Vertrag regelt die Elternmitarbeit an Bochumer Schule

Arbeitsplatz Bücherei. Andrea Köhler (l.) und Annette Weigelt sorgen für einen geregelten Ablauf. Stefan Osthoff freut die Elternmitarbeit.
Arbeitsplatz Bücherei. Andrea Köhler (l.) und Annette Weigelt sorgen für einen geregelten Ablauf. Stefan Osthoff freut die Elternmitarbeit.
Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services
An der Matthias-Claudius-Schule funktioniert der Dreiklang aus Schülern, Eltern und Lehrern. Väter und Mütter „müssen“ aktiv mitmachen.

Bochum.. Schüler, Eltern, Lehrer. Ein harmonischer Dreiklang ist das nicht immer. An der Matthias-Claudius-Gesamtschule haben sie dazu eine eigene Partitur entwickelt. „Wir verstehen uns als eine Schüler/innen-Lehrer/innen-Eltern-Schule“, sagt Stefan Osthoff, der didaktische Leiter der Schule. „Wir wissen, dass wir unser Profil einer ganzheitlichen und nachhaltigen Schulbildung nur gemeinsam erreichen können. Zusammenarbeit endet an unserer Schule nicht bei dem regelmäßigen Besuch einer Klassenpflegschaftssitzung oder eines Elternsprechtages.“

Diese grundsätzliche Idee gibt es anderen Schulen auch. An der Matthias-Claudius-Gesamtschule aber wird sie anders mit Leben gefüllt, entsteht durch einen Schulvertrag eine deutlich andere Verbindlichkeit. „Wenn die Kinder bei uns angemeldet werden, unterschreiben die Eltern auch diesen Vertrag. Sie wissen von vorneherein, worauf sie sich einlassen“, sagt Osthoff. „Sie verpflichten sich zur Mitarbeit. Und damit nicht die einen Eltern ganz viel und die anderen gar nichts machen, haben wir zudem einen Selbsteinschätzungsbogen. In den tragen die Eltern ein, was sie gemacht haben. So gewinnen wir einen Überblick darüber, welche Eltern wo und wie aktiv sind. Und wenn jemand keine Zeit hat, um aktiv zu helfen, kann er uns auch mit einer Geldspende unterstützen.“ Dadurch finanziert die Schule zum Beispiel zwei geringfügig Beschäftigte.

„Man trifft sich nicht erst, wenn es größere Probleme gibt“

Andrea Köhler (50) und Annette Weigelt (46) spenden Arbeitszeit. Sie können in diesen Bogen schon seit vielen Jahren „Mithilfe in der Bücherei“ eintragen. Die Gesamtschule hält dort für die Schülerinnen und Schüler „und die Eltern“, sagt Weigelt, 7500 Bände bereit. Weigelt hilft bereits seit zehn Jahren in der Bücherei. „Bevor ich angefangen habe, habe ich aber meine Kinder gefragt, ob das in Ordnung ist, dass ich regelmäßig an der Schule bin. Wir haben uns die Schule ja ausgesucht. Mir war schon wichtig, dass ich das Schulleben mitgestalten kann.“ An maximal drei Tagen in der Woche hilft sie den Schülerinnen und Schülern bei der Materialsuche. Darüber hinaus ist dann auch durchaus Zeit, sich mal kurz mit einem Lehrer auszutauschen. „Man trifft sich nicht erst, wenn es größere Probleme gibt“, sagt Osthoff.

Arbeit gibt es an der Schule genug. In der Bücherei teilen sich 50 Väter und Mütter die Arbeit, die täglich von 9 bis 15.30 Uhr anfällt. In der Mensa sind es sogar zwischen 60 und 70 aktive Väter und Mütter. „Für die Verköstigung der Schüler in einer Pause braucht man an die zehn Menschen“, sagt Osthoff. „Wir brauchen da natürlich die Überzeugungstäter, die verbindlich da sind. Aber genauso sind wir bisweilen kurzfristig auf Hilfe angewiesen. Oder bei bestimmten Arbeitsgemeinschaften. Nähen ist zum Beispiel gerade wieder besonders gefragt bei den Schülerinnen. Da sind wir dann froh, wenn Mütter oder Väter das vermitteln können.“

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