Bochum

Was im Bergmannsheil Bochum jetzt möglich ist, grenzt an ein Wunder

Dieser Rollstuhl wird durch Gedanken gesteuert

Im Bergmannsheil in Bochum wird ein Rollstuhl getestet, der durch Gedanken gesteuert wird. Wir haben ihn ausprobiert.

Im Bergmannsheil in Bochum wird ein Rollstuhl getestet, der durch Gedanken gesteuert wird. Wir haben ihn ausprobiert.

Beschreibung anzeigen
  • Das Bergmannsheil Bochum forscht an einem besonderen Rollstuhl
  • Das Hilfsmittel lässt sich allein mit der Kraft der Gedanken steuern
  • Wir haben den Rollstuhl getestet

Bochum. Woran Ärzte im Bergmannsheil in Bochum derzeit forschen, ist auf den ersten Blick völlig unglaublich. Ein Rollstuhl, der sich allein durch die Kraft der Gedanken steuern lässt.

Von der Forschung in Bochum sollen zukünftig Menschen profitieren, die durch eine Querschnittslähmung weder Beine noch Arme bewegen können. Ist das System ausgereift, hätten betroffene Patienten eine neue Möglichkeit, sich selbstständig im Alltag zu bewegen.

Bis es soweit ist, muss der Spezialrollstuhl allerdings noch gründlich getestet werden.

Bergmannsheil Bochum: So funktioniert der Rollstuhl

Doch wie um alles in der Welt funktioniert die Gedankenübertragung auf den Rollstuhl überhaupt?

Das erklärt Dr. Luca Tonin von der Technischen Hochschule in Lausanne, wo die Software (Brain-Computer-Interface) entwickelt wurde: „Über eine EEG-Kappe werden die Gehirnströme der Probanden gemessen und dann durch Software in Bewegung umgewandelt“, sagt der Wissenschaftler zu DERWESTEN-Reporterin Vanessa Hellwig, die das System testen soll.

------------------------------------

• Mehr Themen:

Erzieher aus Bochum packt aus: DAS verbieten ihm einige Eltern

Verkaufsoffene Sonntage in Bochum: An diesen Tagen kannst du shoppen

• Top-News des Tages:

Rebecca Reusch (15): Zeugin packt aus – gibt es endlich einen entscheidenden Hinweis?

„Markus Lanz“ im ZDF – Tierarzt sorgt mit Aussage über Hunde für Fassungslosigkeit

-------------------------------------

Wie sich der Rollstuhl steuern lässt

So viel zur Theorie. Aber wie lässt sich das Gerät nun in der Praxis mittels Gedanken vom Fleck bewegen?

Worauf es genau ankommt, beschreibt Prof. Dr. Ramón Martínez-Olivera: „Vanessa soll sich vorstellen, ihre Hände zu bewegen, wenn sie sich mit dem Rollstuhl nach rechts drehen will“, sagt der Leiter der Abteilung Neurochirurgie/Neurotraumatologie im Bergmannsheil Bochum.

Möchte sie in die andere Richtung steuern, muss sich Vanessa vorstellen, ihre Füße zu bewegen. Laser- und Kamerasysteme sollen dann verhindern, dass sie mit dem Rollstuhl gegen Hindernisse stößt.

Es rattert und rattert

Doch bis sie zum Gedankenangriff schreiten kann, braucht es etwas Geduld. „Die Künstliche Intelligenz und das Gehirn müssen sich zunächst kennenlernen“, beschreibt Dr. Luca Tonin den Prozess, bei dem der Computer auswertet, wie Vanessas Gehirn auf einzelne Befehle reagiert.

Nach zwanzig Minuten geht es dann los. Vanessa schaut voll konzentriert auf den Bildschirm, will nach rechts: „Hände bewegen, ohne sie zu bewegen, Hände bewegen, Hände bewegen!“ Man hört Vanessas Gehirn förmlich rattern.

Und es bewegt sich: nichts. Zumindest zu Beginn.

Vanessa Hellwig: „Das habe ich nicht erwartet“

Nach einer Weile hat Vanessa den Dreh plötzlich raus! Dann fluppt es. Der Rollstuhl bewegt sich! Es funktioniert wirklich!

Eines hat die Reporterin nicht erwartet: „Es ist mega anstrengend“, sagt sie. Man könne sich gar nicht vorstellen, wie viel Energie es kostet, sich die ganze Zeit auf den Bildschirm zu konzentrieren.

Patient zeigt große Fortschritte

Ähnliche Erfahrungen machten auch die bisher einzigen beiden Patienten, die den Spezialrollstuhl vor Vanessa getestet haben. Einer der beiden war nach einem zehnwöchigen Training in der Lage einen Hinderniss-Parcour zu bewältigen.

So weit hat es Vanessa bei ihrem kurzen Testlauf nicht gebracht. Dafür hat sie mit der Kraft ihrer Gedanken immerhin eine Tür angesteuert: „Das war schon ziemlich cool, dass das funktioniert hat“, sagt sie.

Was auf den ersten Blick ziemlich unglaublich klang, bleibt auch bei näherer Betrachtung: ziemlich unglaublich.

 
 

EURE FAVORITEN