Videoabend in der Galerie Januar in Bochum

Jürgen Boebers-Süßmann
Eine Szene aus dem Video „Drain“ von Bettina Hoffmann.
Eine Szene aus dem Video „Drain“ von Bettina Hoffmann.
Foto: Galerie Januar
Präsentiert werden aktuelle Arbeiten von zehn internationalen Künstlerinnen und Künstlern.

Bochum. Die Förderung junger Kunst hat sich der Kunstverein Galerie Januar auf die Fahnen geschrieben, und ein Wesensmerkmal der kleinen Galerie in Langendreer ist es, diesen „Kunstbegriff“ auf die verschiedensten Sparten zu beziehen. So gehören nicht nur Ausstellungen mit Bildern und/oder Installationen zum „Januar“-Programm, sondern auch ein jährlicher Video-Abend. Am Samstag (24.10.) ist es wieder soweit.

Neue Blickwinkel einnehmen

Gezeigt werden Video- und Filmarbeiten von zehn internationalen Akteuren, Sergio Belinchón, Wojtek Doroszuk, Florian Egermann, Constantin Felker, Bettina Hoffmann, Matthias Meyer, der Gruppe Neozoon, Kristina Paustian, Sophia + Robert und Lisa Weber. „Die Beiträge reichen von schon etablierten Künstlerinnen und Künstlern bis hin zu jungen Kunststudent/-innen“, so Claudia Rinke von der Galerie Januar.

Videokunst wohnt eine eigene Ästhetik inne. Sie ist oft überrumpelnd und irritierend, manchmal witzig, aber immer von einem Anspruch beseelt: das „Sehen“ neu zu lernen, veränderte Positionen und Blickwinkel einzunehmen, mit den Mitteln der Kunst hinter die Wirklichkeit zu blicken, um sie – vielleicht – besser zu verstehen.

So zeigt Bettina Hoffmanns (*1964) Video „Drain“ drei Frauen, die sich an den Händen fassen, schubsen und versuchen, sich gegenseitig zu Boden zu drücken. Das Ganze ist von unten aufgenommen und wirkt durch die Wiedergabe in Zeitlupe wie eine verlangsamte Choreographie aus tänzerischen, aber auch aggressiven Gesten.

Mit Aha-Effekt

Das Künstlerkollektiv Neozoon (Berlin/Paris) rückt in seinen Arbeiten die oftmals skurrile Beziehung von Menschen zu ihren Tieren in den Fokus. Dabei verwenden die Künstler Filmmaterial, das von Leuten auf der ganzen Welt ins Internet gestellt wird (z.B. auf Youtube). Der dreiminütige Kurzweil „My BBY 8L3W“ etwa wirkt skurril, aber er veranschaulicht zum einen, wie wir unsere Haustiere vermenschlichen.

Und zum andren, wie bestimmte Muster und Darstellungsformen im Internet von -zigtausenden Menschen rezipiert werden. Was bleibt, ist oft ein bitterer Beigeschmack und die Frage: „Kann das wirklich so (richtig) sein?“ Ein Aha-Effekt für den Betrachter.