Vom Tiefschlag zur Erfolgsgeschichte

Laer.  Wo Ende 2014 die Opel-Schließung eine ganze Region schockte, hat sich keine zwei Jahre später eine echte Erfolgsgeschichte entwickelt: Auf dem Gelände des früheren Opel Werks I, heute Mark 51°7. Die Entwicklungsgesellschaft Bochum Perspektive 2022 geht bei der Vermarktung mit großen Schritten voran. Vier Abschlüsse wurden vermeldet und damit fast die Hälfte der gesamten Fläche verkauft.

Das Opel Werk I wurde im Juli 2015 an die Gesellschaft übergeben. Der erste Abschluss erfolgte Anfang 2016 mit dem DHL-Logistikzentrum, durch das alleine mehr als 600 tarifgebundene, sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze geschaffen werden. Im Juli folgten Harpen/Goldbeck mit einem Bürogebäude an der Alten Wittener Straße. Zuletzt unterschrieben im September die Landmarken AG und die Ruhr-Universität mit dem Forschungszentrum für das Engineering smarter Produkt-Service-Systeme (Zess), das in einem viergeschössigen Gebäudekomplex mit 3900 m³ Nutzfläche und 65 Mitarbeitern unterkommen soll.

„Wir haben neue Standards gesetzt“, sagt Mark 51°7-Pressesprecher Tim Fröhlich nicht ohne Stolz und betont: „Natürlich wollen wir so schnell wie möglich die Flächen verkaufen, aber mit nachhaltigen Geschäftsmodellen und soliden Finanzierungen.“ Der Name Perspektive 2022 ist nicht ohne Grund gewählt, zu diesem Zeitpunkt soll auf dem insgesamt 20 Hektar großen Gelände alles fertig sein.

Von außen ist auf einer der größten Baustellen Deutschlands nicht zu sehen, was sich hinter den Kulissen tut. „Das Projekt steht auf vier Säulen: Planung, Sanierung, Entwicklung und Vermarktung“, sagt Fröhlich: „Es soll ein Areal modernster Prägung werden.“ Der Anfang ist bereits gemacht. Mehr als ein Drittel der alten Gebäude wurde entfernt. Das sind vor allem die Flächen hinter dem denkmalgeschützten Haupt-Verwaltungsgebäude, in das die Landmarken AG mit einem Nutzungsmix für Start-Ups und Gründer zieht (u.a. mit Hörsaal, Büros, Labor, Werkstatt, Kita). Das abgerissene Gelände, auf dem die DHL unterkommt, ist aktuell in der Baureifmachung und kann ab 2017 bezogen werden. Harpen/Goldbeck kann in diesem Jahr loslegen, die RUB 2020, dort, wo heute noch das riesige Presswerk steht.

Wo alte Gebäude abgerissen werden, kommen auch Schadstoffe wie Asbest auf. Das ist auch beim Opel-Abriss der Fall. Für die Beseitigung der Schadstoffe, die durch den Autobau entstanden sind, muss Opel aufkommen, für die aus dem Bergbau die Stadt.

„Wir halten uns beim Sanierungsplan genau an die rechtlichen Vorschriften, wie Schadstoffe zurückgebaut werden müssen“, betont Fröhlich. Erst wenn die Gebäude zu 100 Prozent schadstofffrei seien, würde mit dem Abriss begonnen. Die belasteten Materialien werden auf zugelassenen Deponien entsorgt, der Stahl verkauft und der Beton zum Auffüllen des Geländeniveaus genutzt.

Die Geschichte von Mark 51°7 spiegelt auch die Historie der Stadt wieder. Von der landschaftlichen Nutzung über die Zechen zu Opel – Und nun? „Industrie 4.0“, sagt Fröhlich: „Wir setzen darauf, Bochums Stärken zu ergänzen.“ Der Begriff „Wissen“ stehe dabei im Vordergrund, eine weitere Vernetzung mit den Hochschulen sei geplant, Gründer sollen gefördert werden.

Die Planung sieht eine größtmögliche Nutzung des Areals vor, samt Grünflächen und Straßennetz. Die Vermarktung ist bislang gut vorangegangen und soll es weiterhin. Fröhlich verrät: „Solange nichts unterschrieben ist, ist Stillschweigen vereinbart. Aber wir haben viele Interessenten. Mark 51°7 ist kein Ladenhüter.“ Alles, nur das nicht.

 
 

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