VfL-Bochum-Fans empfangen Team mit Pyro nach Leipzig-Boykott

Fans des VfL Bochum bereiteten ihrer Mannschaft in Bochum einen heißen Empfang mit bengalischem Feuer. Zuvor hatten sie das Spiel gegen RB boykottiert.

Bochum/Leipzig. Dutzende Fans des VfL Bochum, die das Auswärtsspiel ihrer Mannschaft in Leipzig boykottiert hatten, haben ihr Team am Samstagabend lautstark und mit bengalischen Fackeln am Ruhrstadion in Empfang genommen. Die organisierte Fanszene demonstrierte damit deutlich, dass ihr Auswärtsboykott nicht ihrem Team, sondern dem System RB Leipzig galt. Die Ultras des VfL hatten bereits in der Vorsaison aus Protest die Reise nach Sachsen nicht angetreten.

Fußballvereine, wie RB Leipzig, die hauptsächlich von einem großen Unternehmen finanziert werden, stoßen in der deutschen Fanszene auf deutliche Ablehnung. Ihr Etat ist meist deutlich höher, als der von vergleichbar erfolgreichen Mannschaften, während die Stimmung in ihren Stadien meist ungleich schwächer ist. In der deutschen Fanszene werden solche Clubs daher auch oft nur abwertend als "Retortenclubs" bezeichnet.

VfL-Bochum-Fans protestieren gegen Kommerzialisierung

Das überdurchschnittlich hohe finanzielle Engagement einiger Unternehmen, wie das des Energydrink-Herstellers bei Leipzig empfinden viele Fußballfans als Wettbewerbsverzerrung. Außerdem sehen sie die international oft gelobte deutsche Fankultur in Gefahr, wenn der Einfluss großer Konzerne in den Clubs weiter steigt.

Der Protest der VfL Fans wird die weiter voranschreitende Kommerzialisierung des Fußballs sicher nicht stoppen und weder Verein noch Konzern in Leipzig beeindrucken. Einen solchen heißen Empfang durch die eigenen Fans, wie in Bochum - zumal der VfL zuvor deutlich verloren hat - wird man aber bei RB Leipzig wohl auch nicht erleben.

Auszüge aus der Erklärung der Ultras Bochum zum RB-Boykott

Glück auf VfLer,
Wie schon in der vorangegangenen Saison werden wir auch diesmal das Auswärtsspiel bei den Dosen boykottieren. Wir halten diese Praxis für die einzig konsequente, hatten wir doch unsere Gründe dafür bereits vor etwa anderthalb Jahren umfangreich geschildert. An diesen hat sich in der Zwischenzeit nichts geändert, sodass wir im Groben auf unsere – leicht überarbeitete – Stellungnahme von 2014 verweisen.

Diese ist ein wenig umfangreicher als üblich, doch wir wollen das Thema nicht mit den üblichen Phrasen abspeisen, sondern denken, dass eine differenzierte Betrachtung des Konstrukts RBL unabdingbar für das Ziehen vernünftiger praktischer Konsequenzen ist.
Fangen wir also einmal ganz vorne an und beleuchten das Konstrukt rund um RB mal etwas genauer. Red Bull ist als Marke eine der wohl bekanntesten auf der ganzen Welt. Werbeengagements in fast jeder Sportart machten die Firma aus Österreich über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Bei einem so breiten Marketingkonzept im Sport darf natürlich der Volkssport Nummer 1 nicht fehlen. Der erste, und mit Sicherheit vor Leipzig der bekannteste, Coup der roten Bullen war die Übernahme des österreichischen Traditionsvereins Austria Salzburg am 6. April 2005. Auch eine gewaltige Protestwelle seitens der Fans konnte damals das Vorhaben nicht aufhalten. Vereinsname,Vereinsfarbe,Stadionname und vieles mehr fielen dem Marketingkonzept zum Opfer. Neben dem Engagement in Österreich gründete Red Bull auch in Ghana, Brasilien oder den USA hauseigene Mannschaften, die den Charakter sogenannter „Farmteams“ haben.

Im Jahre 2009 wagte der Konzern dann den Sprung nach Deutschland. Damit wollte man endlich in einer der renommiertesten Fußballligen der Welt Fuß fassen. Dem zuvor ging ein erster Versuch im Jahre 2006, bei dem RB versuchte, den FC Sachsen Leipzig zu übernehmen. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch an Fanprotesten aus der Leutzscher Anhängerschaft. Aus diesen Fehlern gelernt, suchte man sich für seinen zweiten Versuch einen kleineren Verein in der Oberliga, um diesmal den Gegenwind deutlich geringer zu halten. Mit dem SSV Markranstädt, einem Verein aus der Leipziger Vorstadt, war ein idealer Verein gefunden.

So werden fortan auch die Profiligen von Red Bull nicht zuletzt durch eine wettbewerbsverzerrende Transferpolitik aufgemischt.

Wir sind nicht so blind und möchten an dieser Stelle Schwarz-Weiß Malerei bezüglich der tollen, ehrlichen Traditionsvereinen auf der einen und dem bösen, bösen Kommerzverein RBL auf der anderen Seite betreiben. Uns ist durchaus bewusst, dass Fußballvereine in ihrer profitorientierten Ausrichtung im kapitalistischen Kontext ebenso Konzerne sind wie Microsoft und Co. Es handelt sich hierbei also nicht um eine Kritik im systematischen Sinne. Wir sind uns im Klaren darüber, dass Red Bull der selben Logik folgt wie es andere Fußballvereine tun. Wer sich jedoch auf die Fahne schreibt, „gegen den modernen Fußball“ einzustehen, der muss diesen Slogan auch mit Leben füllen. Dies tun wir, indem wir im Hinblick auf das Tolerieren von Auswüchsen dieses vielzitierten „modernen Fußballs“ – was auch immer man von diesem auch zweifelhaften Ausdruck halten mag – eine rote Linie ziehen. Diese überschreitet das Leipziger Konstrukt.

 
 

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