Thomas Solecki wagt frische Blicke aufs Ruhrgebiet

Thomas Solecki mit zwei seiner Landschaftsaufnahmen.
Thomas Solecki mit zwei seiner Landschaftsaufnahmen.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
In seinem Bildband „Fremdbild des Ruhrgebiets“ entwirft der Bochumer Fotograf ein unerwartetes Bild dessen, was eigentlich jedem vertraut ist.

Bochum.. Der Fotograf Thomas Solecki hat einen untrüglichen Blick für Menschen – man denke an seinen Bildband „Bochumer Urtyp“ von 2013, der die unterschiedlichsten Bochumer Originale von Kiosk-Queen Elly Altegoer bis „Lobo“ Kerski vom „Intershop“ versammelte. Aber der Bochumer Lichtbildner ist nicht auf Menschen fixiert. Jetzt hat er das Ruhrgebiet für sich entdeckt. Doch wer weiß: vielleicht ist ja auch der „Pott“ so etwas wie eine Persönlichkeit. Wenn auch von ganz eigener Art.

Bloß keine Klischees!

Diesem Eindruck könnte man nachgeben, denn was eine Persönlichkeit auszeichnet, ist neben Charakter eine gewisse Unverwechselbarkeit, aber auch das immer wieder Überraschende im Auftreten. So gesehen, hat Solecki mit/in seinen neuen Fotografien tatsächlich Überraschendes zu Tage geförderte. Denn in dem Band „Fremdbild des Ruhrgebiets“ entwirft der freischaffende Fotograf mit Atelier in der Brückstraße ein fremdes – weil unerwartetes – Bild dessen, was eigentlich jedem sehr vertraut ist: unser Ruhrpott.

Zurück zur Natur

„Was ich nicht zeigen wollte, waren die Klischees von Fußball spielenden Kindern auf Kohlehalden und von Schafen, die neben Fördertürmen grasen“, sagt Solecki. Abseits von Industrieromantik, Ruhrgebietsnostalgie und modischem Strukturwandel à la ExtraSchicht, zeigt seine Foto-Serie das Land zwischen Duisburg und Dortmund von einer zwar täglich präsenten, gleichwohl nicht alltäglichen Seite: Soleckis Bildstrecke setzt auf die Facetten natürlicher Landschaften und nur wenig auf die menschengemachte Umgebung des „Molochs“ Großstadt.

Jenseits der Stadtlandschaft

72 Einzelbildern sind entstanden, viel Arbeit ist in die Serie eingeflossen, hunderte Kilometer hat Thomas Solecki mit dem Auto und zu Fuß hinter sich gebracht. „Ja, es war spannend“, sagt er, „es war eine Reise, auf der ich eine Menge gelernt habe und neue Eindrücke in meiner Heimat sammeln konnte.“ Fündig geworden ist der Fotograf im weitesten Sinne „im Grünen“, in Mülheim, Haltern, an der Ruhr im Süden von Bochum. „Mich hat es interessiert, zu zeigen, was jenseits der Stadtlandschaft hier auch existiert“, sagt Solecki.

Um den Fotos eine besondere Anmutung zu verpassen, zeigt er die Landschaften in zurücknehmenden Farben; wie verzaubert und fast nostalgisch wirken die Aufnahmen, und sind doch ganz das Gegenteil. Denn nach dem allmählichen Verschwinden der Industrie ist die „Metropole Ruhr“ – vielleicht – zurück dahin, was sie schon einmal war: ein Naturraum, der Stille zulässt und Orte zum Durchatmen. Solches in den Blick zu nehmen, ist immer noch ungewöhnlich. „So sehr verbinden wir das Ruhrgebiet mit der von Menschen geschaffenen Landschaft ringsum, dass wir ganz vergessen haben, wie sie ,eigentlich’ ist“, sagt Thomas Solecki.

Sein Verdienst ist es, genau darauf wieder aufmerksam gemacht zu haben.

 
 

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