Bochum

Vonovia blamiert sich vor Gericht, weil der Konzern DAS von einer Mieterin forderte

Die Firmenzentrale von Vonovia in Bochum.
Die Firmenzentrale von Vonovia in Bochum.
Foto: dpa

Bochum. Es sind oft kleine Ungereimtheiten, die viele Mieter in ganz Deutschland stutzig machen. Hier eine Mietpreiserhöhung wegen Modernisierung, dort steigen die Nebenkosten für den Winterdienst – und wieso zahle ich für die Wartung von Dachfenstern, die es im Haus gar nicht gibt?

Nun droht Vonovia richtig Ärger: Deutschlands größter Immobilienkonzern, so der Vorwurf, würde seine Mieter über Nebenkosten und Mietpreiserhöhungen abzocken. Das berichtet der „Spiegel“.

Vonovia: Mieter verwundert über fragwürdige Rechnungen

„Da sind Dinge in der Nebenkostenabrechnung, die offensichtlich falsch sind“, sagt beispielsweise Franz Obst aus München. Er rechnete nach, was ein Vonovia-Hausmeister angeblich an einem Tag gewartet haben will. Die Fülle an Aufgaben sei niemals zu schaffen – sei aber abgerechnet und auf die Mieter des Bochumer Immobilien-Giganten abgewälzt.

In den Nebenkosten von Obst war unter anderem die Kontrolle der Dachfenster angegeben. Das Problem: Das Mehrfamilienhaus hat gar keine Dachfenster. Und auch die Druck- und Hebeanlage kann nicht wie angegeben einer Sichtkontrolle unterzogen worden sein – jedenfalls nicht ohne Tauchausrüstung, denn sie liegt eineinhalb Meter unter Wasser.

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Franz Obst ist offenbar kein Einzelfall. In ganz Deutschland mehren sich die Meldungen von Vonovia-Mietern über Leistungen, die nicht erbracht, aber abgerechnet wurden.

Die Klage von Vonovia gegen eine Mieterin aus Leverkusen wurde für den Milliarden-Konzern zur Farce: Die Mieterin wollte eingeforderte 127,46 Euro für „Sach- und Haftpflichtversicherungen“ nicht zahlen.

Bochumer Konzern blamiert sich vor Gericht

Vonovia zog vor Gericht und es wurde peinlich: Der Versicherungsschein, den die Mieterin zur Einsicht anforderte aber nie bekam, galt gar nicht für ihre Wohnung, sondern für ein Vonovia-Verwaltungsgebäude in Essen. Der Konzern wollte der Frau also Kosten für eines der eigenen Büros aufdrücken.

Während zahlreiche Mieter nun Sammelklagen vorbereiten, rückt auch die Politik Vonovia auf den Pelz. Die Stadt Dresden, wo das Bochumer Unternehmen allein 38.000 Objekte besitzt, will Vonovia nun durchleuchten. Die Stadtverwaltung geht der Frage auf den Grund, „ob und inwieweit systematisch Betriebskosten überhöht abgerechnet wurden“, wie sie dem „Spiegel“ bestätigt.

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Vonovia selbst wäscht seine Hände in Unschuld: „Wir haben alle Leistungen, die unser Objektbetreuer erbracht hat, gegenüber dem Gericht transparent dargelegt“, erklärt das Vermieter-Unternehmen. „Die gerichtliche Entscheidung bleibt abzuwarten.“

Vonovia will weniger modernisieren

Bereits im Dezember berichteten wir, dass Vonovia eine drastische Einschränkung der Modernisierungen ankündigte. Das Bochumer Unternehmen erkannte eine „dramatisch zurückgegangene gesellschaftliche Akzeptanz“ für Mitepreiserhöhungen wegen energetischer Modernisierungen, so Unternehmens-Chef Rolf Buch.

„Es nutzt nichts, wenn die Leute das nicht wollen“, so Buch gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Seine frei werdenden Mittel wolle der Konzern in Zukunft in Neubauten und Modernisierungen in Schweden investieren. Dort sei die Akzeptanz deutlich größer. >> Mehr dazu hier

 
 

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