Theater über Grenzen hinweg

Die Live Streaming-Performance des niederländischen Künstlers Dries Verhoeven war 2010 eine der ersten internationalen Produktionen am Schauspielhaus Bochum.
Die Live Streaming-Performance des niederländischen Künstlers Dries Verhoeven war 2010 eine der ersten internationalen Produktionen am Schauspielhaus Bochum.
Foto: WAZ

Bochum..  Das Schauspielhaus istder Union des Théâtres de l’Europe (U.T.E.), dem Verband der europäischen Theater, beigetreten. Ziel der Vereinigung ist es, in Zeiten der Globalisierung die kulturelle Vielfalt Europas zu stärken. Ein WAZ-Gespräch mit Intendant Anselm Weber.

Wie kam es zu der Mitgliedschaft?

Weber: Das Schauspielhaus ist nach dem Staatsschauspiel Stuttgart erst das zweite deutsche Theater, das von den 19 Mitgliedshäusern der U.T.E. für eine Mitgliedschaft angefragt wurde. Zur U.T.E. zählen so renommierte Bühnen wie das Prager National Theater oder das Theater Rom. Dass Bochum nun in diesem illustren Kreis dabei ist, darauf bin ich natürlich stolz.

Welchen Anlass gab es für die Aufnahme?

Wichtigster Punkt für die Aufnahme als Vollmitglied war die kontinuierliche internationale Theaterarbeit, die wir hier in Bochum seit 30 Monaten leisten. Überhaupt ist die Internationalisierung ja das Kernthema der 1990 durch den französischen Kulturminister Jack Lang und den Direktor des Mailänder Piccolo Theater Giorgio Strehler gegründeten Union.

Bewirbt man sich zunächst formell um Aufnahme in die U.T.E.?

Nein, im Gegenteil. U.T.E.-Präsidenten Ilan Ronen - künstlerischer Direktor des Habima Nationaltheaters Tel Aviv - kam persönlich auf uns zu. Er war mit einer Delegation in Bochum, hat sich hier Aufführungen angesehen und Gespräche geführt. Es hat sich inzwischen in der Szene deutlich herumgesprochen, wie international wir hier in Bochum aufgestellt sind.

Was bringt die Mitgliedschaft konkret?

Zunächst: Wir sind dabei. Als eines von nur wenigen Häusern in Europa. Das bringt manche Vorteile. U.T.E. ist ein exklusives Netzwerk mit jährlich rund 10 000 Veranstaltungen aus Festivals, Ausstellungen, Workshops und Konferenzen, zu denen jährlich an die 3 Millionen Zuschauer und Teilnehmer kommen. Der Name „Schauspielhaus Bochum“ wird von nun an immer mit in diesen Zusammenhängen und Aktivitäten vertreten sein.

Gibt’s neben diesen ideellen Aspekten noch weitere?

Sicher. Und auch das ist wichtig: die Mitgliedschaft in einem so bedeutenden und länderübergreifenden Theater-Netzwerk ermöglicht mittelfristig auch für uns ganz neue EU-weite Fördermöglichkeiten für Theaterprojekte wie die Agenda 200: „Fallen Angles of History“, eine Art Bürgerbühne.

 
 

EURE FAVORITEN