Vom Schreibtisch an den Herd

Heute verabschiedet sich Burkhard Rüberg (67) von der Bogestra, Der Finanzvorstand geht in den Ruhestand.
Heute verabschiedet sich Burkhard Rüberg (67) von der Bogestra, Der Finanzvorstand geht in den Ruhestand.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Finanzvorstand Burkhard Rüberg geht nach mehr als 20 Jahren beim Nahverkehrsunternehmen Bogestra in den Ruhestand. In der Amtszeit des gebürtigen Sauerländers wuchsen die Fahrgastzahlen deutlich und schwanden die städtischen Zuschüsse spürbar.

Bochum.. Wenn Burkhard Rüberg am sein 67. Lebensjahr vollendet, wird er sich auch an den Gedanken gewöhnen müssen, Abschied zu nehmen. Für mehr als 20 Jahre stand er als Finanzvorstand an der Spitze der Bogestra. Er kam in schwieriger Zeit, die Zahlen, deren Herr er werden sollte, stimmten nicht. Eine Restrukturierung, ein Umbau stand bevor. An seine ersten Eindrücke erinnert sich der gebürtige Sauerländer noch sehr gut. „Das lief ab wie in einer Behörde.“

Die Pläne, dass es nun nach anderen Maßstäben weiter gehe, stießen längst nicht überall auf Begeisterung. Für viele Beschäftigten bedeutete dieser Umbau des Nahverkehrsunternehmens ebenfalls Abschied zu nehmen von gewohnten Prozessen und Strukturen. „Wir haben damals ganz verrückte Dinge gemacht“, erinnert sich Rüberg. „Es gab den heißen Stuhl, ich habe mich als Vorstand auf diesen Stuhl gesetzt und auf Augenhöhe mit den Beschäftigten diskutiert.“ In einem Schullandheim im Sauerland fanden mehr als 100 solcher Begegnungen statt.

1993 gab es 51 Verbesserungsvorschläge

Rüberg wollte keine von oben verordnete Restrukturierung. Die Mitarbeiter sollten mitgenommen werden. Damals seien die Grundlagen für einen auch heute noch im Unternehmen stattfindenden Dialog gelegt worden.

Mit konkreten Auswirkungen. Gab es 1993 im Jahr ganze 51 Verbesserungsvorschläge im Unternehmen, hatte sich diese Zahl drei Jahre später bereits auf 213 mehr als vervierfacht. Die Fahrgastzahlen kletterten von 91 Millionen (1991) auf 145 Millionen im vergangenen Jahr. Gleichzeitig gelang es auch, die Finanzzuwendungen der Kommunen von damals 71,8 Millionen Euro auf heute 59,5 Millionen Euro deutlich zu drücken.

Rüberg sieht Bogestra auf gutem Weg

In die Amtszeit von Burkhard Rüberg fällt auch die erste Erweiterung des Bogestra-Schienennetzes seit mehr als 40 Jahren. Die Verlängerung der Straßenbahnlinie 310 in Langendreer wird im Unternehmen als ein wichtiger Entwicklungsschritt, ja ein Meilenstein, angesehen. Mitarbeiterbefragungen ergaben eine Zufriedenheit von mehr als 80 Prozent.

Der scheidende Finanzvorstand sieht die Bogestra heute auf einem guten Weg. Dem Unternehmen mit seinen rund 2200 Mitarbeitern sei es etwa gelungen, 115 Kundenbetreuer über ein Projekt mit ehemaligen Langzeitarbeitslosen zu gewinnen. 50 ehemals Arbeitslose konnten zu Fahrern umgeschult werden. Heute seien 100 Prozent der Busse bereits niederflurtauglich. bei den Bahnen rund die Hälfte.

Der gelernte Rechtsanwalt aus dem sauerländischen Menden ist verheiratet und ist Vater dreier Kinder. Neben seinen sportlichen Hobbys Joggen, Schwimmen und Radfahren ist er begeisterter Hobbykoch – und genau dafür hat er bald Zeit satt.

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