Was in Bochum nach Opel kommt

Gerd Heidecke
Das Opel-Gelände 1 in Bochum. Hier werden neue Nutzer gesucht.
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Foto: Hans Blossey
Welche Chancen für die Ansiedlung neuer Arbeitsplätze bietet das riesige Gelände des Opel-Werks nach dem Ende des Autobaus im Ruhrgebiet? Noch in diesem Jahr sollen die Stadt und das Unternehmen die Gesellschaft „Bochum Perspektive 2022“ gründen – mit dem Ziel, Firmen auf den drei Teilflächen anzusiedeln.

Bochum. Welche Chancen für die Ansiedlung neuer Arbeitsplätze bietet das riesige Gelände des Opel-Werks nach dem Ende des Autobaus im Ruhrgebiet? Noch in diesem Jahr sollen die Stadt und das Unternehmen die Gesellschaft „Bochum Perspektive 2022“ gründen – mit dem Ziel, Firmen auf den drei Teilflächen anzusiedeln.

Ein Gutachten der Unternehmensberatung Boston Consulting (BCG) für Opel, das dieser Zeitung vorliegt, sieht die besten Chancen für die Ansiedlung von Logistikunternehmen und Medizintechnik. Das Werksgelände ist insgesamt 1,6 Millionen Quadratmeter groß. Dies entspricht etwa der Fläche von über 220 Bundesliga-tauglichen Fußballfeldern.

Nähe zur Ruhr-Uni ein Vorteil

Nur „mittlere Chancen“ gibt BCG der Ansiedlung von Maschinen- und Anlagenbauern auf dem Werksgelände. Gleiches gilt für die Ansiedlung von Handel- und Dienstleistung. Im Raum Bochum gibt es laut dem Gutachten bereits 1,1 Millionen Quadratmeter Gewerbegebietsflächen, von denen 387.000 Quadratmeter frei sind.

Als unwahrscheinlich wird von BCG die Gewinnung von Autobauern und Autozulieferern auf dem dreiteiligen Opel-Gelände eingeschätzt. Dafür seien die Gebäude zu veraltet. Verwiesen wird auch auf das Lohnniveau der bisher bei Opel Beschäftigten. Es liegt mit einem Bruttoarbeitslohn von 33 Euro die Stunde 17 Prozent über dem durchschnittlichen Lohnniveau in NRW.

Medizintechnik erscheint aussichtsreich

Die Ansiedlung von Medizintechnik als Ersatz für Autobau erscheint BCG dagegen als aussichtsreich, in erster Linie aufgrund der Nähe zu bestehenden so genannten Forschungsclustern im Umfeld der nahe gelegenen Ruhr-Universität. Für Logistik auf dem Opel-Areal spricht neben der guten Verkehrsanbindung durch Schiene und Autobahn die schiere Größe der Flächen, 690.000 Quadratmeter im Werk 1, 490.000 Quadratmeter im Werk 2 und 420.000 im Werk 3.

In NRW gibt es zurzeit nur fünf freie Gewerbe- und Industrieflächen mit mehr als einer halben Million Quadratmetern. Keine davon liegt direkt auf der Rhein-Ruhr-Schiene. Waren- und Paketverteiler sind auf große zusammenhängende Flächen angewiesen. Das Center von Amazon in Rheinberg ist beispielsweise über 100.000 Quadratmeter groß. Nach Informationen dieser Zeitung hat sich DHL bereits über Bochum informiert. Der Paketversender hat einen besonders großen Flächenbedarf für seine Verteilzentren.

Enno Fuchs, der von Opel mit der Entwicklung des Geländes betraute Manager, legt Wert auf die Feststellung, dass es verschiedene Arten von Logistik gibt. „In der Spezial- und Kontraktlogistik gibt es viele qualifizierte Arbeitsplätze“, sagte Fuchs im Gespräch mit dieser Zeitung. Lager mit viel Fläche und wenig Personal, etwa Containerlager oder Kühlhäuser, seien nicht sinnvoll. Die Tariflöhne in der Logistikbranche sind deutlich geringer als bei den Opel-Beschäftigten im Metall-Tarif, der auch den Beschäftigten im Warenverteilzentrum des Autobauers gezahlt wird.

Einvernehmen mit Opel notwendig

Als Vorbild für hochwertige Logistik gilt das im Bau befindliche CKD-Center in Duisburg. 400 Stellen werden beim Logistiker Schellecke geschaffen, um künftig Hunderttausende Teilsätze jährlich für Audi zusammenzustellen. Diese gehen auf dem Seeweg zur Endmontage in erster Linie nach China und Indien. Der Hafenbetreiber Duisport baut gerade einen über 50.000 Quadratmeter großen Hallenkomplex auf einem doppelt so großen Gelände direkt am Wasser.

In Bochum haben sich die Stadt und Opel auf die wichtigsten Bedingungen für die noch zu gründende Perspektivgesellschaft 2022 geeinigt. Die Kommune erhält mit 51 Prozent die Mehrheit. In wesentlichen Fragen, zum Beispiel Grundstücksverkäufen, ist aber das „Einvernehmen“ mit Opel notwendig. Opel verpflichtet sich, die noch auf Kosten des Unternehmens zu bewertenden Grundstücke einzubringen und nicht teilweise an Dritte abzugeben. Beide Seiten wollen „Bochum Perspektive 2022“ noch in diesem Jahr gründen. Unternehmenskreise halten Oktober für den frühest möglichen Termin. Wahrscheinlicher sei jedoch das Jahresende.