Das Stadtwerke-Hochhaus war das höchste Gebäude in Bochum

Jürgen Boebers-Süßmann
Bochum: Das Stadtwerkehaus war bis 1966 das höchste Haus der Stadt.
Bochum: Das Stadtwerkehaus war bis 1966 das höchste Haus der Stadt.
Foto: Stadt Bochum Presse- und Informationsamt
Das "Beamten-Aquarium" verfügte über hohe architektonische und künstlerische Qualität. Heute ist es zwischen andern Gebäuden „eingeklemmt“

Bochum. Exemplarisch für den Wiederaufbau Bochums nach dem Bombenkrieg steht das Stadtwerke-Hochhaus von 1951. Einst war es die städtebauliche Dominante auf der breit trassierten Massenbergstraße vor der als großstädtisch empfundenen Hauptbahnhof-Kreuzung.

Heute geht das vor einem halben Jahrhundert so markante Haus, eingeklemmt zwischen den Riesentürmen des Park Inn Hotels und der Stadtbad-Galerie, im Weichbild des neuen Boulevards förmlich unter.

Neun Stockwerke aus Stahlbeton

Man muss die eintönige Rasterfassade des neunstöckigen Hochhauses aus Stahlbeton nicht mögen; gleichwohl überzeugt das Gebäude mit seiner hohen architektonischen und künstlerischen Qualität.

Entstanden war es in enger Zusammenarbeit führender Architekten der Zeit unter Leitung von Stadtbaurat Clemens Massenberg, auf den die Neuordnung der Bochumer City zurückgeht. Es war sozusagen maßgeschneidert für die Auferstehung der zu 80 Prozent zerbombten Innenstadt.

Bis 1966 das höchste Haus Bochums

Bis 1966 war das Stadtwerke-Haus das größte Hochhaus Bochums – es sollte Eindruck machen und „den vom Bahnhof Kommenden eindrucksvoll in die Innenstadt weisen“, wie es seinerzeit hieß. Der Bochumer Volksmund nannte das architektonische Vorzeigestück wegen seiner ungewöhnlich großen Fenster und hellgrünen Klinker allerdings nur „Beamten-Aquarium“.

Dem Stadtwerke-Haus galt die Sorgfalt der Architekten. Erstmals in Bochum wurde hier an der Massenbergstraße mit Sichtbeton gearbeitet; von der Dachzone wurden 1:1-Modelle in das Baugerüst gehängt, um die optische Wirkung einschätzen zu können.

Das Buntglasfenster ist ein besonderes Schmuckstück

Die Eingangshalle besitzt eine repräsentativ und elegant geschwungene Treppe mit einer eigens hierfür angefertigten Hängelampe aus der in ganz Deutschland geschätzten Bochumer Lampenfabrik Schumacher. Hauptschmuck ist ein Buntglasfenster des bekannten Bochumer Künstlers Ignatius Geitel (1913-1985). Im Sockelgeschoss befand sich die Kundenbetreuung. Damals wurde das Stromgeld noch bar eingezahlt.

Das historische Stadtwerke-Haus wurde nach dem Umzug des Energieversorgungsunternehmens in den schwarzen Neubau am Ostring 2005 von der Bochumer Immobilienfirma Häusser Bau übernommen. Heute wird es als Bürohaus u.a. für Anwaltspraxen genutzt.