Verdi protestiert mit „Sklavenmarkt“ in Bochum gegen Niedriglöhne

Michael Weeke
Der moderne „Sklavenmarkt“ der Verdi war Bestandteil eines gewerkschaftlichen Aktionstages für „gleiche Arbeit, gleiches Geld“.  Foto: Karl Gatzmanga
Der moderne „Sklavenmarkt“ der Verdi war Bestandteil eines gewerkschaftlichen Aktionstages für „gleiche Arbeit, gleiches Geld“. Foto: Karl Gatzmanga
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Gegen die Auswüchse des Niedriglohnsektors protestierte die Gewerkschaft Verdi am Donnerstag mit einem modernen „Sklavenmarkt“. Dieser war Bestandteil eines gewerkschaftlichen Aktionstages für „gleiche Arbeit, gleiches Geld“.

Bochum. Mit einem modernen „Sklavenmarkt“, nebst Käfig, Kette und acht garantiert günstigen Arbeitskräften demonstrierte die Gewerkschaft Verdi Donnerstag gegen die Auswüchse des Niedriglohnsektors.

Der „Sklavenmarkt“ am Hauptbahnhof war Bestandteil des Aktionstags, bei dem die Gewerkschaften für „gleiche Arbeit, gleiches Geld“ warben. Eine Studie des DGB auf Basis von Arbeitsmarktdaten hatte ergeben, dass die prekäre Beschäftigung in Bochum kontinuierlich angestiegen sei. Demnach gab es 2003 noch 127 794 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Diese Zahl ging bis 2009 auf 120 820 Beschäftigte zurück. Gleichzeitig stieg nach Angaben von Verdi die Zahl der Männer und Frauen im Niedriglohnbereich.

Arbeitgeber verteidigen Einsatz von Zeitarbeit

An den Veranstaltungen des Aktionstages beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben einige hundert Menschen. Insbesondere kam es vor den Werkstoren dreier Bochumer Unternehmen zu Info-Veranstaltungen. Die IG Metall hatte bei der Bochumer Eisenhütte Heintzmann, Doncasters und dem Autozulieferer Johnson Controls an der Hüttenstraße Aktionen und Kundgebungen organisiert.

Der in Bochum beheimatete Arbeitgeberverband der Eisen- und Metallindustrie, der rund 100 meist mittelständische Firmen mit 20 000 Beschäftigten und knapp 900 Auszubildenden aus dem mittleren Ruhrgebiet vertritt, verteidigt das System der Zeitarbeit. Geschäftsführer Dirk W. Erlhöfer empfindet das „massive Vorgehen der IG Metall nicht nachvollziehbar“. Vielmehr habe Zeitarbeit nicht nur zur schnelleren Bewältigung der Wirtschaftskrise, sondern auch zur Integration von Arbeitslosen und Geringqualifizierten beigetragen. „Zwei Drittel aller Zeitarbeitnehmer waren vor Eintritt in das Beschäftigungsverhältnis arbeitslos“, so Erlhöfer.

„Keine Stammbelegschaften verdrängt“

Zudem sieht der Arbeitgeberverband die Bedeutung von Zeitarbeit in den Unternehmen als weitaus geringer an, als von Gewerkschaftsseite dargestellt. Gerade 3,4 % der Arbeitnehmer seien in solchen Verhältnissen beschäftigt. Es könne keine Rede davon sein, dass Stammbelegschaften verdrängt würden.

Beifall erhielt der DGB von den Linken: „Unternehmen haben keine zusätzlichen Arbeitsplätze geschaffen, sondern sich der billigeren und flexibel einsetzbaren Leiharbeit bedient“, so Kreisverbands-Vorstand Amid Rabieh.