Was der Doktortitel Bürgern in Bochum gebracht hat

Rolf Hartmann
Die WAZ hörte sich bei Bürgern in Bochum um: Öffnet ein Doktortitel Türen? Foto: ddp.
Die WAZ hörte sich bei Bürgern in Bochum um: Öffnet ein Doktortitel Türen? Foto: ddp.
Foto: ddp
Zahlt sich ein Doktortitel aus? Welche Vorteile bringt diese akademische Weihe? Promovierte Bochumer Bürger wie die Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz sagen, was der Titel ihnen gebracht hat.

Bochum.  Sehnsucht nach dem Doktortitel: Manche kaufen ihn, viele „opfern“ einen Teil ihres Lebens für ihn. Einige schreiben auch ab, wie es jüngst Baron zu Guttenberg vorgeworfen wird. Doch zahlt sich der Titel überhaupt aus? Ist der Doktortitel ein Türöffner? Garantiert er gesellschaftliches Ansehen? Die WAZ fragte nach.

OB Dr. Ottilie Scholz legt keinen Wert darauf mit Titel angeredet zu werden

Etwa bei Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz, einer Soziologin. Titel ihrer Doktorarbeit? Sie lacht: „Das ist unheimlich lange her, wie hieß die noch? - Ich habe über soziale Kompetenzen im Rahmen tradierter Rollenmuster geschrieben. Das hat mich einige Zeit meines Lebens gekostet. Türöffner? - Das spielte schon eine Rolle, über den Titel konnte man dokumentieren, dass man ein Studium erfolgreich abgeschlossen hatte. Ich selbst gehöre nicht zu den Leuten, die mit Titeln angeredet werden wollen.“ Den Ausschlag für beruflichen Aufstieg habe der Doktortitel nicht gegeben, höchstens als „ergänzendes Element“. Aber: „meine Eltern haben sich gefreut. Es hat ein Fest gegeben mir zu Ehren.“

„Zunächst hilft es einem selbst“, erinnert sich Dr. Dieter Kraemer, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft VBW. Der Wirtschaftswissenschaftler schrieb über Abgrenzung funktionaler Raumeinheiten für die regionale Wirtschaftspolitik“. Zur Doktorarbeit: „Man lernt Disziplin und Durchhaltevermögen. Man kämpft, um das vernünftig zu Ende zu bringen.“ Ganz locker ist Dr. Wilfried Werner, am Telefon meldet er sich ohne den Titel, aber das scheint eher ein verbreiteter Akt des Understatements zu sein. Der Biologe leitet die Zooschule am Bochumer Tierpark: „Ja, mir hat dieser Titel bei meiner früheren Arbeit in der neurobiologischen Forschung sehr geholfen.“

Werner räumt freimütig ein, was andere Titel-Träger in scheinbarer Bescheidenheit stets ablehnen würden: „Dieser Titel ist schon so etwas wie ein Türöffner, schafft eine gewisse Atmosphäre.“ Dabei legt er persönlich gar nicht so viel Wert darauf: „Meine Kollegen nennen mich einfach Wilfried.“

Titel als Beleg für wissenschaftliches Arbeiten

Klaus-Axel Riemann, Pardon, Dr. Klaus-Axel Riemann, ehemals CDU-Mitglied, der bei der FDP-Fraktion angedockt hat, erwarb seinen Titel einst als Maschinenbauer, Dr. Ing. Bei seiner Arbeit, da erinnert er sich gut , ging es um die Verbesserung der Wärmeübertragung bei Wärmetauschern. Kurz gesagt, er arbeitet mit daran, dass etwa die Kühler in Autos immer kleiner wurden. „Ich würde nicht sagen, dass mir dieser Titel bei meinem Job in der Umwelt-Branche geholfen hat.“ Eher als Beleg dafür, dass er mal wissenschaftlich gearbeitet habe.

Einen völlig anderen Aspekt spricht Dr. Kemal Bozay, Geschäftsführer der Ifak, an. Dem Verein, der sich in Bochum um die Integration von Ausländern bemüht. Der Sozialwissenschaftler stammt aus einer typischen Migrantenfamilie, absolvierte die Hauptschule und kam über den 2. Bildungsweg an die Uni: „Ich bin mit diesem Titel natürlich ein Vorbild. Andere Migranten sehen, was möglich ist, auch als Ausländer. Das man etwas erreichen kann.“