Thyssen-Betriebsrat wünscht sich mehr Investitionen

Das Bochumer Warmbandwerk von Thyssen Krupp Stahl an der Essener Straße gehört zu den modernsten Anlagen dieser Art in Europa.
Das Bochumer Warmbandwerk von Thyssen Krupp Stahl an der Essener Straße gehört zu den modernsten Anlagen dieser Art in Europa.
Foto: Gero Helm
  • Der Thyssen-Betriebsrat sieht nach Betriebsversammlungen wenig neue Informationen zur Zukunft
  • Rund 2600 Menschen arbeiten nach wie vor in den beiden Thyssen-Krupp-Werken in Bochum
  • Weitere Sitzungen der Arbeitsgruppen finden noch in diesem Jahr statt

Bochum. Enttäuscht zeigt sich der Betriebsratschef des Thyssen-Krupp-Werks an der Essener Straße, Harald Pfennig, über die Informationen auf zwei Betriebsversammlungen in dieser Woche in Duisburg. „Es war klar, dass da nichts bei rauskommt“, sagte der Gewerkschafter, der im Aufsichtsrat des Stahlkonzerns sitzt.

Mit jeweils Hunderten Stahlarbeitern hatte sich der Stahl-Standort Bochum – nach Duisburg immerhin der zweitgrößte innerhalb des Konzerns – an den beiden großen Stahlaktionstagen beteiligt. Getrieben auch von der Angst um Arbeitsplätze. Immerhin gut 2600 Menschen arbeiten in den beiden TKS-Werken an der Essener und Castroper Straße.

Bochumer Werk produzierte weniger Warmbandtonnagen

Die Anpassungen des Weltstahlmarktes schlagen bis zu den einzelnen Standorten durch. Die durchschnittliche monatlich in Bochum gewalzte Warmbandtonnage im zurückliegenden Geschäftsjahr, lag bei 175 000 Tonnen. Dabei gab es nach WAZ-Informationen eine Vorgabe zwischen 190 000 und 205 000 Monatstonnen. Grund für die weitere Reduzierung seien jedoch vor allem technische Schwierigkeiten, nicht zuletzt der Brand in der Warmbandstraße gewesen. Im Mai war es dort in einer Schaltanlage zu einem Kurzschluss gekommen. Dies hatte die Produktion beeinträchtigt. Zu größeren Schäden kam es glücklicherweise nicht.

Die derzeitige Hängepartie vor der geplanten Umstrukturierung des Stahlkonzerns zermürbt nicht nur die Beschäftigten. Die Anlagen der Schwerindustrie bedürfen einer regelmäßigen Erneuerung, um die entsprechenden Stahlqualitäten überhaupt verarbeiten und liefern zu können. Ein Investitionsstau sei entstanden, betroffen sind offenbar alle deutschen Werke.

Beispiel Bochum: Seit Monaten liegen dem Vorstand Wünsche für dringend notwendige Erneuerungen im Bereich der Weiterverarbeitung von Grobblechen vor. Es soll sich um eine Investitionssumme im zweistelligen Millionen-Bereich handeln. Dies sei unbedingt nötig, denn immerhin habe das Aggregat bereits 40 Jahre auf dem Buckel. Entschieden sei über diese Maßnahme noch nicht. Das weiß natürlich auch die Belegschaft, die daraus ihre eigenen Schlüsse zieht.

Zu wenig Investition in das Bochumer Werk?

Allerdings gibt es an anderer Stalle konkrete Investitionen in die Anlagen des Standorts: Im Warmbandwerk werde im Bereich der Hubbalkenöfen, an der Haspelanlage oder auch in eine modernere Automationstechnik investiert, um die Effizienz der Anlage zu steigern. Darüber hinaus werde im Warmbandwerk eine neue Fertigungstechnologie entwickelt, was ebenfalls mit Investitionen verbunden sei..

Die Arbeitsgruppen, die im Vorfeld der von der Konzernspitze gewollten Neuaufstellung der Stahlsparte tagen, treffen sich regelmäßig. Die nächste sogenannte „Task-Force“-Sitzung ist für den 24. Oktober anberaumt. An diesen Sitzungen nehmen die Betriebsratsvorsitzenden teil. Harald Pfennig, der zu Einzelheiten dieser Verhandlungen nichts sagen darf, beobachtet eine in den letzten Monaten zunehmende Tendenz, bei sinkendem Auftragsvolumen Tonnage vom Bochumer Werk abzuziehen. „Die Maßgabe ist stets, die Duisburger Anlagen voll auszulasten.“

Nachteile des Bochumer Werks im Vergleich mit Duisburg

Die Nachteile des Bochumer Werks lägen auf der Hand. Während Hochöfen und Stahlwerke in Duisburg nur einen Steinwurf von den Walzwerken entfernt liegen, müssen die Brammen stets aufwendig nach Bochum transportiert werden. Wie es hieß, seien dies aber rein produktionstechnische Gründe. In Duisburg stelle der Konzern selbst Energie her, während sie etwa in Bochum zugekauft werden müsse. Bestimmte Stahlgüten könnten aber allein in Bochum gewalzt werden, was ein Alleinstellungsmerkmal des Werks sei.

 
 

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