Theater Rottstraße bringt Kleist-Klassiker heraus

Agnes Decker spielt die Titelrolle.
Agnes Decker spielt die Titelrolle.
Foto: Zimmertheater Tübingen
Das Theater Rottstraße 5 bringt Heinrich von Kleist blutrünstiges Drama „Penthesilea“ als Solo für Schauspielerin Agnes Decker heraus.

Bochum.  Kleist hat gerade Konjunktur in Bochum. Die Stoffe des Dramatikers sind nicht gerade als einfach bekannt, und doch kommt nach „Michael Kohlhaas“ im Prinzregent nun schon der nächste Kleist-Klassiker zur Aufführung: Am Samstag, 22. Oktober, hat „Penthesilea“ im Theater Rottstraße 5 Premiere.

Kleist hat’s in sich, und zumal „Penthesilea“ ist ein Schauspiel, das für viele als „unspielbar“ galt und gilt; einer der prominentesten Ablehner war der große Goethe. Warum? „Hundekomödie; Acteurs: Helden und Köter und Frauen“ – Kleist selbst notierte dies voll brutaler Selbstironie zu seinem Stück. Worum geht’s?

Zerfleischt im Liebesrausch

In Botenberichten und Introspektiven erzählt der Dichter in Blankversen eine Geschichte auf dem Höhepunkt des Trojanischen Kriegs, von einem Kampf „erboster Wölfe“, in dem die Grenze zwischen Mord und Lust verschwimmt. Hier das Männerheer der Griechen; dort die Amazonen: Bräute des Gottes Mars, die nur Töchter gebären und dies nur von Männern, die ihnen im Kampf unterlagen. Die Amazonenkönigin Penthesilea liebt den trojanischen Helden Achill, doch als sie ihn im Kampf erobern will, unterliegt sie und verliert das Bewusstsein. Achill, der ihre Gefühle erwidert, will sich ihr kampflos ergeben, doch als sie erwacht, zerfleischt Penthesilea ihn – im Liebesrausch...

Blutgetränkt ist das alte Schauspiel also allemal, aber nicht der Blutdurst interessierte den aus Wattenscheid gebürtigen Regisseur Moritz Peters an dem Stoff, sondern das Archaische, das in dem Stück von 1808 immer wieder durchkommt. „Das Unbewusste, die Sucht nach Verschmelzung und Vereinigung mit dem Geliebten, hat die Macht über Penthesilea und Archill“, sagt Peters. Aus dem Rausch erwachend, muss die Amazone die Folgen ihrer tödlichen Tat erkennen - und damit klar kommen, dass sie ihren Liebsten im Wortsinn zerfleischt und zerrissen hat.

Stimmen aus dem Recorder

Ein verstörender Stoff also, der stark reduziert auf die Bühne im Theater unter den Bahngleisen kommt: Als Solo für die Schauspielerin Agnes Decker, die als Penthesilea die Geschichte rückblickend – also nach ihrem Mord – entwickelt, wobei die Stimmen aus der Vergangenheit, die sie verfolgen, aus dem Cassettenrecorder kommen.

 
 

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