Ulla Meinecke kehrt nach 28 Jahren in die Zeche zurück

Sängerin Ulla Meinecke (Mitte) traf sich mit WAZ-Lesern vor ihrem Auftritt in der Bochumer Zeche.
Sängerin Ulla Meinecke (Mitte) traf sich mit WAZ-Lesern vor ihrem Auftritt in der Bochumer Zeche.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Zurück nach 28 Jahren: Ulla Meinecke stand am Samstagabend auf der Bühne der Bochumer Zeche. Hier hatte sie 1985 ein Rockpalast-Konzert gespielt, das jetzt als DVD erschienen ist. Vier WAZ-Leser konnten Ulla Meinecke vor ihrem Auftritt treffen.

Bochum.. An den Auftritt in der Zeche 1985 kann sie sich gut erinnern. Nicht nur wegen der „damals noch riesigen“ WDR-Kameras. Sondern vor allem wegen des ebenso massigen Ordners, der an der Absperrung direkt vor der Bühne postiert war. „Unglaublich: Wir legen los – und der Typ liest seelenruhig in einem Comic“, lacht Ulla Meinecke und mit ihr vier WAZ-Gewinner.

28 Jahre nach ihrem „Rockpalast“-Gastspiel kehrte Ulla Meinecke am Samstagabend in die Zeche zurück. Ihr Konzert von einst ist jüngst als DVD („Live at Rockpalast“, Kultur Spiegel Edition) erschienen. Anlass für die WAZ, ein Treffen der 60-jährigen Sängerin, Schauspielerin und Autorin mit ihren alten Fans zu organisieren. Sabine Kokoreff (52, begleitet von ihrem Mann Eduard) und Hans-Gerd Delbrüger (55, begleitet von Ehefrau Birgit) hatten Glück: Bei der WAZ-Verlosung gewannen sie neben Konzertkarten ein „Meet & Greet“ mit Ulla Meinecke.

"Weil ich über keine Roten Teppiche krieche"

Mit Kapitänsmütze empfängt die Berlinerin die WAZ-Gruppe im noch geschlossenen Biergarten der Zeche. Entspannt. Hanseatisch höflich. Erinnerungen werden wach an jene 80er Jahre, in der Ulla Meinecke fester Bestandteil der noch wenig ausgeprägten deutschsprachigen Musikszene war. Mit ihren Alben „Wenn schon nicht für immer, dann wenigstens für ewig“ und „Der Stolz italienischer Frauen“ sowie Hits wie „Die Tänzerin“ avancierte die Sängerin und Texterin damals zu den erfolgreichsten deutschen Künstlerinnen.

Warum es so still um sie geworden sei, fragen die WAZ-Leser. „Weil ich keinen Bock mehr auf die Plattenindustrie und den ganzen Business-Kram habe. Ich habe keinen Manager mehr, regele meine Dinge allein“, antwortet Ulla Meinecke. „Und vielleicht auch, weil ich über keine Roten Teppiche krieche oder nicht in den ,Bunten’ und ,Galas’ dieser Welt zu finden bin.“ Sie wolle „heute keine Sachen machen, über die ich schon mit 25 gekotzt habe“. Die WAZ-Leser spüren: Diese Frau ist sich treu geblieben.

Nichts an Können und Charisma verloren

Beim Stichwort „Ideale“ ist es ein kurzer Sprung zurück in friedensbewegte Zeiten. Hans-Gerd Delbrüger („Ich krieg’ noch immer Gänsehaut, wenn ich die Dias sehe“) und Sabine Kokoreff („Ich stand mittendrin und sah nur noch Menschen, Menschen, Menschen“) erzählen mit leuchtenden Augen vom Festival „Künstler für den Frieden“, das am 11. September (!) 1982 über 200.000 Menschen in und vor das Ruhrstadion lockte. Damals neben Harry Belafonte, Joseph Beuys, Miriam Makeba und Lindenberg (auf dem Kirmesplatz) dabei: Ulla Meinecke.

Zwei Stunden später beweist die Rockpoetin vor knapp 300 Fans in der Zeche, dass sie nichts an Können und Charisma verloren hat.

Über einen comiclesenden Ordner muss sie sich diesmal nicht ärgern.

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