Waldstück soll neuem Uni-Hochhaus weichen

Jürgen Boebers-Süßmann
Blick auf das Wäldchen neben dem Gebäude GC (Geistswissenschaften) der Ruhr Uni Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Blick auf das Wäldchen neben dem Gebäude GC (Geistswissenschaften) der Ruhr Uni Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool

Bochum.  Noch währt an der Ruhr-Uni die vorlesungsfreie Zeit, doch eines ist sicher: Nach der „Sommerpause“ kommt das Thema „Erweiterung der GA-Reihe“ wieder auf den Tisch. Für den Neubau soll ein Waldstück abgeholzt werden.

Der im Rahmen der Campussanierung vorgesehene Ausbau der Reihe der geisteswissenschaftlichen Institutsgebäude um ein weiters G-Hochhaus am westlichen Rand des Campus ist nicht unumstritten.

Geht es nach dem Willen der Universität und der Stadt, soll für den Neubau GD das Wäldchen neben dem GC-Altbau abgeholzt werden (die WAZ berichtete). Der befürchtete Kahlschlag gefällt nicht allen Querenburger Nachbarn, und auch nicht dem AStA. Auf einer Bürgerversammlung Anfang Juli wurden die Verantwortlichen schon einmal mit dem Unmut konfrontiert.

Auf einer Linie

Anlass für das Bauvorhaben: Mit dem „Ersatzneubau GD“ soll die Sanierung der G-Reihe eingeläutet werden. Baubeginn 2011, Fertigstellung 2013. Langfristiges Planungsziel: Wenn nach Abschluss der Campussanierung in den 2020er Jahre die Uni-Bibliothek (UB) entkernt und zum Student Service Center (SSC) umgestaltet sein wird, soll der Löwenanteil des aus zwei Millionen Büchern bestehenden UB-Bestandes in die unteren Ebenen der Geisteswissenschaftsgebäude umziehen. Damit diese auch künftig in einer Linie liegen, soll der Wald dem GD-Bau weichen. Gegen einen Alternativstandort im Süden der G-Reihe (heute ein Parkplatz) sprächen Gründe des Denkmalschutzes, wurde angeführt. Dabei steht die RUB gar nicht unter Denkmalschutz. Es gibt lediglich eine Empfehlung des Denkmalschutzbeauftragten, die typische Grundstruktur nicht durch ein „deplatziertes Gebäude“ zu stören. „Die Univerwaltung will angeblichen Denkmalschutz gegen Umweltschutzargumente ausspielen. Das ist wenig glaubwürdig“, so der AStA.

Flächenkompensation

Geht es nach RUB und Stadt, wird GD also am besten in den Wald neben GC gebaut. Einen „massiven Eingriff in Natur und Landschaft“ räumen die Planer selbst ein; „es werden unversiegelte Freiflächen, zum Teil auch Waldflächen, die bislang im Landschaftsschutzgebiet lagen, in Anspruch genommen“. Allerdings könnten diese Eingriffe durch Ausgleichsmaßnahmen und Wiederaufforstung „auf geeigneter Fläche im Umfeld“ kompensiert werden.

Da das für den GC-Bau ausgeguckte Grundstück nicht vollständig auf Universitätsgelände liegt, braucht das Vorhaben die Zustimmung des Rates. Alle vorgebrachten Anregungen würden geprüft, so Stadtbaurat Ernst Kratzsch. Die Entscheidung, ob Anregungen berücksichtigt oder abgewiesen werden, treffe der Rat beim Satzungsbeschluss.

Alternative Vorschläge

Alternativvorschläge gibt’s auch. So haben Querenburger Bürger in ihren schriftlichen Einwendungen gegen den B-Plan darauf hingewiesen, dass nach der Campussanierung das zuletzt sanierte Gebäude auf der südöstlichen Reihe (NC) leer stehe, es könnten z.B. Fakultäten aus dem G-Gebäude dort einziehen, das GA stünde dann für die neue Uni-Bibliothek zu Verfügung. „Exzellenz einer Universität zeigt sich in Lehre und Forschung, aber auch in der Pflege der Ergebnisse ihres Tuns, also auch in der Pflege der Umwelt; in diesem Fall die Umwelt, in die diese Universität eingebettet ist“, heißt es in einer Bürger-Eingabe an die Stadt, die der WAZ vorliegt.

Im Zuge des Bebauungsplanverfahrens wird es im Rahmen der Öffentlichen Auslegung eine zweite Bürger-Beteiligungsrunde geben. Wann das sein wird, steht noch nicht fest.