – Keller war ein großer Direktimporteur von Pyrotechnik aus China und bundesweit die Nummer drei – ist mittlerweile verkauft worden. Und zwar zum 1. August in Wege eines „Asset Deals“ an den Konkurrenten Comet, die Nummer zwei in der Branche. Dafür hatte das Bundeskartellamt zuvor grünes Licht gegeben.

Noch kein Verkäufer für Festivalsparte gefunden

Geblieben ist als zweites Keller-Standbein – ebenfalls ein Saisongeschäft – die Festival-Sparte, das sind vor allem Karnevalskostüme und -Accessoires. Dafür wurde bislang aber noch kein Käufer gefunden. „Die Verhandlungen für den Verkauf von Vermögensteilen des Geschäftsbereichs Karneval werden weitergeführt“, so Geschäftsführer Hans-Joachim Henkel.

„We rock the Sky“ – wir rocken den Himmel: Damit wirbt die Firma derzeit noch auf ihrer Homepage. Doch die Glanzzeiten sind vorbei. Als Pionier und Firmengründer Franz Keller 1960 seine ersten persönlichen Kontakte nach China aufbaute, nahm er eine Vorreiterrolle in der Bundesrepublik als erster deutscher Direktimporteur von Feuerwerk aus dem Reich der Mitte ein.

„Auf Basis der wirtschaftlichen Entwicklung der letzten Jahre mit steigendem Wettbewerbsdruck und damit schlechter werdenden Margen sahen sich die Gesellschafter der FKW Keller GmbH gezwungen, die Geschäftsbereiche Feuerwerk und Karneval zeitnah zu verkaufen und eine Liquidation der Firma einzuleiten“, erklärt Henkel.

In der Belegschaft rumort es

Am 30. Juli wurde beim Amtsgericht Bochum wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenzantrag gestellt. Das vorläufige „schwache“ Insolvenzverfahren wurde antragsgemäß am 31. Juli angeordnet. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist Rechtsanwalt Nils Meißner. Der zweite Keller-Geschäftsführer, Horst Krokowski, ist seit August als selbstständiger Berater für die Firma Comet tätig.

In der Belegschaft rumort es kräftig. Ein Mitarbeiter, der namentlich nicht genannt werden will, erklärt, dass es vorab keine Informationen seitens der Geschäftsleitung gegeben habe; viele Angestellte hätten bereits Kündigungsschutzklagen eingereicht. Er meint, dass hier „ein Verkauf der Firma mit fachgerechter Entsorgung der Mitarbeiter erfolgt“. Aus dem riesigen Lager mit zahlreichen Bunkern im münsterländischen Olfen (früher Munitionshauptdepot der Bundeswehr), so hört man, soll der neue Eigentümer bereits viele Feuerwerkskörper abtransportiert haben. Die Mitarbeiter am Standort Olfen sind bei der Keller Pyro GmbH angestellt; für diese ist laut Nils Meißner bisher kein Insolvenzantrag gestellt worden.

 
 

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