Umweltschützer bekämpfen die bedrohlichen Herkulesstauden

Das Bild zeigt Bettina Fischer (blond, 21) und Elsa Brozynski (24) beim Roden von Herkulesstauden am Dienstag, dem 02.08.2016 an einem Feldrand im Bochumer Süden.
Das Bild zeigt Bettina Fischer (blond, 21) und Elsa Brozynski (24) beim Roden von Herkulesstauden am Dienstag, dem 02.08.2016 an einem Feldrand im Bochumer Süden.
Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services
  • Zwei Studentinnen kämpfen gegen die Herkulesstaude, auch Riesen-Bärenklau genannt
  • Die aus dem Kaukasus eingeschleppte Pflanze stört das ökologische Gleichgewicht
  • Der Arbeitskreis Umweltschutz Bochum sucht noch weitere Helfer in dieser Sache

Bochum.. Die Herkules-Staude ist fast doppelt so groß wie Bettina Fischer: Um fast vier Meter erhebt sich der faustdicke Stiel der Pflanze aus dem zugewucherten Boden in die Höhe. Ganz oben, in den Dolden, sitzen die Samen der Pflanze. In ihrem Schatten steht die Studentin, in Regenjacke und Gummistiefeln, in der Hand eine Machete – und macht kurzen Prozess mit dem ungeliebten Gewächs.

Aber nicht, ohne vorher Plastikfolie auf dem Boden auszubreiten. Sonst würden die Samen in die Erde gelangen, und die ganze Aktion wäre umsonst. Schließlich geht es darum, der Herkules-Staude, auch Riesen-Bärenklau genannt, den Garaus zu machen – die aus dem Kaukasus eingeschleppte Pflanze bringt nämlich das hiesige Öko-System gehörig durcheinander.

Naturschützer Ingo Franke erklärt wieso: „Raupen erkennen die Staude nicht als Nahrung – so breitet sie sich sehr schnell aus und heimische Pflanzen finden keinen Platz mehr.“ Dies wiederum hat zur Folge, dass die Raupen gar keine Nahrung mehr finden, die sie als solche erkennen können – und wenn die Raupen zurückgehen, finden auch die Vögel keine Nahrung mehr. Auch wenn Bienen den Nektar der Herkulesstaude durchaus lecker finden – da die nur einen Monat blüht, aber das ganze Jahr den anderen Pflanzen den Platz wegnimmt, wird es auch für die Honigsammler irgendwann eng.

„Das hier macht einfach Spaß“

Deshalb fährt der Naturschützer, gemeinsam mit den Studentinnen Bettina Fischer und Elsa Brozynski, an den Stadtrand von Bochum, zu abgelegenen Feldern und Bachläufen, um die sogenannten „invasiven Neophyten“ zu bekämpfen. Und das macht er schon seit einigen Jahren: „Der Bestand an Herkulesstauden ist schon stark zurückgegangen und auch das indische Springkraut haben wir bis auf wenige Einzelpflanzen zurückgedrängt“, erzählt er.

Die Staudenkolonie im Süden Bochums, durch die sich Bettina Fischer gerade mit ihrer Machete kämpft, ist nun auch Geschichte. Der jungen Frau macht die Arbeit sichtlich Spaß: „Ich wollte immer schon beim Umweltschutz mit anpacken. Und das hier macht einfach Spaß. Außerdem sieht man direkt, was man geschaffen hat.“ Auch, wenn sie bei ihrer Staudenrodung gut aufpassen muss, dass nichts vom Pflanzensaft an ihre Haut kommt. „Der macht richtig fiese Brandblasen“, weiß sie aus Erfahrung. Gefährlich ist das nicht, aber alles andere als angenehm.

Phänomen gibt es auch bei Tieren

Dieses Mal geht aber alles gut: Die letzten Stauden sind gerodet, Platz wird frei für heimische Pflanzen und die Haut der fleißigen Naturschützer bleibt unversehrt. Als nächstes wollen sie gegen das indische Springkraut vorgehen. Genau wie die Herkulesstaude ist auch dieses Gewächs eine Bedrohung für heimische Arten. Der Arbeitskreis Umweltschutz Bochum sucht für die Aktion noch floral begeisterte, fleißige Helfer. Wer Lust hat auf diese etwas andere Gartenarbeit, kann sich per Mail anmelden an info@aku-bochum.de.

Neophyten sind Pflanzen, die durch Handel, botanische Gärten oder auf andere Weise von ihrer ursprünglichen Heimat nach Deutschland eingeschleppt wurden. Manche passen sich gut an, andere sind eine Gefahr fürs hiesige Öko-System, die sogenannten invasiven Neophyten. Das Phänomen gibt es auch bei Tieren, die nennt man dann Neozoen. In Südostasien sind es beispielsweise europäische Tiere wie Katzen, die dort das ökologische System aus dem Gleichgewicht bringen.

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