Verhandlungen bei Johnson Controls stocken

Andreas Rorowski
Im März hatte es eine Solidaritätskundgebung bei Johnson Controls gegeben. Am Freitag sitzen Arbeitgeber und Betriebsrat wieder an einem Tisch.
Im März hatte es eine Solidaritätskundgebung bei Johnson Controls gegeben. Am Freitag sitzen Arbeitgeber und Betriebsrat wieder an einem Tisch.
Foto: WAZ
Der Betriebsrat des Automobilzulieferers Johnson Controls in Bochum will Kündigungen verhindern. Bis zu 170 Beschäftigte sollen gehen. Die Verhandlungen über einen Interessenausgleich gerieten am Dienstag ins Stocken.

Bochum. Etwa 200 Mitarbeiter der Frühschicht haben am Dienstag beim Automobilzulieferer Johnson Controls in Wiemelhausen ihren Unmut über die laufenden Verhandlungen im Rahmen des Interessenausgleichs geäußert. Sie fordern von der Werksleitung ein ernsthaftes Bemühen um neue Aufträge und so die Sicherung des Standorts, den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen sowie akzeptable Bedingungen für das Ausscheidungsprogramm, wie es in einem Flugblatt heißt. Und: „Wir sind der Auffassung, dass ein Personalabbau auch durch freiwilliges Ausscheiden möglich ist.“

Die für gestern angesetzte dritte Verhandlungsrunde ließ die Geschäftsführung platzen, sie sprach nach Auskunft des Betriebsratsvorsitzenden Dietmar Kupfer von einer „vergifteten Atmosphäre“. Die Gespräche sollen jetzt am Freitag wieder aufzunehmen.

Angebotene Abfindungsformel nicht akzeptabel

Nicht akzeptabel ist aus Sicht von Betriebsrat und Belegschaft die angebotene Abfindungsformel, nach der die Jahre der Betriebsangehörigkeit multipliziert werden soll mit dem Bruttomonatslohn (durchschnittlich 2233 Euro) und dem Faktor 0,8. Bei einer zehnjähriger Betriebszugehörigkeit ergäbe sich eine Abfindungszahlung von brutto 18 000 Euro, von der je nach Steuerklasse noch 30 bis 50 Prozent abzuziehen wären. Zu wenig, sagt der Betriebsrat. Zumal es die ungelernten Monteure und auch die Facharbeiter nach langer Firmenzugehörigkeit schwer auf dem Arbeitsmarkt haben würden. Das Durchschnittsalter der Belegschaft liegt bei 43 Jahren.

Die Gespräche zum Interessenausgleich waren aufgenommen worden, nachdem die Bochumer Tochter des weltweit tätigen Konzerns angekündigt hatte, sich zum Ende des Jahres von bis zu 220 seiner derzeit 567 Mitarbeiter trennen zu wollen. Begründet wurde dies mit dem Auslaufen der Zafira-Produktion bei Opel in Bochum. Zwei der drei Schichten produzieren für Opel, die dritte Schicht stellt Sitze für das Ford-Modell Fiesta her. Das indes läuft 2016 aus. Es gebe Gerüchte, so Kupfer, dass Ford die Produktion dann selbst übernehme wolle.