Vorlesen erfordert Körpereinsatz

Auf die richtige Körperhaltung kommt es an: Stimm- und Sprechtraining für Lesepaten mit Melanie Goebel (Mitte).
Auf die richtige Körperhaltung kommt es an: Stimm- und Sprechtraining für Lesepaten mit Melanie Goebel (Mitte).
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Ausgebildete Sprecherin Melanie Goebel gibt Schul-Paten Sprechunterricht.Mit der richtigen Betonung ein Kinderbuch spannender machen.

Bochum.. Begeistern für Geschichten aus Kinder- und Jugendbüchern: Dieses Ziel setzt sich ein Sprech- und Stimmtraining, das aktuell mittwochs in der Bücherei Querenburg mit Erzähltrainerin Melanie Goebel stattfindet. „Im Blick habe ich mit dem Angebot vor allem Vorlesepaten in den städtischen Bibliotheken sowie an den Grundschulen, die ihre Fähigkeiten ausbauen wollen“, erklärt die ausgebildete Sprecherin, Erzählerin und studierte Historikerin sowie Politikwissenschaftlerin beim ersten Treffen. „Gerne können beim nächsten Mal aber auch andere, die Freude daran haben, ihren Kindern oder Enkeln Bücher vorzulesen, hinzukommen“.

Neun Teilnehmer sind beim ersten Training mit von der Partie. Sie kommen aus Langendreer, Querenburg, Wattenscheid und Wiemelhausen. „Zum Sprechen, das Spaß und Spannung für die Kinder ausdrückt und sie in die Geschichte hinein mitnimmt, gehören eine gute Körperhaltung und der Einsatz der Stimme“, betont die 36-Jährige zum Start.

Wohlfühlstimme aktivieren

Die Teilnehmer drücken deshalb bei der ersten Übung den Rücken durch, stehen aufrecht und ballen die Fäuste. Und siehe da: die Stimme ertönt kraftvoller aus dem Körper. „Da werden aus piepsenden Mäusen prachtvolle Löwen“, sagt sie schmunzelnd. Die studierte Historikerin ließ sich am Figurentheaterkolleg zur Erzähltrainerin weiter ausbilden. Sie steckt mit ihrer Begeisterung alle an.

Das bildhafte Vorstellen eines Lieblingsessens ist das nächste Projekt. Bei Ulrike Hoffmann (Querenburg) ist das der „Apfelauflauf“, der begeistert über ihre Lippen kommt. Vorlesepatin Bärbel Bablich (Langendreer) nimmt die „Quiche Lorraine“. Knusprig kommt sie aus dem Ofen.

„Wichtig ist, dass sie ihre Wohlfühlstimme aktivieren“, erklärt Goebel. „Das gibt der Stimme Lautstärke, ohne sich anstrengen zu müssen.“ Was das im schlechtesten Falle heißt, macht wenig später Klaus Schneidersmann (Wattenscheid) vor: Bei der Geschichte vom „Kartoffelkloß“ setzt er zunächst die Kopfstimme ein und die Stimmbänder kratzen unangenehm.

Richtige Atmosphäre

Besonders Spaß macht den Teilnehmern das Märchen erzählen anhand von Schlüsselsätzen wie etwa aus Schneewittchen: „Spieglein, Spieglein an der Wand. Wer ist die schönste im ganzen Land.“ Die böse Königin erwacht da sprachlich ebenso zum Leben wie der Froschkönig und der fressende Wolf bei Rotkäppchen. „Ihre Vorstellungskraft für die Figuren überträgt sich in die Sprache und steckt die Fantasie der Zuhörer an“, ermutigt Goebel. Brigitte Knüper macht das entsprechend mit Gesten deutlich, als der Froschkönig an die Wand klatscht und zum Prinzen wird.

Am Ende ist Melanie Goebel sehr zufrieden: „Hier in der Bibliothek in der Nähe der Bücher ist die richtige Atmosphäre für so eine Fortbildung.“ Bibliotheksleiter Torsten Eilks ist als Mitorganisator ebenso zufrieden. „Unsere Lesepaten erhalten hier viel Kompetenz für ihr ehrenamtliches Vorlesen, das wir toll finden.“

Teilnehmerin Birgit Lechtenfeld (Familienbibliothek Wiemelhausen): „Das hilft mir, meine Freude an Geschichten, die ich gerne weitergeben möchte, zu verbessern.“

EURE FAVORITEN