Viel Neues im kleinen Theater Rottstraße 5

Sven Westernströer
Stolz wie Oskar ist das Leitungsteam im Theater Rottstraße 5 auf die neue Zuschauertribüne, die endlich von allen Sitzen beste Sicht verspricht: (v.l.) Oliver Paolo Thomas und Hans Dreher sowie Simon Krämer (hinten).
Stolz wie Oskar ist das Leitungsteam im Theater Rottstraße 5 auf die neue Zuschauertribüne, die endlich von allen Sitzen beste Sicht verspricht: (v.l.) Oliver Paolo Thomas und Hans Dreher sowie Simon Krämer (hinten).
Foto: FUNKE Foto Services
Auf der Hinterhof-Bühne wird richtig spannendes Theater gemacht. Pläne für neue Spielzeit klingen vielversprechend: von Thomas Mann bis Kleist.

Bochum.  Theater, das zupackt: Dafür steht die Off-Bühne an der Rottstraße 5. Nicht selten werden hier klassische Theaterstoffe beherzt gegen den Strich gebürstet oder wagemutige Adaptionen bekannter Filme auf die Bühne gebracht.

Auch wenn nicht jedes Experiment glückt: An der Rottstraße sind Theatermacher mit Herz am Werk, die im Schatten des großen Schauspielhauses eigene, unkonventionelle Wege gehen. Auch zahlreiche Mitglieder des Theater-Ensembles haben die Rottstraße längst als eigene Spielwiese entdeckt, auf der etwas ausprobiert und gewagt werden kann.

Wer noch nie einen Theaterabend an der Rottstraße gesehen hat: In den Ferien wäre Zeit dafür, denn als einziges Theater in der Stadt gibt es hier keine Sommerpause. „Wir spielen durch, das ist unser Prinzip“, sagt Theaterleiter Hans Dreher. Die nächste Premiere steht am Freitag (8. Juli) an: Dann bringt Dreher eine Fassung von Thomas Manns „Der Tod in Venedig“ auf die Bühne.

Riesige Resonanz auf „American Psycho“

Ein aufregendes Jahr liegt hinter den Theatermachern. Besonders eine Inszenierung stach heraus: „American Psycho“ nach dem Roman von Bret Easton Ellis stieß auf riesige Resonanz. „Das war der beste Abend, den wir je gemacht haben“, findet Oliver Paolo Thomas, der das Theater gemeinsam mit Hans Dreher leitet. „Mit super fantasievollen Mitteln eine ergreifende Geschichte zu erzählen, liegt wohl in unserer DNA.“ Auch „Fight Club“ sorgt regelmäßig für ein ausverkauftes Haus.

Schwieriger läuft „Krieg“ nach Texten von Rainald Goetz. „Da sind wir froh, wenn am Abend 15 Zuschauer kommen“, seufzt Hans Dreher. „Das bricht mir immer das Herz, doch wir werden das weiter spielen. Denn uns liegt viel daran.“

Jugendclub spielt „Uhrwerk Orange“

Die Pläne für die kommende Spielzeit versprechen aufregende Abende an der Rottstraße. Mit dem Jugendclub „Young’n’rotten“ (17 bis 25 Jahre) probt Maximilian Strestik gerade eine Aufführung von „Uhrwerk Orange“ (Premiere: 12./13. August). Weil so viele junge Leute mitmachen wollen, wird es zwei Besetzungen geben.

Als Weihnachtsstück gibt’s den „Kleinen Vampir“ ab November. Michael Lippold richtet das Zwei-Personen-Stück „Schutt“ von Dennis Kelly ein. Danach gibt die Schauspielerin Therese Dörr ihr Regiedebüt: Sie inszeniert „Michael Kohlhaas“ von Kleist. Anfang 2017 soll Heiner Müllers „Philoktet“ Premiere feiern.

Neue Zuschauertribüne sorgt endlich für freie Sicht

Besonders stolz sind die Theatermacher auf die neue Zuschauertribüne, die dank einer Förderung des Landes NRW angeschafft werden konnte. Endlich gibt’s von überall freie Sicht. Zu einem Gastspiel lädt Rolf Dennemann, Urgestein der freien Szene, am 2./3. Juli, 18.30 Uhr, ein. Zu sehen ist das Tanzstück „Die Messe“. Karten: 13, erm. 7 Euro. Info: www.rottstr5.de