Thyssen-Betriebsrat trotz Widerstand für Deponie Marbach

Thyssen Krupp Nirosta produziert bis zu 70.000 Tonnen Edelstahl pro Monat. Foto: Joachim Haenisch
Thyssen Krupp Nirosta produziert bis zu 70.000 Tonnen Edelstahl pro Monat. Foto: Joachim Haenisch
Foto: Haenisch / waz fotopool
Der Betriebsrat von Thyssen Krupp Nirosta (TKN) in Bochum schlägt Alarm. Der erbitterte Widerstand der "Hammer Runde" gegen die Wiedereröffnung der Deponie Marbach gefährde massiv den Standort, heißt es.

Bochum.. Der Betriebsrat von Thyssen Krupp Nirosta (TKN) schlägt Alarm. Weil der neue Vorstandschef Heinrich Hiesinger das Edelstahlgeschäft abstoßen will, müsse das Bochumer Werk für Kaufinteressenten oder vor einem Börsengang „so sexy wie möglich“ sein, sagt Betriebsratsvorsitzender Frank Klein. Der erbitterte Widerstand der „Hammer Runde“ gegen die Wiedereröffnung der Deponie Marbach gefährde daher massiv den Standort.

Während die Umweltschutzbehörde in Hagen derzeit immer noch prüft, ob die Schlacke-Deponie in Hamme wieder in Betrieb gehen kann, geht der Betriebsrat in die Offensive. Im Gespräch mit der WAZ versuchten Frank Klein, seine BR-Kollegen Udo Beckmann und Ralf Weidenfeld sowie der Umweltbeauftragte des Werkes, Roland Liedtke, die Bedenken der Deponie-Gegner auszuräumen.

"Das Gelände wird sich nicht verändern"

„Wir werden alle Grenzwerte einhalten, unterschreiten einige sogar erheblich“, so Liedtke, „was übrig bleibt, sind die Lkw, die die Schlacken transportieren werden. Aber die Deponie liegt ohnehin in einem Gewerbegebiet. Das Gelände dort wird sich nicht verändern, wenn wir die Deponie wieder betreiben.“

Die Deponie ist für das Bochumer Werk quasi ein Brautgeschenk für die gewünschte Hochzeit mit einem Investor. TKN ist zwar Qualitäts- und Marktführer (Beckmann: „Wir sind die Nummer eins auf der Welt.“), der harte Wettbewerb in Europa und besonders die hohen Marktpreise für Nickel führen aber dazu, dass es am Ende auf jeden Euro ankommt. Eine eigene Deponie in unmittelbarer Nähe des Werkes ist daher ein unschätzbarer Vorteil.

„Wir fürchten einen Preisanstieg"

Zumal die Zeit drängt: Bislang können die Schlacken, die bei der Erzeugung von bis zu 70.000 Tonnen Edelstahl pro Monat anfallen, noch als Baustoffe eingesetzt werden; z.B. für Wälle an Autobahnen oder als Bodenausgleichsmasse bei größeren Bauprojekten. Eine neue Verordnung für Ersatzbaustoffe wird dies künftig aber erschweren. „Wir fürchten daher einen Preisanstieg und gehen ganz klar in Richtung Fremddeponie“, sagt Roland Liedtke.

Der Hammer Runde werfen die TKN-Männer vor, keine Vorschläge für einen Kompromiss zu unterbreiten. Und Kompromisse wie die Deponiehöhe von 30 Metern, die Thyssen nun nur noch plant, würden nicht entsprechend gewürdigt.

Anwohner kündigen Klage an

Wie berichtet, fürchten die Hammer Bürger, dass die Wiederaufnahme der Deponie zu Lasten von Umwelt und Menschen geht und möglicherweise gefährliche Stoffe in das Grundwasser einsickern. Für den Fall, dass die Umweltschutzbehörde in Hagen Grünes Licht für die Thyssen-Pläne gibt, kündigten einige Anwohner bereits an, Klage zu erheben. Ein solches Verfahren würde potenzielle Käufer möglicherweise abschrecken.

Wie der Leiter der Hagener Behörde, Heinz-Jörg Gimpel, am Dienstag auf Anfrage mitteilte, „sieht es derzeit so aus, als könnte die Genehmigung erteilt werden“. Allein die Kreuzkröte kann dies noch verhindern. Beim Erörterungstermin zum Planfeststellungsverfahren wurde auf die Existenz dieser seltenen Krötenart auf dem Deponiegelände hingewiesen. Bei einer ersten Begehung bestätigte sich dies aber nicht, eine zweite, das ist Vorschrift, muss noch erfolgen. Sollten auch dann keine Kreuzkröten gefunden werden, könnte Thyssen unmittelbar nach den Sommerferien mit der Genehmigung rechnen, so Gimpel.

 
 

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